Regestendatenbank - 174.569 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

Sie sehen den Datensatz 1038 von insgesamt 1338.

Vor Papst (Johannes XVIII.) wird eine Urkunde des Herzogs Wilhelm (V.) von Aquitanien für das Kloster Maillezais (D. Poitiers) verlesen, worauf der Papst diese bestätigt und darüber ein eigenes Privileg ausfertigen läßt.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Petrus v. Maillezais, Libri de antiquitate II 2 (Migne. PL. 146, 1264). Reg.:Lit.: Lacurie, Hist. de Maillezais 9; Richard, Hist. des comtes de Poitou I 213; Halphen, L'histoire de Maillezais du moine Pierre 292 f. u. 296 f.; Chanteux, Les origines 152 ff.

Kommentar

Durch die bei Lacurie 197 edierte Urkunde Herzog Wilhelms von Juli 1003 wurde das Kloster Maillezais mit einem Zins von 20 Solidi dem Schutze der römischen Kirche unterstellt, welche Zinsschuld auch in späteren Papsturkunden, bei Albinus und bei Cencius erwähnt wird; vgl. Pfaff, Lib. censuum 329 n. 565. Auch Petrus berichtet von der Ausstellung der herzoglichen Urkunde unter dem Jahre 1003, und von der durch den Abt Theodelin auf Anraten des Herzogs in Rom erbetenen päpstlichen Bestätigung heißt es: sed subsequenti anno Romae recitata ac roborata et in apostolico privilegio translata. Daraus ergibt sich, daß diese päpstliche Bestätigung im Jahre 1004 durch Papst Johannes XVIII. erfolgt sein muß. Die päpstliche Bestätigungsurkunde ist aber verloren und wird auch in späteren Papstprivilegien für Maillezais nicht erwähnt. Was Petrus über den Inhalt der herzoglichen Urkunde mitteilt, stimmt nicht ganz mit deren tatsächlichem Wortlaut überein, bes. wenn hier behauptet wird, daß der Herzog das Kloster von der bischöflichen Jurisdiktion eximiert und ebenso jede Unterstellung unter ein anderes Kloster aufgehoben habe. Maillezais gehörte bis 1003 zu den Besitzungen des Klosters St-Cyprien in Poitiers, war von Mönchen des Klosters St-Julien in Tours besiedelt und unterstand diesem Kloster bis nach dem 1006 erfolgten Tode des Abtes Gauzbert I. von St-Julien, in welchem Jahr Theodelin selbständiger Abt von Maillezais wurde; vgl. Halphen 296 f. Die Eximierung der Abtei, die der Herzog gar nicht verfügen konnte, wird erst in einer Urkunde Alexanders II. von Mai 1066 (ed. Kehr in GGN. 1902, 418) erwähnt. Auch verschiedene chronologische Irrtümer, die Halphen 293 ff. berichtigt, machen die Berichterstattung des klösterlichen Chronisten zweifelhaft, doch vermutet Halphen 296 f., daß Petrus ein Papstprivileg aus dem Jahre 1004 gekannt habe. Ob dieses echt war oder eine zum Beweis für die exemte Stellung der Abtei angefertigte Fälschung, ist die Frage; vgl. dazu Chanteux.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †989, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1004-00-00_6_0_2_5_0_1038_F989
(Abgerufen am 20.01.2017).