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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Benedikt (VIII.) teilt genannten Erzbischöfen und Bischöfen von Burgund, Aquitanien und der Provence (omnibus fratribus et coepiscopis per Burgundiam, Aquitaniam et Prouintiam constitutis) mit, daß er in Beisein König Roberts (II.) von Frankreich und dessen fürstlicher Begleitung (in presentia Deo devoti domni Rodberti regis Francorum principumque eius et obtimatum, qui cum eo venerunt ad limina apostolorum) durch Gesandte des Abtes Odilo von Cluny erfahren habe, wie das einst von (Herzog) Wilhelm (I.) von Aquitanien begründete, seither durch Päpste und Kaiser sowie durch die Könige von Frankreich und Burgund privilegierte und samt allen seinen Besitzungen von jeder außer der päpstlichen Jurisdiktionsgewalt eximierte Kloster Cluny (Cluniacense monasterio ... in pago Matisconensi) (D. Mâcon) von Feinden bedrängt werde; ermahnt die namentlich aufgezählten Bedränger der Abtei bei Strafe der Exkommunikation, bis zum kommenden Michaelisfest genannte widerrechtlich in Besitz genommene Klostergüter zu restituieren; befiehlt den Empfängern, im Weigerungsfalle die Exkommunikation auszusprechen, und ermahnt genannte weltliche Potentaten und überhaupt alle Fürsten von Burgund, Aquitanien und der Provence, das Kloster zu schützen. ‒ Liquidum est ... Dat. kal. Apr.

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: um 1100, Paris Bibl. nat.: Ms. lat. nouv. acq. 2262 p. 26. Erw.: Urk. Johannes XIX. für Cluny v. 1027 (Zimmermann, PUU. 1083 n. 570). Drucke: Duchesne, Hist. Francorum SS. IV 169; Bull. Cluniacense 6; Bouquet, Recueil X 432; Cocquelines, Bull. I 332; Mansi, Coll. XIX 324; Tomassetti, Bull. I 532; Migne, PL. 139, 1601; Manteyer, Chartes 129; Zimmermann, PUU. 1007 n. 530 (zu 1021‒1023). Reg.: J. 3064; Bernard-Bruel, Recueil III 727 n. 2703; Pfister, Robert le Pieux LXXVI n. 54; JL. 4013; Gall. christ. nov. I 465, 584, III 140 n. 313, IV 43 n. 41 u. VII 32 n. 109; Chevalier, Reg. I 274 n. 1624; Hallinger, Gorze-Kluny 555; Swinarski, Herrschen mit Heiligen 439 n. 173. Lit.: Ringholz, Odilo 25 ff.; Pfister, Robert le Pieux 307; Sackur, Cluniacenser II 88 f.; Berr, Gewalttaten 109; Smith, Hist. of Cluny 149 f. u. 157 f.; Valous, Le domaine 334; Letonnelier, L'abbaye exempte de Cluny 31 f. u. 41; Champly, Hist. de Cluny 50; Valous, Le monachisme clunisien II 136; Evans, Monastic Life 18; Côte, Odilon 67 f. u. 104; Chanteux, Les origines clunisiennes 146 ff.; G. Duby, La société aux XIe et XIIe siècles dans la région mâconnaise (Paris 1953) 158; Lemarignier, Structures monastiques 388 ff.; Hourlier, Odilon 82, 171, 175 u. 178; Cowdrey, Cluniacs 21, 40 ff. u. 152.

Kommentar

Die in ihrer Echtheit unbestrittene Urkunde ist gleichwohl in manchem auffällig und vielleicht nur ein in Rom eingereichter Entwurf (vgl. Kortüm, UrkSprache 256). Vgl. über die merkwürdig ausgestaltete Intitulatio (per divinam gratiam sanctae Romanae aecclesiae presul) Breßlau in AUF. 6/1918, 31. In einigen Drucken und Regestenwerken findet sich die falsche Datierung kal. Sep., die schon deshalb unmöglich ist, weil den Feinden des Klosters nur ein Termin bis zum nächsten 29. Sep. gestellt wird, ein Zeitraum, der sowohl für die Bekanntmachung der päpstlichen Enzyklika als auch für die geforderte Restitution der Güter als zu kurz erscheint; vgl. dazu Bernard-Bruel III 727 Anm. 2. Die Romreise König Roberts wird sonst nirgends erwähnt. Eine von Odorannus v. Sens bezeugte Romreise des Königs (Bautier-Gilles 100 f.) gehört in den Pontifikat Johannes' XVIII; vgl. n. 1135. Die Romfahrt von 1016 könnte laut Chanteux mit dem Kriegszug Benedikts VIII. gegen die Sarazenen (n. 1166) im Zusammenhang stehen. Daß die Papsturkunde für Cluny 1016 ausgestellt wurde, hat Bouquet auf Grund der Regierungszeit der in der Adresse genannten Erzbischöfe und Bischöfe gefolgert: Burchard (II.) von Lyon, Burchard von Vienne, Walter von Besançon, Pontius von Arles, Walter von Autun, Stephan (IV.) von Clermont, Fredelon von Le Puy-en-Velay, Gottfried von Chalon, Lambert von Langres, Gauzlin von Mâcon, Wigo von Valence, Hermann (n.) von Viviers, Aribald von Uzès, Ulrich von St-Paul-Trois-Châteaux, Ferald von Gap, Petrus von Vaison, Eldibert von Avignon, Stephan von Carpentras und Almerad von Riez. Lambert von Langres ist der Nachfolger des erst am 31. Jan. 1016 verstorbenen Bischofs Bruno, Gauzlin von Mâcon aber erst ab 1018 bezeugt. Sein Vorgänger Leobald, der resigniert und sich in ein Kloster zurückgezogen hatte, ist ca. 1021 gestorben, wird aber in der Papsturkunde mit beate recordationis apostrophiert, so daß 1021 Terminus post quem wäre. Terminus ante wäre 1023, der Tod Stephans von Carpentras. Zur Datierung vgl. nach Ringholz Anm. 39 Zimmermann, PUU. 1007. Laut Pfister 307 hat König Robert selbst das Privileg erbeten. Als Feinde des Klosters erscheinen (H)ilduin, Wichard (II.) von Beaujeu, Bernard von Riotier, Hugo von Montpont und dessen Frau Azelina, Falko der Neffe des Klerikers Iterius, Warulf von Brancion und dessen Bruder Propst Walter von Mâcon, Durand und Aimin von Chandieu, Girard von Centarben und Robert von Ile. Als entfremdete Besitzungen werden genannt Trade, Laizé, Houillaux, Villefontaine, Sarrians, Valensole, Tulette und Piolenc. Zum Schutze Clunys werden aufgefordert die Grafen (Otto) Wilhelm (von Burgund), dessen Sohn Rainald, weiters Hugo (von Chalon) und Otto (II. von Mâcon), die Gräfinnen Adelheid-Blanche (von der Provence) und deren Schwiegertochter Gerberga (von der Provence), die Vizegrafen Wigo und Wilhelm (von Mâcon) sowie die Herren Odulrik und Ansedeus (II. von Bourbon-Lancy). Zur Identifizierung der genannten Persönlichkeiten vgl. Ringholz und Chanteux sowie M. Chaume, Les origines du duché de Bourgogne, I (Dijon 1925) 485 f. und Hourlier. Erzbischof Walter von Besançon folgte dem 1015 verstorbenen Erzbischof Hektor, nach dessen Tod König Rudolf III. von Burgund im Einvernehmen mit Kaiser Heinrich zunächst einen Berthold eingesetzt hatte, der sich aber nicht halten konnte. Vgl. über ihn zuletzt K. List, Zur Frage der Stifter des Klosters Sulzburg im Breisgau (Schau-ins-Land 84‒85/1967, 277 ff.). Berthold taucht 1035 nach dem Tode Walters wieder als Erzbischof auf und behauptete später vor Papst Leo IX. (vgl. MG. Const. I 98), von einem Papst Benedikt pallium cum privilegio ... ad suscepti honoris confirmationem erhalten zu haben. Gemeint ist wohl eher Papst Benedikt IX. als Papst Benedikt VIII Vgl. zu den Ereignissen auch C. Fohlen, Histoire de Besançon (Paris 1964) 230f. und zur Umdatierung in die Jahre 1021‒1023 unten n. 1229a.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 1167, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1016-04-01_1_0_2_5_0_1223_1167
(Abgerufen am 23.06.2018).