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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Der Klerus von England teilt dem Papst (Benedikt VIII.) (omnes episcopi et sacerdotes totius Brittanniae insulae venerabili papae) mit Berufung auf historische Belege mit, daß gemäß alt anerkanntem Rechte die englischen Erzbischöfe jeweils von ihren Miterzbischöfen ordiniert werden und das Pallium von Rom zugeschickt erhalten (quod archiepiscopus semper ab archiepiscopo debeat ordinari et pallium ei debet mitti a domno apostolico). ‒ Notum fore cupimus ...

Überlieferung/Literatur

Drucke: A. W. Haddan-W. Stubbs, Councils and Ecclesiastical Documents relating to Great Britain and Ireland, III (Oxford 1871) 559 u. Whitelock, Councils and Synods I 441 ff. Reg.:Lit.: Levison, England and the Continent 241 ff.; D. Bethurum, A Letter of Protest from the English Bishops to the Pope (Philologica. The Malone Anniversary Studies 1949, 97‒104); Barlow, English Church 299; Martí Bonet, Concesión del palio 163.

Kommentar

Der undatierte Brief ist nur fragmentarisch in einer aus dem 12. Jh. stammenden Abschrift eines vor 1016 für Erzbischof Wulfstan II. von York (1003‒1023) hergestellten Codex im Ms. Vespasian A XIV fol. 178 des Brit. Mus. in London (vgl. Holtzmann, PUU. in England I 96) erhalten und wurde bisher durch Mißdeutung des in der Adresse stehenden Sigels für den Papstnamen łł statt illi auf Leoni in den Pontifikat Leos III. datiert. Bis in dessen Regierungszeit reichen nämlich die im Brieffragment angeführten historischen Belege: Berichte der Kirchengeschichte des Beda Venerabilis, die Palliumurkunden Bonifaz' V. und Honorius' I. für die Erzbischöfe Justus und Honorius von Canterbury (JE. 2007 u. 2020) sowie ein Schreiben Alkuins an König Offa von Mercia. Levison hat erstmals die Vermutung geäußert, daß der Brief aus der Zeit Wulfstans stamme und der Rest eines damals etwa gleichzeitig mit der Romreise des Erzbischofs Lyfing von Canterbury (vgl. n. 1191) nach Rom gesandten Protestes gegen die Forderung der Päpste sei, daß sich die englischen Erzbischöfe das Pallium jeweils selbst holen müßten. Er stützt seine These mit dem Hinweis auf ein Gesetz König Knuts von England aus dem Jahre 1027 (Liebermann, Gesetze I 276 Absatz 7), aus dem hervorgeht, daß sich der König während seines Romaufenthaltes im Jahre 1027 ebenso wie schon früher einmal beim Papste wegen des Zwanges der Palliumreisen seiner Erzbischöfe und der dadurch veranlaßten großen Geldauslagen beschwert habe: Conquestus sum iterum coram domino papa et mihi valde displicere causabar, quod mei archiepiscopi in tantum angariabantur immensitate pecuniarum, quae ab eis expetebantur, dum pro pallio accipiendo secundum morem apostolicam sedem expeterent. Levisons Ansicht über die Datierung des Brieffragmentes und der ersten Beschwerde König Knuts in die Zeit um 1017 wird von Bethurum akzeptiert, die durch Stilvergleich in Erzbischof Wulfstan selbst den Verfasser des an den Papst gesandten Briefes erkennen zu können meint. Auch eine neue Prüfung der Handschrift, die Levison nicht möglich war und von Bethurum nicht angestellt wurde, ergab eindeutig, daß łł als Sigel für illi anzusprechen ist, jedenfalls nicht als doppeltes t gelesen werden kann, wie noch Holtzmann wollte. Als Empfänger des Beschwerdebriefes ist demnach Papst Benedikt VIII. anzunehmen, der sich vielleicht durch ihn veranlaßt sah, dem König Knut als Antwort durch Erzbischof Lyfing von Canterbury das in n. 1191 erwähnte Mandat zu übersenden. Lyfing dürfte auch der Überbringer der englischen Beschwerden gewesen sein. Über frühere Editionen des Brieffragmentes sowie über die ältere Literatur vgl. Levison 241. Der im Brieffragment als letzter Beleg genannte Brief Alkuins an König Offa wird von Levison 245 neuerlich ediert.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 1190, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1017-02-00_2_0_2_5_0_1246_1190
(Abgerufen am 24.01.2017).