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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Benedikt (VIII.) bestätigt unterschriftlich eine Urkunde des Erzbischofs Aimerich von Narbonne, welche über die im päpstlichen Auftrag (praecepto iamdicti papae Benedicti) vom Erzbischof vollzogene Streitschlichtung zwischen dem Bischof Miro von Gerona einerseits und den Grafen Bernhard von Besalú, Wifred (von Cerdaña) und Borell (I. von Barcelona) anderseits wegen der Gründung des Bistums Besalú unter dem vom Papste ordinierten (n. 1182) Bischof Wifred berichtet, den genannten Grafen eine Schmälerung der Rechte des Bistums Gerona verbietet und gemäß dem Papstprivileg für das Stift Besalú (n. 1187) sowohl dessen Besitzungen als auch die Rechte des Bischofs von Gerona bestätigt.

Überlieferung/Literatur

Druck: Marca-Baluze, Marca hispanica 1011. Reg.: Zimmermann, PUU. 987 n. † 520. Lit.: Bauer, Rechtsverhältnisse 56 u. 103.

Kommentar

Die erzbischöfliche Urkunde datiert sub a. trabeationis Dom. M[XVII]., ind. XV., aere ML[V]. und trägt die Unterschriften des Papstes (Thepfribetus, qui et Benedictus sanctae catholicae et apostolicae Romanae ecclesiae praesul ipsum confirmavi et in aeternum valere praecepi), des Erzbischofs, des Bischofs Miro, des Markgrafen Borell (von Barcelona), des Archileviten Akfred und des Priesters Fredelin als Notar. Daß es sich um eine Fälschung handelt, wurde bereits von Marca-Baluze 426 erkannt und geht schon aus der anachronistischen Nennung der handelnden Persönlichkeiten hervor. Borell ist mit dem Markgrafen des 10. Jh. (967‒993) zu identifizieren. Erzbischof Aimerich (927‒977) und Bischof Miro (970‒994) (vgl. n. 480) waren dessen Zeitgenossen, und Aimerich soll laut der Urkunde iussione domini Benedicti papae Miro, den früheren Grafen von Besalú, zum Bischof von Gerona ordiniert haben, wobei höchstens Benedikt VII. als Auftraggeber gemeint sein könnte (vgl. n. 585), doch ist von einem solchen Auftrag sonst nichts bekannt. In den Pontifikat Benedikts VIII. verweist dagegen die Erwähnung der Weihe Wifreds (n. 1182) zum Bischof von Besalú auf Bitte des Grafen Bernhard und die wörtliche Übernahme vieler Stellen aus n. 1187 u. n. 1189, woher vor allem Papstunterschrift (z. T. verlesen) und Datierung stammen dürften; vgl. Kehr, Prinzipat 20 Anm. 1. Echte Grundlage des Falsifikates mag der Widerstand gewesen sein, der sich bald, bes. seitens des Bischofs Petrus von Gerona, gegen die Gründung des Bistums Besalú erhob und auch zu dessen Aufhebung führte; vgl. Vincke, Staat und Kirche 357. Daß aber der Papst selbst ein Schiedsgericht des Erzbischofs von Narbonne über das Schicksal des exemten Bistums angeordnet und bestätigt haben soll, ist nicht nur durch keine andere Quelle bezeugt, sondern auch höchst unwahrscheinlich. Bauer nimmt wie für n. 1187 eine zugunsten der Rechte des Bischofs von Gerona über das Kanonikerstift Besalú am Ende des 11. Jh. hergestellte Fälschung an. Für die Datierung maßgebend wäre die Gründung des Bistums Besalú (n. 1182) und das Ende des 15. Indiktionsjahres.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †1200, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1017-09-00_2_0_2_5_0_1256_F1200
(Abgerufen am 18.01.2017).