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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Silvester (II.) zitiert den Patriarchen Johannes (IV.) von Aquileja dreimal vor päpstliche Synoden, damit er sich wegen seines Eindringens in die Pfarre Rovinj (Ruuinii parrochia) und wegen Belästigung der bischöflichen Kirche von Poreč (sanctae Parentinae ecclesiae) (in Istrien) rechtfertige.

Überlieferung/Literatur

Erw.: n. 1050. Reg.: IP. VII/1, 28 n. *46 u. VII/2, 232 n. *3; Boye, QuKat. 68. Lit.: Lenel, Studien 73; Kehr, Rom und Venedig 76; Wolter, Synoden 195; Spinelli, Aspetti italiani 284.

Kommentar

Nur aus n. 1050 erfährt man, daß sich der Patriarch tempore Syluestri in Nichtachtung der Besitzrechte von Poreč die istrische Pfarre Rovinj angeeignet hatte und deswegen vor päpstliche Synoden geladen worden war. Rovinj war 983 von Kaiser Otto II. dem Bistum Poreč bestätigt worden (Böhmer-Mikoletzky n. 902), erscheint jedoch in einem Diplom Ottos III. vom Jahre 996 (Böhmer-Uhlirz n. 1194) wieder als Suffraganbistum von Aquileja. Gegen die Entfremdung der Pfarre setzte sich der Bischof von Poreč zur Wehr und konnte sich dabei auch auf eine Urkunde des Patriarchen Rodoald von Aquileja vom Jahre 966 berufen, worin Rovinj dem Bistum Poreč zugesprochen worden war (Kandler, Cod. dipl. 966). Seine Beschwerde beim Papst steht möglicherweise mit der Zuweisung Istriens an das Patriarchat Grado durch Silvester II. (n. 915) im Zusammenhang (vgl. aber Kehr 76), die dem Bischof in seiner Auseinandersetzung mit dem Patriarchen von Aquileja den Rücken gestärkt haben könnte. Sie wäre demnach in die Zeit nach Sommer 1000 zu datieren. Die drei Synoden, zu denen Johannes IV. zitiert wurde, müßten dann mit den Versammlungen von Ende 1000 (n. 923), Januar 1001 (n. 929) und dem geplanten Osterkonzil von 1001 (n. 921, n. 922, n. 930 u. n. 931) identifiziert werden. Die Synode von April/Mai 999 (n. 862), an die Boye denkt, kommt wohl kaum in Frage, da n. 1050 ausdrücklich bezeugt, Johannes habe erst während des Pontifikates Silvesters II. neuerlich Rovinj in seinen Besitz genommen. Zu den weiteren Maßnahmen des Papstes in dieser Angelegenheit vgl. n. 944 und n. 953.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 918, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1000-00-00_6_0_2_5_0_963_918
(Abgerufen am 16.12.2017).