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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Gregor (V.) verleiht dem Erzbischof Gerbert von Ravenna (Gerberto sancte Ravennatis ecclesie archiepiscopo) die Insignien seines erzbischöflichen Amtes samt dem Recht des Palliumgebrauches in der üblichen Art und zu den üblichen Zeiten und ermahnt zu guter Amtsführung; schenkt der Kirche von Ravenna für die Zeit nach dem Tode der Kaiserin Adelheid den Stadtdistrikt von Ravenna samt allen Rechten sowie die Grafschaft Comacchio (Comaclensem comitatum) und erklärt alle dieser Verfügung widersprechenden Urkunden für nichtig; bestätigt das dem Erzbischof Johannes (XIII.) seinerzeit erteilte Privileg (n. 802) bezüglich der Bistümer Montefeltro und Cervia (Monteferetrana et Cerviense ecclesias), weiters den bereits seit hundert Jahren innegehabten Besitz des Thomas- und des Euphemiaklosters in Rimini samt deren Gütern in- und außerhalb der Stadt sowie in den Grafschaften Montefeltro und Pesaro (tam in civitate Ariminensi ... quam extra scilicet in comitatibus Pesariensi, Ariminensi et Monteferetrano), endlich genannte Burgen, Kirchen und Güter samt deren Pertinenzen; bestätigt ein Privileg Kaiser Ottos (III.) bezüglich der Unterstellung des Bistums Reggio-Emilia (de Regiense episcopatu) sowie den Besitz von Cesena (Cesenam) samt allen Pertinenzen und endlich alle bisher der Kirche von Ravenna gewährten päpstlichen, königlichen und kaiserlichen Privilegien. ‒ Quoniam apostolice sedis ... Scr. pm. Petri not. et scrin. SRE. in men. Apr. et ind. XI. ‒ Dat. IV. kal. Maii pm. Johannis ep. s. Albanensis eccl. et bibl. SAS. a. pont. dom. Gregorii summi pont. et univ. V. pp. in ss. sede b. Petri apost. a. II., imp. dom. Ottone III. a Deo coronato magno et pacifico imp. a. II., in men. et ind. XI.

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 1) 11. Jh., Mailand Arch. ECA.: Principi e sovrani 998 (fragm.). 2) 12. Jh., Ravenna Arch. avesc.: F. 1983. 3) Ende 16. Jh., Rom Arch. Vat.: Arm. XXXII 15 fol. 118. Erw.: MG. DO. III n. 330 u. Urk. Clemens' (III.) v. 1086 (IP. V 56 n. 187). Drucke: Rubeus, Hist. Ravennatum2 273; Bzovius, Sylvester 86; Ughelli, Italia 1II 349, 2II 353; Cocquelines, Bull. I 295; I. A. Pintius, De nummis Ravennatibus (Venedig 1750) 60; Mansi, Coll. XIX 201; Amadesi, Chronotaxim II 292; Olleris, Œuvres 547; Migne, PL. 137, 921; Tomassetti, Bull. I 470; Zimmermann, PUU. 689 n. 354. Reg.: J. 2971; JL. 3883; IP. V 52 n. 166; Santifaller, LD. 321; Santifaller, Elenco 317; Böhmer-Uhlirz n. 1273 a. Lit.: Lair, Études 257 f.; Hartmann, Gesch. Italiens IV/1, 119; Buzzi, Ravenna e Roma 177 f.; Schramm, Renovatio I 103 f.; Uhlirz, Kirchenpolitik 296; Uhlirz, Restitution 6 u. 13; Uhlirz, Jahrbücher Otto III. 266 f.; Martí Bonet, Concesión del palio 130; Kortüm, UrkSprache 207 f.

Kommentar

Über weitere Kopien und Drucke vgl. IP. V 52 n. 166. Die ältesten Kopien sind nur teilweise erhalten und lesbar, können aber durch spätere Abschriften textlich ergänzt werden. Außer im zitierten Ottodiplom (Böhmer-Uhlirz n. 1328) wird die Privilegierung Ravennas durch den Papst auch in DO. III n. 341 (Böhmer-Uhlirz n. 1338) und in DH. II n. 290bis erwähnt. Zu den bestätigten Besitzungen (castellum quod vocatur Ligabizzi ... curte de sancto Ermete ... castellum quod vocatur Galiola ... castrum quod vocatur Granariolo ... castellum quod vocatur Monte Corbino ... castellum quod vocatur Crucis) vgl. Böhmer-Uhlirz n. 1273 a. Zur Anwartschaft auf den Distrikt Ravenna und auf Comacchio vgl. Uhlirz, Jahrbücher 267, wo die Vermutung geäußert wird, daß Papst Johannes XIII. diese Gebiete 967 der Kaiserin Adelheid auf Lebenszeit überlassen habe; vgl. dazu n. 413 u. Kölmel, Kirchenstaat 49 u. 55; Kölmel in Hist. Jb. 88/1968, 280 ff.; Fasoli, Il dominio territoriale 120 ff.; auch G. Rabotti in Storia di Ravenna III 135 f. Die Unterstellung des Bistums Cervia wurde bereits durch Agapit II. (n. 220) verfügt; vgl. auch n. 783. Über das verlorene Kaiserprivileg bezüglich Reggio vgl. Böhmer-Uhlirz n. 1268. Zur Bestätigung der beiden Klöster in Rimini vgl. n. 783. Die Ausstellung der Papsturkunde für Gerbert erfolgte bald nach dessen Erhebung zum Erzbischof von Ravenna. Sein früheres erzbischöfliches Wirken in Reims wird nicht erwähnt; vgl. dazu Lair 258. Gerbert wird in der Urkunde auch nicht mit dem üblichen Titel frater angesprochen, sondern mit nostro spiritali filio (vgl. ähnlich n. 802). Man kann daraus vielleicht eine Annäherung zwischen dem Papst und Gerbert erschließen, der vor kurzem noch durch Gregor wegen der Usurpation von Reims zur Rechenschaft gezogen worden war (vgl. n. 756). Jedenfalls beendete seine Erhebung zum Erzbischof von Ravenna zugleich auch den leidigen Streit um Reims. Sie war vor allem ein Werk des Kaisers, der damit vermutlich auch bestimmte Pläne gegenüber dem Papsttum verfolgte (vgl. Böhmer-Uhlirz n. 1268 und Zimmermann, Studien 144). Erst in späterer Zeit wird die Ernennung ganz dem Papste zugeschrieben, und so behauptet etwa Walter Map (MGSS. XXVII 71), daß Gerbert während eines Romaufenthaltes zum cardinalis et archiepiscopus Ravennas vom Papste gemacht wurde, Tholomeus v. Lucca (Muratori, SS. XI 1042) aber schreibt, daß Gregor ad petitionem Ottonis gehandelt habe. Zu der dann im Mai 998 von Gerbert veranstalteten Ravennater Provinzialsynode vgl. Wolter, Synoden 156 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 830, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0998-04-28_3_0_2_5_0_872_830
(Abgerufen am 21.10.2017).