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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Johannes (XVII.) erteilt dem durch den Polenmissionar Benedikt zu ihm gesandten Mönch (Antonius) wunschgemäß für sich und seine Brüder eine Vollmacht zur Mission der Slawen.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Brun. v. Querfurt, Vita V fratrum 12 u. 21 (MPH. N. S. IV/3, 57 u. 71). Reg.:Lit.: Voigt, Brun von Querfurt 79 ff.; Kirchberg, Kaiseridee und Mission 68; Dvornik, Making 200.

Kommentar

Die vom Papste erbetene licentia hatte bereits ein Jahr vorher Brun v. Querfurt von Silvester II. erhalten (n. 966), doch hatte jener damit nicht sofort nach Polen aufbrechen können, so daß seine schon im Nov. 1001 zur Missionsarbeit abgereisten Mitbrüder unruhig wurden und sich Benedikt entschloß, aus Polen einen Boten nach Rom zu senden. Diesen nennt Brun in seiner zitierten Vita nicht mit Namen, bemerkt aber, daß er jetzt als Nachfolger Benedikts Vorsteher des polnischen Klosters (bei Posen) sei (qui ... nunc vero eidem sacro loco abbas ... preest), und nennt wenig später (MPH. N. S. IV/3, 78) einen Abt Antonius, der also mit jenem Romboten zu identifizieren ist; vgl. dazau Voigt 430 Anm. 10. Laut Cosmas v. Prag (MGSS. N. S. II 71) diente auch ein Bruder Barnabas den polnischen Mönchen zur Erledigung verschiedener Dinge außerhalb des Klosters (qui semper exteritores tractabat causas), doch dürfte dieser nicht mit der Legation nach Rom betraut worden sein; vgl. Voigt 261 Anm. 346. Antonius hatte den Auftrag, zunächst Brun zu suchen und diesen zur schleunigen Weiterreise nach Polen zu veranlassen. Falls Brun im Besitze der seinerzeit erbetenen Missionsvollmacht sei, sollte Antonius zurückkehren, falls Brun jedoch beim Papst nichts habe erreichen können, sollte Antonius mit einem von Brun zu bestimmenden Begleiter nach Rom reisen und nochmals den Papst in dieser Angelegenheit angehen. Da es Antonius nicht gelungen war, Brun zu finden, der von Regensburg im Frühjahr 1003 nach Ungarn gereist war, begab er sich nach Rom. Die Absendung des Boten berechnet Voigt 80 u. 145 auf Juni 1003, da es in der Vita (MPH. N. S. IV/3, 58) heißt, Benedikt und seine Brüder hätten den ganzen Sommer auf die Rückkehr des Antonius gewartet. Dieser traf mit der ihm erteilten päpstlichen Missionslizenz erst nach dem am 11. Nov. 1003 erfolgten Märtyrertod Benedikts und der anderen polnischen Missionare wieder in Polen ein und begab sich von dort gleich wiederum nach Rom, um die Kanonisation der Märtyrer zu betreiben; vgl. n. 995. Aus dieser Datierung ergibt sich, daß der in der Vita nicht mit Namen genannte Papst Johannes XVII. Antonius in Rom empfangen und den bereits Brun erteilten Missionsauftrag erneuert haben muß. Laut der Vita Romualdi des Petrus Damiani (Tabacco, FSI. 94/1957, 62) wollte der Polenherrscher Boleslaw Chrobry damals die Sendung des Antonius nach Rom auch für seine Zwecke nützen: Busclavus autem volens coronam sui regni ex Romana auctoritate suscipere, praedictos venerabiles viros coepit obnixa supplicatione deposcere, ut ipsi plurima eius dona papę deferrent et coronam sibi a sede apostolica reportarent. Die Mönche haben jedoch das Ansinnen abgelehnt. Die Vermutung, jene dem Papst gewidmeten Geschenke befänden sich noch bei ihnen, hat aber zum Überfall auf die polnische Einsiedelei durch Räuber und zum Märtyrertod der Mönche geführt; vgl. dazu Hirsch, Jahrbücher II 503; Stadnicki, Schenkung Polens 76 f.; Zakrzewski, Boleslaw Chrobry 216 f.; Dvornik 212.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 978, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1003-00-00_3_0_2_5_0_1023_978
(Abgerufen am 23.01.2017).