Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

Sie sehen den Datensatz 1184 von insgesamt 1338.

Unter dem Vorsitz des Papstes Benedikt (VIII.) und des Kaisers Heinrich tagt eine Synode, während der (1) auf Grund eines Synodalurteils zwei seinerzeit durch den Erzbischof Leo (II. von Ravenna) (entgegen den kanonischen Bestimmungen) geweihte Kleriker vom Papste abgesetzt werden. Der in Ravenna durch Heinrich eingesetzte Erzbischof Arnald (n. 1123) wird vom Papste bestätigt. (2) Auf Drängen des Kaisers ordnet der Papst mit Konsens des Konzils an, daß auch in Rom, wo dies bisher nicht üblich war, im Gottesdienst das Meßsymbol gesungen werde.

Überlieferung/Literatur

Erw.: 1) Thietmar v. Merseburg, Chr. VII 2 (MGSS. N. S. IX 398); Ann. Saxo 1014 (MGSS. VI 666). 2) Berno v. Reichenau, Libellus de quibusdam rebus ad missae officium pertinentibus 2 (Migne, PL. 142, 1061). Reg.: JL. I p. 507; Boye, QuKat. 74; Böhmer-Graff n. 1802 a. Lit.: Hirsch, Jahrbücher II 426 f.; Wappler, Papst Benedikt 27 f.; Hefele-Leclercq, Hist. des conc. IV 917; Boye, Synoden 267; Hauck, Kirchengesch. III 522 f.; Mikoletzky, Kaiser Heinrich 62; Fornasari, Enrico e Benedetto 52 ff.; Wolter, Synoden 265; Wojtowytsch, Kanones Heinrici 155‒168; Hoffmann, Mönchskönig 56.

Kommentar

Die Synode fand wohl unmittelbar nach der Kaiserkrönung Heinrichs (n. 1125) statt. Gegen Fornasari bezieht Wojtowytsch die sonst n. 1123 oder n. 1144 zugeordneten Canones Heinrici regis (MG. Const. I 61 f.) auf diese Krönungssynode. Zu ihren Verhandlungsgegenständen dürfte auch die damalige Lage des Klosters Farfa gehört haben; vgl. darüber n. 1131. Über die Absetzung der von Erzbischof Leo (999‒1001) geweihten Kleriker berichtet Thietmar in einer auch die Beschlüsse der Synoden von Ravenna (n. 1123 u. n. 1144) einbeziehenden Art: In Ravenna duos et Romae totidem sinodali iudicio papa deposuit, ab archiepiscopo Leone iam muto consecratos. Die Formulierung, die auch vom Ann. Saxo wörtlich übernommen wird, führte zu der irrigen Annahme, daß Benedikt VIII. an dem im Jan. 1014 in Ravenna tagenden königlichen Konzil (n. 1123) teilgenommen habe, doch ist laut Fornasari ein zweites ravennatisches Konzil im März 1014 (n. 1144) anzunehmen. Bezüglich der Aufnahme des Symbols in den Meßkanon, worüber Berno als Synodalteilnehmer berichtet, vgl. Hergenröther, Photius II 274 u. III 728 f.; Norden, Papsttum und Byzanz 16; Jugie, Le schisme byz. 167; Every, Byz. Patriarchate 150; Michel, Humbert und Kerullarios I 21; Jungmann, Missarum sollemnia I 579, B. Capelle, L'introduction du Symbole à la messe (Mélanges J. de Ghellinck, II. Gembloux 1951, 1024 f.) und A. Amiet in Zs. für Schweiz. KG. 70/1976, 222 ff. Es handelt sich um das durch das filioque erweiterte Symbol, was zum Schisma zwischen Rom und Byzanz beitrug; vgl. darüber n. 1042 und auch Le Guillou in Catholicisme 4/1956, 1279 ff. Berno berichtet, daß in seiner Anwesenheit die Römer auf die Frage, warum bei ihnen die Rezitation des Symbols nicht üblich sei, geantwortet hätten, die nie durch eine Häresie befleckte römische Kirche habe dies zum Unterschied von anderen nicht nötig (vgl. dazu auch Klauser in HJb. 53/1933, 188), worauf Berno fortsetzt: At dominus Imperator non antea desiit, quam omnium consensu id domino Benedicto apostolico persuasit, ut ad publicam missam illud decantarent.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 1129, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1014-02-00_2_0_2_5_0_1184_1129
(Abgerufen am 22.03.2017).