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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Gregor (V.) teilt dem Abt 〈Liudpold〉 und dem Konvent von Pfäfers mit (dilectissimis filiis abbati ordinis divi patris Benedicti monasterii sanctae Dei genitricis in dięcesi et pago Curiensi eiusque fratribus) (D. Chur), daß er ihr Kloster wunschgemäß und nach dem Beispiel der Päpste Zacharias, Stephan (III.), Leo III., Benedikt V. (n. 361) und Johannes XIII. (n. 403) in Gegenwart der Erzbischöfe Willigis von Mainz, Heribert von Köln und Ludolf von Trier in den päpstlichen Schutz genommen habe (sub beati Petri et nostra protectione suscipimus); bestätigt die Unverletzlichkeit dieses Klosters sowie des ebenfalls dem Abte unterstehenden Valentianklosters in Marsöl (et beati Valentiani prope castra Martiola) (D. Chur); bestätigt genannte Besitzungen besonders in Churwalchen, in der Grafschaft Rätien, im Gebiet von Chiavenna sowie im Thur-, Alp-, Baar- und Zürichgau (in pago Curowalahon ... in comitatu Rhaetiae ... in territorio Clauennae ... in Turgou ... in Alpegeuie ... in pago Para ... in pago Thuricensi), darunter auch die Einkünfte des Klosterspitals St. Christoph in Mels (in Melis); befreit vom Rodungs- und Viehzehnt; erlaubt die Abhaltung von Gottesdiensten in Interdiktzeiten ohne Glockengeläute und bei geschlossenen Türen; bestätigt die klösterlichen Rechte bezüglich der Weihen und des Chrismas; verbietet Geistlichen und Weltlichen, das Kloster mit Forderungen zu belästigen; gewährt das Begräbnisrecht; erlaubt die Zurückforderung von in Laienhand geratenen Besitzungen und Einkünften; verbietet weitere Entfremdung des Klostergutes; erlaubt die freie Abtwahl nach dem Tode des Abtes Liudpold und verleiht das Recht der Abtweihe von jedem beliebigen Bischof; verbietet endlich mit Berufung auf Kaiserin Adelheid und den Klosterförderer Reginald alle Gewaltanwendungen im Klostergebiet. ‒ Apostolicum convenit adesse praesidium ... Dat ....a. 998 in nomine Domini amen.

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 1) 1656, St. Gallen Stiftsarch.: Pfäfers Cod. 17 p. 22 (Transsumpt von Karl Widmer). 2) 1696, St. Gallen Stiftsarch.: Pfäfers Cod. 107 p. 184. 3) 1734, Zürich Zentralbibl.: Ms. J 142 p. 6. Drucke: A. Eichhorn, Episcopatus Curiensis in Rhaetia (St. Blasien 1797), Cod. prob. 33; Th. v. Mohr Codex diplomaticus, I (1848) 104 (fragm.); F. Perret, UB. der südlichen Teile des Kantons St. Gallen, 1/2 (1952) 104; Zimmermann, PUU. 700 n. † 358. Reg.: J. 2978; Hidber, Urk. Register 1249 n. 1179; Böhmer-Will, Reg. I 132 n. 128; JL. † 3889; J. Escher-P. Schweizer, UB. der Stadt und Landschaft Zürich, I (1888) 116 n. 224; Helbok, Reg. 83 n. 175; GP. II/2, 112 n. † 4 u. IV/4, 82 n. † 88 u. X/1, 51 n, † 80; Schieß, Quellenwerk I/1, 59 n. 60; Bündner UB. I 127 n. 154. Lit.: Harttung, Dipl. hist. Forschungen 167 ff.; H. Mendelsohn, Die Urkundenfälschungen des Pfäferser Konventualen P. Karl Widmer (Zs. f. Schweiz, Gesch. 14/1934, 149 ff.).

Kommentar

Weitere auf dem Transsumpt von 1656 beruhende Abschriften werden in GP. II/2, 112 n. † 4 und bei Perret genannt. Das Transsumpt von 1656 beruft sich auf ein älteres, heute verlorenes Transsumpt aus dem Jahre 1498, das aber wohl nie existiert hat. Schon Eichhorn hat die Echtheit der Urkunde bezweifelt und zuletzt hat Mendelsohn in seiner zitierten Abhandlung Karl Widmer als Fälscher entlarvt. Vgl. über Widmer auch E.E. Stengel, Karl Widmers Pfäverser Fälschungen (Zur ma. Gesch. 318 ff.). Als Fälschung erweist sich das Stück schon durch sein vom damaligen Gebrauch der Papstkanzlei abweichendes Formular mit einer merkwürdig erweiterten Intitulation (Gregorius episcopus Romanus, servus servorum Dei sanctae sedi principis apostolorum beati Petri praesidens) und der ebenfalls ungewöhnlichen Datierung, vor der sich angeblich die Unterschriften der Herzöge Hermann (II.) von Schwaben, Heinrich (IV.) von Bayern und Otto von Schwaben und Bayern sowie des Mönches Bonifaz vom Bonifatiuskloster am Aventin befunden haben. Daß der genannte Herzog Otto bereits seit 982 tot war und Erzbischof Heribert von Köln sein Amt erst nach dem Tode Gregors V. im Juli 999 antrat, ist dem Fälscher anscheinend ebensowenig aufgefallen wie daß Abt Liudpold von Pfäfers erst Ende des 12. Jh. regierte; vgl. zum letzterer Perret, Die Reihenfolge der Äbte von Pfäfers (Zs. f. Schweiz, Kirchengesch. 44/1950, 278). Die Nennung der drei deutschen Erzbischöfe als Zeugen der Privilegierung läßt vermuten, daß der Fälscher an eine Synode des Papstes dachte. Während des Jahres 998 kommt nur n. 834 in Frage, doch ist zu dieser Zeit nur Heribert als Kanzler Ottos III. in Rom nachweisbar (vgl. Oediger, Reg. 172 n. 576). Auch in der Besitzliste verrät sich der Fälscher durch den Gebrauch einer im 10. Jh. noch ungebräuchlichen Schreibweise und durch die Aufnahme von damals noch nicht bezeugten Orten und Gutem. Die Identifizierung der genannten Orte hat Perret in seiner Edition durchgeführt. Vgl. weiters I. Müller in Jahresbericht der Historisch-Antiquarischen Ges. aus Graubünden 98/1969, 3‒107. Zu Marsöl vgl. auch Siegwart, Chorherren- und Chorfrauengemeinschaften 33 f. Wie die Urkunde Gregors V., so sind auch die in ihr genannten Vorurkunden der Päpste Zacharias, Stephan III., der irrtümlich als Stephan IV. bezeichnet wird, und Leo III. Fälschungen (vgl. Perret, UB. I 16, 22 u. 25). Auf Grund welcher Quellen Widmer die Urkunde Gregors V. zusammengestellt hat, hat Perret in seiner Edition nachgewiesen. Zu Nachwirkungen vgl. W. Vogler in MG. Schriften 33/III (1988) 715 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †837, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0998-05-00_3_0_2_5_0_879_F837
(Abgerufen am 18.12.2017).