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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Silvester (II.) verleiht dem Grafen Daiferius (II. von Traetto) und dessen Nachkommen bis ins dritte Glied (dilecto in Domino filio Dayferio comiti tuisque filiis et nepotibus) auf dessen Bitte und als Belohnung für bisher dem Papsttum geleistete Dienste Stadt und Grafschaft Terracina (civitatem superiorem et inferiorem, que vocatur Terracina, cum ... comitatu Terracinense) samt allen Pertinenzen und allen päpstlichen Gerechtsamen in einem durch Grenzangabe umschriebenen Gebiet als (Militär)lehen bei voller Wahrung der kirchlichen Eigentumsrechte, verpflichtet dafür zum Dienst für die römische Kirche in Krieg und Frieden sowie zu einem jeweils im Jänner fälligen und an die päpstlichen Actionarii zu zahlenden Jahreszins von drei Goldsolidi, wobei die erste Zahlung bei auftretenden Schwierigkeiten auch erst im zweiten Jahr erlegt werden dürfe, und bedroht Besitzstörung mit dem Anathem. ‒ Quotiens illa nobis ... Scr. pm. Johannis scrin. SRE. in men. Jan., ind. XIV. ‒ Dat. VII. kal. Jan. pm. Johannis ep. et bibl. SSA. a. pont. dom. Siluestri ss. pp. II., imp. dom. Oddone a Deo coronato magno et pacifico imp. a. V., in men. et ind. suprascr.

Überlieferung/Literatur

Org.: ‒ Transsumpt: 1446, Rom Arch. Vat: Fondo Terracina n. 67. Drucke: Contatore, De historia Terracinensi 41 (fragm.); Migne, PL. 139, 276 (fragm.); I. Giorgi, Documenti Terracinesi (Bullet. stor. Ital. 16/1895, 63); Uhlirz, Jahrbücher Otto III. 563 (fragm.); Zimmermann, PUU. 751 n. 393. Reg.: J. 2996; JL. 3912; Tomassetti, Doc. feudali 292 n. 4; IP II 121 n. 1; Santifaller, LD. 322; Santifaller, Elenco 320; Böhmer-Uhlirz n. 1394 e. Lit.: Tomassetti, Feudalismo Romano 47 f.; Rochemaure, Gerbert 479; Falco, L'amministrazione papale 701 f.; Falco, I comuni della Campagna 20; Kölmel, Kirchenstaat 40; Silvestrelli, Città, castelli e terre I 37; Bianchini, Storia di Terracina 127 ff.; Uhlirz, Jahrbücher Otto III. 343 f.; Jordan, Lehnswesen 26 f.; Toubert, Latium 1098 ff.; Jordan, Aufsätze 130.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Kehr in GGN. 1901, 199 und IP. II 121 n. 1. Drei ältere Kopien der Urkunde waren noch im Jahre 1781 erhalten. Zum Transsumpt und zur Echtheit des Dokuments vgl. Giorgi 66 ff. Die Papsturkunde gilt als das älteste Zeugnis einer Lehensvergabung zu militärischen Zwecken durch einen Papst (vgl. jedoch Toubert 1100 f.), doch wird älteren Pachturkunden entsprechend an der Verleihung auf längere Zeit und an der Zinszahlung zur Anerkennung des kirchlichen Obereigentums festgehalten. Uhlirz betont, daß die Belehnung des Grafen durch den Papst wohl im Einvernehmen mit Kaiser Otto III. erfolgte. Zur Verwandtschaft des Grafen mit den Fürsten von Gaeta und den Grafen von Tusculum vgl. die zitierten Arbeiten von Giorgi, Bianchini und Uhlirz. Auf Grund der Belehnungsurkunde Silvesters II. wurde im 12. oder 13. Jh. eine Urkunde auf den Namen eines Papstes Gregor gefälscht, welche den Bürgern von Terracina den ungeschmälerten Besitz ihrer Stadt samt allen ihren Pertinenzen zusprach und die Bürger zu Dienstleistungen für die Kirche und zu einem Jahreszins von drei Goldsolidi verpflichtete; vgl. IP. II 118 n. † 3. Sowohl die Datierung als auch große Teile des Kontextes wurden vom Fälscher der Urkunde Silvesters II. entnommen. Giorgi 76 ff. hat diese angebliche Urkunde, von der heute keine handschriftliche Überlieferung mehr existiert, dem Papste Gregor VI. zugeschrieben und ins Jahr 1045 datiert, da der 26. Dez. dieses Jahres zum 14. Indiktionsjahr stimmt. Kehr in IP. II 118 n. † 3 dachte dagegen eher an Gregor V, da in dessen Pontifikat ebenfalls ein Skriniar Johannes und ein Bibliothekar Johannes in der päpstlichen Kanzlei tätig waren; vgl. auch Santifaller, Elenco 318. Neuerdings wird von Falco, I comuni 36 f. und ihm folgend von Bianchini 129 ff. die materielle Echtheit der Gregorurkunde verteidigt und angenommen, daß tatsächlich ein Papst namens Gregor, vermutlich Gregor VII., auf den auch schon früher verwiesen wurde, den Bürgern von Terracina ihre Rechte zurückgegeben habe. Über dieses Faktum sei dann später mit Zuhilfenahme der Urkunde Silvesters II. eine Urkunde fabriziert worden. Gegen die Zuschreibung zu Gregor V. spricht der Umstand, daß in späteren Erwähnungen und Aufzählungen von Urkunden für Terracina das angebliche Gregordiplom immer nach dem Privileg Silvesters II. für Daiferius genannt wird; vgl. IP. II 118 n. † 3 und Bianchini 136.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 924, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1000-12-26_1_0_2_5_0_969_924
(Abgerufen am 25.03.2017).