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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Sergius IV. bestätigt dem Rektor Bernard Oliver der Kirche von Ivorra (Bernardo Oliuerii rectori ecclesiarum beate Marie et sancti Cucuphatis de Iuorris diocesis Urgellensis) (D. Urgel) wunschgemäß sowie auf Grund eingelangter Informationen und auf Rat eines Kardinalkonsistoriums die Echtheit eines Transsubstantiationswunders, das sich vor Augen der Gemeinde von Ivorra bei der Konsekration des Meßweines trotz der Zweifel des konsekrierenden Rektors Bernard ereignete, gewährt der daraufhin gebildeten Marienbruderschaft von Ivorra verschiedene Beicht-, Absolutions- und Ablaßprivilegien, ordnet gemäß den Statuten der Bruderschaft die Unterstützung der in Not geratenen Brüder an und erlaubt die Ausstellung von besiegelten Sittenzeugnissen. ‒ Cum nobis constet ... Scr. [pm.] Dalmacii not. [reg. et scrin.] s. matris eccl. in men. V., a. VI. ‒ Dat. Ferent(ini) pm. Dalmacii SRE. scriptoris die et a. predictis, pont. vero dom. Sergii IV. pp. a. II.

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 1) 1799, Solsona Mus. dioc.: Costa y Bofarull, Memorias 515. 2) Anf. 19. Jh., Madrid Bibl. Acad. Hist.: Ms. 4562 (Villanueva, Coll. doc. I) fol. 124. Insert: D. Costa y Bofarull, Memorias de la ciudad de Solsona (ed. Bibl. hist. de la bibl. Balmes, ser. II vol. XXII, Barcelona 1959, 719). Erw.: Urk. d. Kard. Pedro de Foix v. 1426 (Villanueva, Viage IX 216). Drucke: Kehr, PUU. in Spanien I 246; Zimmermann, PUU. 858 n. † 452. Reg.: Santifaller, LD. 324; Santifaller, Elenco 327. Lit.: Villanueva, Viage IX 32 ff., Kehr, PUU. in Spanien I 246 f.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Kehr I 190 und 246. Die Privilegierung von Ivorra durch Sergius IV. wird auch in den Absolutionsformeln der Bruderschaft und in deren Aufnahmeformular erwähnt, wovon sich Beispiele in der zitierten Edition 721 f. finden. Sergius IV. soll zunächst einen Legaten nach Spanien zur Prüfung des ihm mitgeteilten Wunders gesandt und erst auf Grund des Legatenberichtes das Privileg ausgestellt haben. Auch der Legat bestätigt in einem eigenen Privileg (n. 1066) die Echtheit des Wunders. Beide Urkunden sind jedoch Fälschungen, wie schon Villanueva IX 32 ff. erkannte. Dessen Abschrift (Kop. 2) geht angeblich auf eine Kop. v. 1433 zurück. Das Papstprivileg wurde Anfang des 15. Jh. im Hochaltar der Kirche von Ivorra gefunden, wie die zitierte Urkunde des Kardinals Pedro bezeugt. Als Zeitpunkt der Fälschung ist demnach das 14. Jh. anzunehmen. Das angebliche Original des Papstprivilegs wurde dann während des 19. Jh. vernichtet. Zur Herstellung der Fälschung verwendete man die Urkunde Sergius' IV. für Arles (n. 1062) oder eine verlorene gleichlautende Urkunde sowie das Privileg Eugens III. für Solsona von 1151 (Kehr I 328). Aus dieser stammen die Datierung und die Unterschriften der Teilnehmer des angeblichen Konsistoriums, aus jener die Sanktionen. In der Skriptumzeile ist das Pontifikatsjahr falsch berechnet. Vor der Datierung finden sich dann noch die Unterschriften der Kardinäle Attomarius von St. Martial, Mercedianus von (St. Georg in) Velabro, Jakob von (St. Maria in) Cosmedin, Imarus von Tusculum, Nikolaus von Albano, Albert von St. Anastasia, Matthäus von St. Hadrian und Markus von St. Maria Nuova, doch stimmen diese Namen nur zum Teil mit der Vorlage, dem Privileg Eugens III., überein, da der Fälscher anscheinend absichtlich einige Veränderungen vorgenommen hat. An der Spitze der Unterschriften findet sich das Signum des Papstes: Ego Sergius IV. catholice ecclesie episcopus. Zu Geschichte der Bruderschaft von Ivorra vgl. Costa 708 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †1057, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1011-05-00_1_0_2_5_0_1110_F1057
(Abgerufen am 19.09.2017).