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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Durch Abt Gottfried von Breme (D. Pavia) über die Usurpation der diesem Kloster gehörigen Zelle Pollenzo (D. Turin) durch deren Prior Oddo aufgeklärt, befiehlt der Papst (Benedikt VIII.) dem von ihm selbst zum Abte geweihten Oddo (n. 1095) bei Strafe des Anathems, der usurpierten Würde zu entsagen und unter die Jurisdiktion seines Abtes Gottfried zurückzukehren, und fordert zu dessen Unterstützung auf (... papa, cognita veritate, dato anathemate, iussit, ut nec abbas fieret, et in iussionem sui patronis rediret, deditque licentiam, ut quicumque vellet adiuvare eum, ex suo deposito liberam haberet facultatem et benedictionem).

Überlieferung/Literatur

Erw.: Chr. Novalicense, App. 9 (Cipolla, FSI. 32/1901, 296 f.). Reg.: Cipolla, FSI. 31/1898, 133 n. 57; Bollea, BSS. 127/1933, 54 n. 45. Lit.: gosso, Vita economica 135.

Kommentar

Die unklare Berichterstattung des Chronisten bietet für die Datierung der Ereignisse manche Schwierigkeiten. Gottfrieds Vorgänger als Abt von Breme Gezo wird nämlich eine Regierungszeit bis in die Tage Kaiser Heinrichs zugeschrieben (vgl. Cipolla, FSI. 31/1898, 439 n. 26), was aber kaum wörtlich zu verstehen ist, sondern wohl den Regierungsantritt des Herrschers im Jahre 1002 meint, da im Feb. 1014 bereits Gottfried Abt von Breme war, wie sich auch aus n. 1134 ergibt. Gottfrieds Abtzeit beginnt vielleicht schon 1008 (Cipolla, FSI. 31/1898, 440 n. 27), in welches Jahr auch laut Ughelli, Italia sacra 2IV 1031 jener Streit zwischen Markgraf Arduin V. von Turin-Romagnano und dessen Vetter Markgraf (Olderich) Manfred II. (zur Genealogie vgl. Breßlau, Jahrbücher Konrads II., I 363 f.) fällt, der gemäß dem Bericht des Chronisten (Cipolla, FSI. 32, 296) dem von Gottfried zum Prior von Pollenzo erhobenen Oddo die erwünschte Gelegenheit verschaffte, die Abtwürde dieses Priorates zu usurpieren (vgl. n. 1095). Anderseits kann letzteres Ereignis unmöglich schon ins Jahr 1008 datiert werden, da Oddo wohl einige Zeit als Prior seinem Abte die Treue gehalten haben dürfte und auch laut des Chr. offensichtlich der leider nicht mit Namen genannte Papst, der Oddo auf Grund falscher Informationen die Abtweihe erteilte (n. 1095), identisch war mit dem Papst, der diese Weihe später auf Bitten Gottfrieds widerrief. Gottfried soll deswegen nach Rom gereist sein, was wohl in den Feb. 1014 zu datieren ist, da der Abt damals auch das Privileg n. 1134 erhielt, in dem Pollenzo wieder als Besitz des Klosters Breme erscheint. Es wäre denkbar, daß Benedikt VIII. in den Anfängen seines durch das Schisma mit Gregor VI. charakterisierten Pontifikates (n. 1075) auf der Suche nach Anhängern der auch durch Geldgeschenke unterstützten Intervention des Markgrafen Arduin nachgegeben hat. Demnach wäre die Weihe Oddos in Rom ins Jahr 1012 oder spätestens in den Beginn des Jahres 1013 zu datieren (vgl. n. 1095). Über das weitere Schicksal Oddos nach Feb. 1014 erfährt man aus dem Chr., daß dieser sich dem Abte Gottfried unterwarf und vor Markgraf Manfred feierlich auf sämtliche Aspirationen bezüglich der Abtwürde Verzicht leistete. Er erhielt später wieder ein Priorat, hat sich aber auch hier nicht bewährt. Angeblich soll sich auch eine unter dem Vorsitz Kaiser Heinrichs tagende Synode mit Oddo beschäftigt haben; vgl. dazu Bollea 55 n. 57.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 1133, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1014-02-00_2_0_2_5_0_1188_1133
(Abgerufen am 03.12.2016).