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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Vor der unter dem Vorsitz des Papstes Silvester (II.) und des Kaisers Otto III. im Petersdom tagenden Synode (1) bekennt (Markgraf) Arduin (von Ivrea) die Teilnahme an der Ermordung des Bischofs Petrus von Vercelli (se conduxisse illos homines, qui interfecerunt Petrum Uercellensem episcopum, et eius neci interfuisse et eosdem homines secum reduxisse et retinuisse et cum illis postea conversatum esse) und wird von der Synode, die seine Tat mit der des Verräters Judas (Ischarioth) vergleicht, zu schwerer Pönitenz verurteilt (videlicet ut deinceps arma deponat, carnem non manducet, nemini virorum aut mulierum osculum donet, nec lineum vestimentum induat, et si sanus fuerit, ultra duas noctes in uno loco non moretur, nec corpus Domini accipiat, nisi in exitu vitae, et in eo loco agat penitentiam, ubi neminem eorum ledat, qui sacramenta contra eum fecerunt, aut presens monachus efficiatur). (2) Der Kleriker Rotmann entschuldigt als Gesandter des nach Rom geladenen (n. 786 u. 846) Erzbischofs Giselher von Magdeburg dessen Nichterscheinen wegen Krankheit. Die Urteilsfällung in dieser Angelegenheit wird bis zu Beratungen des Kaisers mit den Magdeburger Provinzialbischöfen verschoben (usque dum imperator cum comprovincialibus episcopis hoc discutere valuisset).

Überlieferung/Literatur

Erw.: 1) MG. Const. 153. 2) Thietmar v. Merseburg, Chr. IV 44 (MGSS. N. S. IX 182); Gesta archiep. Magdeburgensium 14 (MGSS. XIV 390); Ann. Saxo 1000 (MGSS. VI 644). Reg.: JL. I p. 496; IP. VI/2, 146 n. 3; Boye, QuKat. 67; Böhmer-Uhlirz n. 1305 c; GP. IV/4, 229 ad n. 4. Lit.: Hefele-Leclercq, Hist. des conc. IV 893; Uhlirz, Jahrbücher Otto III. 294 f.; Tüchle, Romfahnen 107; Wolter, Synoden 170 ff.

Kommentar

Die einzig sichere Quelle über diese Synode ist der Synodalakt (MG. Const. I 53) über die Poenitencia Ardoini (ed. auch bei Violini, Arduino 133 mit Facsimile). Man erfährt daraus auch den Tagungsort (Romae in ecclesia beati Petri apostoli) und daß vor allem italische Bischöfe teilnahmen. Der Synodalakt ist undatiert, doch muß das Konzil vor dem 7. Mai 999 stattgefunden haben, da an diesem Tage Kaiser Otto III. die eingezogenen Güter des als hostis publicus verurteilten Arduin der Kirche von Vercelli schenkte (Böhmer-Uhlirz n. 1320), was Arduins Verurteilung voraussetzt. Das Konzil fand vermutlich knapp nach der Inthronisation Silvesters II. (n. 855) in der Osterwoche 999 (vgl. Böhmer-Uhlirz n. 1305 c) statt. Mit Arduin hatte sich schon Papst Gregor V. zu befassen, und sein Erscheinen in Rom (vgl. auch Violini 69 ff.) war die Folge einer an ihn ergangenen Vorladung dieses Papstes (vgl. n. 844, 846 u. n. 847). Vgl. über seine Tat die dort genannte Literatur. Daß sich die römische Synode Silvesters II. auch mit der Magdeburger Frage zu befassen hatte, wird in den zitierten Quellen nicht ausdrücklich gesagt und ist bei der chronologisch nicht einwandfreien Berichterstattung Thietmars, dem die übrigen folgen, zumindest fraglich. So möchte vor allem Holtzmann in Sachsen und Anhalt 2/1926, 58 f. die Entsendung Rotmanns und den Plan eines Magdeburger Provinzialkonzils ins Jahr 997 datieren und als Antwort auf die Vorladung Giselhers durch die Synode von Pavia (n. 786) und nicht durch die römische Synode von Anfang 999 (n. 846) verstehen. Vgl. zur Magdeburger Frage auch Pflugk-Harttung in Forsch, z. dt. Gesch. 25/1885, 167 und Schlesinger, Kirchengesch. Sachsens I 77 ff. Die von Boye der Synode Silvesters II. zugeschriebenen Urkunden gehören ins Jahr 1000; vgl. n. 918, n. 921 u. n. 922. Laut Böhmer-Uhlirz n. 1305 d fand aber im Apr. 999 in conventu ac concilio Romanorum die Verlesung einer Urkunde Kaiser Ottos III. betreffend die Unterstellung des Klosters Lorsch unter das Bistum Worms statt.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 862, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0999-04-00_1_0_2_5_0_906_862
(Abgerufen am 26.05.2017).