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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Johannes XVIII. teilt dem Abt Wilhelm (von Dijon) (Guillelmo abbati) mit, daß auf seine, durch Bischof Walter von Autun (per venerabilem Valterium Eduorum pontificem) überbrachten Bitten das von ihm begründete Kloster Fruttuaria (monasterium ... in comitatu Hiporiensi inter duos fluvios Orgum videlicet atque Amolini situm in loco, qui dicitur Fructuaria) (D. Ivrea) samt allen seinen Besitzungen in den päpstlichen Schutz (sub tuitione ac patrocinio sanctae universalis cui Deo auctore deservimus ecclesiae) genommen und jegliche Besitz- und Rechtsverletzung, besonders die Zehnteinhebung im Klostergebiet verboten wurde; verleiht das Recht der freien Abt- und Propstwahl und bestätigt ein diesbezügliches bischöfliches Dekret sowie eine Urkunde des (Archidiakons) Guntard (von Turin). ‒ Quoniam concedenda sunt ... Dat. IV. non. Dec. pm. Ingilonis scrin. SAS. a. III. pont. dom. Joannis XVIII. pont. summi et univ. pp. in ss. sede b. Petri apost., ind. V.

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 18. Jh., Turin Bibl. reale: Misc. patr. 146 n. 33 (fragm.). Erw.: Urk. Wilhelms v. Dijon für Fruttuaria v. 1015 (Bulst, Wilhelm von Dijon 224); Urk. Johannes' XIX. v. 1027 (Zimmermann, PUU. 1089 n. 575); Urk. Alexanders II v. 1063 (IP. VI/2, 151 n. 9). Drucke: Gall. Christ. 1IV 163 f.; Ragioni della sede (1732) II/2, 4 n. 2; Cocquelines, Bull. I 305 n. 2; Tomassetti, Bull. I 487; Migne, PL. 139, 1485; Chevallier, Guillaume 290 f.; Zimmermann, PUU. 822 n. 429. Reg.: J. 3022; JL. 3950; IP. VI/2, 149 n. 1; Santifaller, LD. 323; Santifaller, Elenco 324. Lit.: Gall. christ. IV 675; Chevallier, Guillaume 96; Sackur, Cluniacenser II 6; Chomton, Hist. de Dijon 120; Kehr, Die ältesten PUU. 27; Benedetto, I vescovi d'Ivrea 24 u. 103; Kaminsky, Gründung von Fruttuaria 249; Bulst, Wilhelm von Dijon 118 f.; Kortüm, UrkSprache 186 ff.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. auch Kehr in GGN. 1901, 81 und IP.VI/2, 149 n. 1. Die Manuskripte von Terraneo in der Nat.Bibl. von Turin sind 1904 durch einen Brand stark beschädigt und nahezu unbenutzbar geworden, so daß sich die dort enthaltene Kopie des 18. Jh. derzeit nicht finden läßt. Sämtliche Drucke des Schutzprivilegs bieten wie auch die zitierte Kopie nur einen fragmentarischen Text. In dieser fehlt sogar der Abschnitt über das Wahlrecht der Mönche, der sich aber im ältesten Druck vom Jahre 1656 findet und auf ein Manuskript von F. A. Della Chiese, Antiquitates ecclesiarum Pedemontini aus dem 17. Jh., zurückgeht, das Kehr (vgl. IP. IV/2, 1) nicht mehr auffinden konnte. Cocquelines stützt sich dagegen auf einen vatikanischen Codex, der aber anscheinend die formelhaften Teile der Papsturkunde wegließ. Die Verkürzung der Datierung, die in der zitierten Kopie gar nur IV. non. Dec. MVI. lautet, ist vermutlich dem Kopisten zuzuschreiben. Vor der Datumzeile findet sich im Druck der Gall. christ. vetus vom Jahre 1656 und den von ihr abhängigen Editionen, nicht aber in der handschriftlichen Überlieferung, das Mandat n. 1015. Über die zitierte Urkunde Wilhelms für Fruttuaria vgl. noch Newman, Cat. 72 n. 56: Chevrier-Chaume, Chartes II 65 n. 274 und Kaminsky 252 ff. Außer in dieser und den zitierten Papsturkunden wird auch in n. 1157 erwähnt, daß damals das Kloster bereits päpstliche Diplome besaß, worunter wohl vor allem die Urkunde Johannes' XVIII. zu verstehen ist. Unter der im Papstprivileg erwähnten und hier als iudicatum bezeichneten Urkunde des Archidiakons Guntard ist die von ihm im Auftrag der Brüder Nitard und Robert von Volpiano, den Brüdern des Abtes Wilhelm, niedergeschriebene Stiftungsurkunde des Klosters Fruttuaria gemeint. In ihr soll auch das bischöfliche Dekret inseriert gewesen sein, dessen Aussteller wohl Bischof Warmund von Ivrea war, da n. 1157 ein testamentum dieses Bischofs zugunsten von Fruttuaria erwähnt. Das Dekret bezog sich auf die Sonderstellung des Klosters in bezug auf die Weiherechte und auf die Freiheit der Abtei auch gegenüber St-Bénigne-de-Dijon. Es wurde wohl 1006 bei der Klosterweihe erlassen; vgl. Benedetto 103 und Kaminsky 247 ff. Zum Zehntrecht vgl. Constable, Monastic Tithes 214 und zur Klärung der Gründungsgeschichte von Fruttuaria allgemein Kaminsky in ZKG. 77/1966, 238‒267 und Bulst, Wilhelm 115 ff. Für die Papsturkunde ist laut Kortüm mit einer Empfängerherstellung zu rechnen.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 1014, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1006-12-02_3_0_2_5_0_1066_1014
(Abgerufen am 24.05.2017).