Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

Sie sehen den Datensatz 1147 von insgesamt 1338.

Papst Benedikt (VIII.) gewährt dem Kloster Fruttuaria (D. Ivrea) ein Privileg über seine Freiheiten und bezüglich der Wahl und Weihe seiner Äbte.

Überlieferung/Literatur

Erw.: MG. DH. II n. 494 (Böhmer-Graff n. 2045), MG. DK. II n. 70 u. 88 (Böhmer-Appelt n. 72 u. 91) sowie Urk. Johannes' XIX. v. 1027 III. 31 (Zimmermann, PUU. 1089 n. 575). Reg.: IP. VI/2, 150 n. *3. Lit.: Kaminsky, Gründung von Fruttuaria 251 f.; Bulst, Wilhelm von Dijon 120.

Kommentar

In der zitierten Urkunde Heinrichs II. vom Jahre 1023 wird als Inhalt des heute verlorenen und nur mehr aus den angegebenen Erwähnungen bekannten Privilegs Benedikts VIII. erklärt, es habe de eius libertate et stabilitate, de abbatis electione et consecratione gehandelt. Diese Formulierung übernehmen die zitierten Urkunden Konrads II. (vgl. auch Böhmer-Appelt n. 72 u. 91). Das Privileg Johannes' XIX. erwähnt das Diplom Benedikts als Vorurkunde ebenso wie n. 1014. Schon im Synodalinstrument n. 1157 vom 3. Jan. 1015 scheint jedoch auf ein Privileg Benedikts VIII. Bezug genommen zu werden. Hier heißt es nämlich, daß das Kloster bereits apostolica regalia vom Papste erworben habe. Diese Verleihung muß demnach in die Zeit vor Anfang 1015 datiert werden. Bulst 120 möchte hingegen erst die Zeit nach Wilhelms Gründungsurkunde (ed. Bulst 223 ff.) annehmen, die er 242 zwischen n. 1157 und dem 30. Jan. 1016 datiert, also zwischen 1016 und 1023, weil in der Gründungsurkunde von einer solchen päpstlichen Privilegierung noch keine Rede ist. Auf dieselbe Privilegierung von Fruttuaria durch Papst Benedikt VIII. könnte sich eine Stelle in der Chr. abbatiae Fructuariensis beziehen, wenn dieser und seinen legendenhaften Berichten überhaupt ein Wahrheitskern innewohnen sollte. Demnach soll nämlich Papst Benedikt VIII. den Streit des Abtes Hugo von Dijon mit Wilhelm von Fruttuaria auf Bitten des letzteren, die in Rom durch Prokuratoren des Klosters Fruttuaria vorgebracht wurden, mit den Worten entschieden haben: sicuti abbatia Cluniacensis exempta est, ita exemptamus et abbatiam Fructuariensem cum membris suis habitis et habendis in sempiternum (Calligaris 118 f.). Die Chronik verwendet anachronistisch den Namen des Abtes Hugo von Dijon, weiß nichts davon, daß damals Wilhelm selbst Abt von Dijon war, und setzt voraus, daß die Gründung Fruttuarias gegen den Willen des Abtes von Dijon erfolgte bzw. dieser die Neugründung unter seiner Jurisdiktion behalten wollte, was nun durch das Exemtionsprivileg Benedikts VIII. verhindert wurde. Als wahrer Kern der Geschichte kann höchstens eine dunkle Erinnerung an ein Freiheitsprivileg Benedikts VIII. für Fruttuaria angenommen werden. Über weitere Legenden in der Chronik vgl. n. 1094 und n. 1122.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 1093, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1012-00-00_8_0_2_5_0_1147_1093
(Abgerufen am 29.03.2017).