Regestendatenbank - 184.913 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

Sie sehen den Datensatz 940 von insgesamt 1338.

Papst Silvester II. bestätigt dem Abt Erchembald von Fulda (Erkanbaldo venerabili abbati) wunschgemäß die seinen Vorgängern von früheren Päpsten gewährten Rechte und das Kloster Fulda (monasterium ergo Fuldense, quod sancti Bonifacii vocabulo viget, constitutum in loco, qui dicitur Bochonia, erga ripam fluminis Fulde) samt allen Besitzungen; verpflichtet zur Einholung der Abtweihe in Rom und verleiht den Primat in Deutschland (inter omnia vero totius Germanie cęnobia primum honorem); verbietet die Feier des Hochamtes im Kloster ohne Erlaubnis des Abtes; erneuert das Verbot der Unterstellung oder Verlehnung des romfreien und allein römischer Jurisdiktion unterstehenden Klosters (omni tempore soll sanctę nostrę Romanę ecclesię libera securaque deserviat); reserviert dem Papsttum das Gericht über den Abt; erlaubt diesem die Appellation nach Rom; verleiht Immunität und Exemtion; gewährt das Zehntrecht und verbietet Frauen das Betreten des Klosters. ‒ Pontificii nostri cura ... Scr. pm. Antonii not. et scrin. SRE. ‒ Dat. II. kal. Jan. pm. Johannis ep. s. Albanensis ęccl. et bibl. SAS. a. propicio pont. dom. Silvestri iunioris pp. I., imp. dom. Ottone III. pacifico imp. eius a. III., ind. XIII.

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 1‒2) 12. Jh., Marburg StArch.: Hs. Abt. K 425 fol. 16v. 46v. 3‒4) Ende 13. Jh., Marburg StArch.: Hs. Abt. K 427 fol. 14 u. 33v. Drucke: Schannat, Diocesis Fuldensis 245; Cocquelines, Bull. I 399; Dronke, Cod. dipl. Fuldensis 341; Migne, PL. 139, 272; Olleris, Œuvres 161; Tomassetti, Bull. I 476; Harttung, Dipl. hist. Forschungen 425; Jakobs, Anmerkungen 57; Zimmermann, PUU. 733 n. † 380; Meyer zu Ermgassen, Cod. Eberhardi I 34, 37 u. 77. Reg.: J. 2992; JL. 3907; Santifaller, LD. 322; Santifaller, Elenco 320; Böhmer-Uhlirz n. 1338 d; GP. IV/4, 374 n. 56. Lit.: Harttung, Dipl. hist. Forschungen 425 ff.; Albers, L'abbé de Fulde 152 f.; Roller, Eberhard von Fulda 25 u. App. 4 Nr. 18; Lerche, Privilegierung 164 u. 176; Rochemaure, Gerbert 481; Goetting, Exemtion 124 ff.; Lübeck, Kardinalsornat 38; Lübeck, Primat 228 ff.; Jörg, Würzburg und Fulda 44 ff.; Wehlt, Reichsabtei und König 282; Jakobs, Anmerkungen 51 ff.; Rathsack, Fälschungen 398 ff., 473 ff. u. 520; Hussong, Studien Fulda I 197 ff.

Kommentar

Die Urkunde ist im Codex Eberhardi jeweils in zwei Fassungen überliefert. Über eine sich auch in der Datierung unterscheidende Fassung vgl. n. 895. Schannat, Cocquelines u. Tomassetti bieten einen Text, der sich geringfügig von dem des Codex Eberhardi unterscheidet und entweder auf einer heute nicht mehr erhaltenen Kopie beruht oder laut Harttung 428 von Schannat aus den Fassungen des Codex Eberhardi komponiert wurde. Auch die jeweils zweitzitierten Kopien des Codex Eberhardi bringen einen durch Bestimmungen über die klösterliche Armenpflege und das Klosterhospital sowie über die Verpflichtung des Abtes zur Berichterstattung über die Klosterdisziplin nach Rom verfälschten Text. Sondergut der erstzitierten Fassung des Codex Eberhardi, die Harttung ediert und auf der auch die Zitate des Regestes beruhen, ist dagegen die Verleihung von Pontifikalien (Sandalen und Dalmatika more episcoporum) an den Abt und die Schenkung des Andreasklosters in Rom (monasterium sancti Andrę apostoli, quod vocatur Exailum, situm Rome iuxta ecclesiam sanctę Dei genitricis Marię, quę vocatur Ad Presepe) (vgl. dazu auch n. 1270). Dieser Passus steht auf Rasur. Laut Harttung 430 dürfte dieser Fassung das Privileg Clemens' II. vom 31. Dez. 1046 (JL. 4134) als Vorlage gedient haben. Jakobs nimmt umgekehrt an, daß der radierte Text von der Nachurkunde JL. 4134 übernommen wurde und daher echt sein müsse. In der vorliegenden Fassung jeder Form ist die Urkunde durch Eberhard von Fulda verunechtet worden. Das echte Privileg Silvesters n. enthielt vermutlich die Bestimmungen über die Abtweihe, den Primat, die Verlehnung, das Appellationsrecht, die Gerichtsbarkeit des Abtes und die Meßfeier. Zu den Vorurkunden vgl. auch n. 895.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †896, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0999-12-31_1_0_2_5_0_940_F896
(Abgerufen am 17.10.2018).