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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Silvester (II.) erteilt dem Mönch Brun (von Querfurt) aus Pereum wunschgemäß die Erlaubnis zur Mission unter den Slawen, ernennt ihn zum archiepiscopus gentium, verleiht ihm das Pallium und sendet ihn zur Einholung der Ordination zu Erzbischof Tagino (von Magdeburg) und zu König Heinrich (II.).

Überlieferung/Literatur

Erw.: Brun v. Querfurt, Vita V fratrum 10 (MPH. N. S. IV/3, 51); Thietmar v. Merseburg, Chr. VI 94 (MGSS. N. S. IX 386); Petrus Damiani, Vita Romualdi 27 (Tabacco, FSI. 94/1957, 57); Gesta ep. Halberstadensium (MGSS. XXIII 89); Gesta archiep. Magdeburgensium 10 (MGSS. XIV 383 u. 394); Ann. Magdeburgenses 1009 (MGSS. XVI 164); Ann. Saxo 1006 (MGSS. VI 745); Vita et passio Brunonis (MGSS. XXX 1363). Reg.: Böhmer-Uhlirz n. 1435 c. Lit.: H. G. Voigt, Brun von Querfurt (1907) 72 ff., 145 u. 258 ff.; Zakrzewski, Boleslaw 211 ff.; L. Mikoletzky, Zur Charakteristik Bruns von Querfurt (FS. HHStArch. Wien 1949, 380); Dvornik, Making 197 ff.; Uhlirz, Jahrbücher Otto III. 584; R. Wenskus, Studien zur historisch-politischen Gedankenwelt Bruns von Querfurt (1956) 183 ff.; Wolter, Synoden 209; Fried, Otto und Boleslaw 95 ff.

Kommentar

Uhlirz vermutet, daß bereits auf der Synode von Todi (n. 957) von Otto III. und dem Papst Pläne über die Ostmission erörtert wurden. Schon im Nov. 1001 waren auch die Klosterbrüder Bruns, Johannes und Benedikt, von Ravenna nach Polen aufgebrochen, wohin ihnen Brun nach Einholung der päpstlichen Missionslizenz nachreisen sollte; vgl. Böhmer-Uhlirz n. 1426 e. Die Ausführung des Planes verzögerte sich jedoch durch den plötzlichen Tod des Kaisers und die ihm folgenden Unruhen in Italien, so daß Brun laut den Berechnungen Voigts erst im Herbst 1002 von Pereum nach Rom pilgern konnte. Über die Handlungsweise des Papstes gehen die Quellenberichte auseinander. Während Petrus Damiani Brun schon in Rom ab apostolica sede consecrationem archiepiscopatus empfangen läßt, soll nach dem eigenen Bericht Bruns vom Papste nur die licentia evangelizandi erbeten worden sein, während die Weihe in archiepiscopum gentium und die Ausstattung Bruns mit dem aus Rom mitgebrachten Pallium laut Thietmar und den von ihm abhängigen Gesta Magdeburgensium cum licencia domni papae erst durch den erst ab 1004 amtierenden Tagino erfolgte, zu dem der Papst Brun deswegen geschickt hatte. Voigt 259 sieht darin eine reichsfreundliche Geste des Papstes, doch ist mit Hirsch, Jahrbücher I 267 f. darin auch ein Abweichen von den ursprünglichen Plänen Ottos in bezug auf die Ostmission zu erblicken, da Brun nun doch der Magdeburger Metropole unterstellt wurde; vgl. dazu auch Dvornik 198 f. In der Vita fratrum wird Silvester nicht mit Namen genannt, woraus Wenskus 185 Differenzen zwischen Brun und Silvester erschließt. Das Verschweigen des Papstnamens hat aber in der Vita Bruns den Irrtum veranlaßt, dieser sei von einem Papst namens Leo geweiht worden. Laut dieser Vita wurde Brun auch vom Papste gleich nach Ungarn gesandt. Tatsächlich hat Brun 1003 zunächst unter den Petschenegen im östlichen Ungarn gewirkt (vgl. Voigt 80 ff. u. H. G. Voigt, Bruno von Querfurt als Missionar des römischen Ostens, SB. d. böhm. Ges. d. Wiss. 1908, 7. Abh.), aber nicht weil er dazu einen päpstlichen Auftrag erhalten hatte, sondern weil er wegen Zwistigkeiten zwischen Heinrich II. und Boleslaw I. von Polen nicht zu seinen Klosterbrüdern nach Polen reisen konnte. Diese erlitten am 11. Nov. 1003 in Polen den Märtyrertod (vgl. n. 978). noch bevor Brun am 21. Aug. 1004 in Merseburg die Weihe erlangt hatte. Über die mit der Palliumverleihung an Brun möglicherweise im Zusammenhang stehenden Pläne auf Errichtung einer zweiten polnischen Metropole vgl. nach Kętrzyński, Polska 291‒351 bes. Fried.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 966, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1002-00-00_1_0_2_5_0_1011_966
(Abgerufen am 19.10.2017).