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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Vor Papst Silvester (II.) verklagt Grimoard von Angoulême den Vizegrafen Wido (I.) von Limoges, von dem er gefangengenommen und in Limoges eingekerkert worden war, und erreicht einen Schuldspruch über den anwesenden Vizegrafen, der ihm nach Festsetzung von strengen Bußen für Vergehen gegen Bischöfe zur Bestrafung übergeben wird.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Ademar v. Chabannes, Chr. III 36 (Chavanon 160); Hist. pont. et comitum Engolismensium (Boussard 15). Lit.: Gall. christ. II 989 f.; Mallat, Notice historique sur Grimoard 18 ff.; Tricoire, Les évêques d'Angoulême 85 ff.; Rochemaure, Gerbert 667.

Kommentar

Der Streit zwischen dem Vizegrafen und dem Bischof ging laut dem Bericht Ademars um die Abtei Brantôme (D. Périgueux), deren Abt Grimoard war und die Wido als Lehen beanspruchte. Die reichlich ausgeschmückte Erzählung Ademars klingt jedoch recht unwahrscheinlich. Demnach soll Grimoard mit Erlaubnis Widos nach Rom gezogen sein, der auf Grund der Klage des Bischofs vom Papste vorgeladen wurde, sich auch in Rom gestellt und die über ihn verhängte Strafe widerspruchslos angenommen habe. Die a senatu gefällte Sentenz soll gelautet haben: ut omnis, qui episcopum capit, ad colla indomitorum equorum ligatus pedibus disrumpatur et demum a feris dilaceratur. Angeblich wurde sie sacratissimo die paschae gefällt und sollte drei Tage später an dem indessen in Haft genommenen Vizegrafen vollstreckt werden. Diesem gelang es jedoch, sich mit dem Bischof zu versöhnen, worauf beide heimlich Rom verließen. In der zitierten Hist. Engolismensium, die sonst von Ademar abhängig ist, fehlt der Wortlaut des merkwürdigen Urteils. Rochemaure bezeichnet mit Recht die ganze Geschichte als Fabelei, deren echter Kern höchstens ein Schiedsgericht des Papstes über Brantôme sein kann. Dieses wird von Mallat ins Jahr 1002 gesetzt und muß demnach auf den angegebenen Tag datiert werden.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †964, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1002-04-05_1_0_2_5_0_1009_F964
(Abgerufen am 20.10.2018).