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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Eine unter dem Vorsitz (des Papstes Gregor V. und) des Kaisers Otto III. tagende Synode spricht über Johannes (XVI.) Philagathos die dann an ihm auch zeremoniell vollzogene Deposition als Papst aus, worauf der Abgesetzte wieder in seinen Kerker geführt wird.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Leon v. Synada, Epist. (Darrouzès, Epist. 166); Johannes diac., Chr. (Monticolo, FSI. 9/1890, 154); Ann. Hildesheimenses 998 (Waitz, SS. rer. G. 8/1878, 27); Ann. Altahenses 998 (Oefele, SS. rer. G. 4/1891, 16); Lambert v. Hersfeld, Ann. (Holder-Egger, SS. rer. G. 38/1894, 48); Hugo v. Flavigny, Chr. (MGSS. VIII 367); Hugo v. Fleury, Hist. (MGSS. IX 385); Vita Meinwerci 7 (Tenckhoff, SS. rer. G. 59/1921, 12). Reg.: JL. I p. 492 u. 495; Boye, QuKat. 66; Böhmer-Uhlirz n. 1262 a. Lit.: Hefele-Leclercq, Hist. des conc. IV 890; Schramm, Basileus 465 f.; Uhlirz, Jahrbücher Otto III. 260; Luca, Giovanni Filagato 92; Holtzmann, Kaiserzeit 346; Zimmermann, Papstabsetzungen 111 f., Zimmermann, Dunkles Jh. 264 f.; Moehs, Gregorius 65; Nitschke, Der mißhandelte Papst 40 ff.; Wolter, Synoden 158.

Kommentar

Die Veranstaltung einer Synode zur Deposition Johannes' XVI. erwähnt ausdrücklich Johannes diac. (postmodum a sacro concilio deposicionis sentenciam sustinens, sacerdotale officium perdidit). Das Zeremoniell schildert als Augenzeuge der byzantinische Gesandte Leon in seinem zitierten Brief an den Ostiarier Johannes in Byzanz (... εἰϛ ϰϱίσιν ἦλθε, ϰατεψηφίσθε, τὴν ἰεϱατιϰὴν ἐνεδύθη ϰαὶ ἐξεδύθη στολήν; ὁπιστοφανῶϛ ἐσύϱη [ϰατὰ] τὸν ναὸν αὐτόν, τὸν πϱόναον, τὴν φιάληϛ αὐλὴν ϰαὶ ὡϛ εἰϛ ἀναψυχὴν εἰϛ τὸν βάϱϰαϱον ἐνβλήθη ...). Laut Johannes diac. gehörte dazu auch die Spottprozession durch Rom (n. 819) und vielleicht ist auch die Zerreißung des Priestergewandes laut der Vita Nili (Giovanelli 127: τὴν ἱεϱατιϰὴν στολὴν διαϱϱὴξαϛ) dazuzurechnen. Die übrigen zitierten Quellen melden nur kurz die Absetzung durch den Kaiser. Die Beteiligung des Papstes ist aber als sicher anzunehmen. An der Urteilsfällung soll weiters laut Benzo v. Alba (MGSS. XI 635) der kaiserliche Kapellan Leo, der spätere Bischof von Vercelli, eine gewisse Rolle gespielt haben (Leo Grecum condempnavit); vgl. dazu Fleckenstein, Hofkapelle II 92. Über die Begründung der Sentenz bzw. über die Schuld Johannes' XVI. gemäß den Quellenaussagen vgl. Zimmermann, Papstabsetzungen 112 f. und Nitschke 44 ff. Die Synode ist vermutlich mit der n. 834 genannten Versammlung identisch, vgl. dazu Schramm in Byz. Zs. 25/1925, 93 f. und Zimmermann, Papstabsetzungen 110, wogegen Uhlirz noch in die Fastenzeit 998 datiert. Daß nach den Vorgängen von n. 819 noch eine offizielle Deposition Johannes' XVI. stattfand, ist wegen der Legitimität des Verfahrens und auch weil man nun auf Abt Nilus (vgl. n. 818 u. n. 820) nicht mehr Rücksicht nehmen mußte, durchaus wahrscheinlich. Über das weitere Schicksal und den Tod Johannes' XVI. vgl. n. 950 u. n. 952. In den meisten Quellen wird Johannes XVI. ebenso wie im Lib. pont. (Duchesne II 261) eine Regierungszeit von 10 Monaten zugeschrieben, was bei Ausgang der Berechnungen von n. 784 bedeutet, daß man schon mit Ende 997, als Otto III. mit Gregor V. zum Romzug aufbrach (vgl. n. 810 u. n. 814), den Pontifikat des Gegenpapstes für beendet erachtete; vgl. dazu Schramm in Byz. Zs. 25/1925, 93. Einen rund einjährigen Pontifikat (vgl. n. 814) verzeichnet richtiger Theoderich v. Deutz (MGSS. XIV 577), einen zweijährigen irrig Johannes de Deo (MGSS. XXXI 320).

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 836, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0998-05-00_2_0_2_5_0_878_836
(Abgerufen am 23.05.2017).