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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Silvester II. wird beim Zelebrieren der Messe in der Jerusalemskirche in Rom von seinem Dämon tödlich geschlagen, da ihm seinerzeit von diesem zugesagt worden war, er werde nicht sterben, solange er nicht in Jerusalem Messe lese. Der Papst bekennt öffentlich seine Schuld, trifft Anordnungen über sein Begräbnis und läßt sich zur Sühne verstümmeln.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Beno, Gesta II 4 (MG. Ldl. II 377); Sigebert v. Gembloux, Chr. (MGSS. VI 353); Wilhelm v. Malmesbury, Gesta regum II 173 (Stubbs, SS. rer. Brit. 90/1, 203); Wilhelm Godellus, Chr. (MGSS. XXVI 196); Walter Map, De nugis 11 (MGSS. XXVII 72); Martin v. Troppau, Chr. (MGSS. XXII 432); Ebendorfer, Papstchr. (Zimmermann, MGSS. N. S. XVI 321). Reg.:Lit.: J. J. I. v. Döllinger, Die Papstfabeln des Mittelalters (1890 2) 184 ff.; Schulteß, Sagen 7 ff.; Rochemaure, Gerbert 672 ff.; Graf, Miti 235 ff.; Mor, Silvestro e Gerusalemme 222; Guyotjeannin-Poulle, Autour de Gerbert 355 f.

Kommentar

Die zitierten Quellen bezeichnen die Hauptetappen in der Entwicklung der Sage über den Tod Silvesters n. Vgl. dazu auch n. 855 und über weitere Berichte die angegebene Literatur, bes. Schulteß. Vielfach wird die Sage von den mittelalterlichen Autoren auch nur in der Kurzfassung Sigeberts (a diabolo enim percussus dicitur obisse) tradiert. Grundlage für die ausführliche Berichterstattung ist Beno: Hic responsum a suo demone acceperat se non moriturum, nisi prius in Jerusalem missa ah eo celebrata. Hac ambage, hac nominis equivocatione delusus, dum civitatem Jerusalem sibi predictam credit, Romae in ecclesia, quae vocatur Jerusalem, missam faciens in die stacionis, ibidem miserabili et horrida morte preventus, inter ipsas mortis angustias supplicat manus et linguam sibi abscidi, per quas sacrificando demonibus Deum inhonoravit. Et hic quidem dignum suis meritis exitum invenit. Als Ort des Geschehens ist nach Beno und deutlicher auch gemäß Wilhelm v. Malmesbury die römische Stationskirche Santa Croce in Gerusalemme anzunehmen. Wilhelm Godellus spricht dagegen von einer Jerusalemkapelle im Lateranpalast (in palatio Constantini in capella, que dicitur Jerusalem); vgl. ähnlich auch Martin (cum in quadragesima ad ecclesiam que dicitur Iherusalem in Laterano celebraret). Die Chr. min. Erphordensis verweist auf eine spätere nach dem Papst benannte Kapelle in der Nähe des Lateran (Holder-Egger, SS. rer. G. 42/1899, 624: in quadam capella, que Rome sita est inter Lateranum et Coliseum ... que Gerberti appellatur). Schulteß 34 denkt an die Silvesterkapelle in Quattuor Coronati. Laut der Chr. min. Erphordensis sollen sich spätere Päpste gescheut haben, diese Kapelle zu besuchen. Das Teufelsbündnis Silvesters wird von den meisten Autoren in die Zeit vor dessen Aufstieg zur Papstwürde verlegt (vgl. n. 855), zumeist auch das Versprechen wegen des Todes. Nur Walter Map verweist in das letzte Pontifikatsjahr (anno sui papatus ultimo). Bezüglich des Zeitpunktes der Geschehnisse in der Jerusalemskirche muß mit Martin die Fastenzeit und mit Wilhelm v. Malmesbury genauer jener Sonntag angenommen werden, an dem der Papst in Santa Croce den Stationsgottesdienst zu halten, pflegte, das wäre Sonntag Laetare, der 7. März 1003. Schulteß 12 f. hat darauf aufmerksam gemacht, daß für diese Datierung anscheinend eine Verwechslung Silvesters II. mit Johannes XVI. maßgebend war, der in der Fastenzeit verstümmelt wurde (vgl. n. 817). Anders als bei Beno ließ sich laut der späteren Überlieferung der Papst an allen Gliedern verstümmeln (precepit ... se particulatim detruncari). Jans Enikel (MG. Dt. Chr. III 439) nennt alle Glieder, Ohren, Augen, Nase und Zunge. Die abgeschnittenen Teile werden den Teufeln vorgeworfen, die damit vor der ganzen Gemeinde spielen. Laut Martin wurde dagegen der verstümmelte Leib zum Begräbnisort geschleift (membra omnia ... iussit precidi et demum truncum mortuum super bigam poni, et ut ubicumque animalia perducerent et subsisterent, ibi sepeliretur); vgl. dazu auch n. 974. Während somit diese Überlieferung mit einem sofortigen Tod des Papstes rechnet, läßt Wilhelm v. Malmesbury Silvester nach dem Gottesdienst in Santa Croce erst in Krankheit fallen, die das nahe Ende ahnen ließ, und laut Walter Map verbrachte der Papst sogar den Rest seines Lebens bei frommer Buße (Gerbertus modicum vite sue residuum assidua et acerrima penitentia sincere beavit et in bona confessione decessit). Seine letzte Anordnung soll gewesen sein, daß in Zukunft bei der Messe die Konsekration im Angesicht der Gemeinde zu erfolgen habe. Vgl. zusammenfassend über die Sagen M. Oldoni in: Studi medievali 18/1977, 629‒704.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †973, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1003-03-07_1_0_2_5_0_1018_F973
(Abgerufen am 17.10.2017).