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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Gregor (V.) weiht den Abt Alawich (II.) von Reichenau und nimmt sein Kloster (monasterium in Alamannia, quod Sinlezzesaugia dicitur) (D. Konstanz) samt allen Pertinenzen durch ein Privileg in den päpstlichen Schutz, wobei auf Intervention des Kaisers Otto III. noch bestimmt wird, daß die auch in Zukunft vom Papste zu weihenden Äbte beim Gottesdienst nach dem Brauch der römischen Äbte Dalmatika und Sandalen tragen dürfen und an ihrem Weihetage dem Papst anstatt eines Zinses einen Codex sacramentorum, einen Codex epistolarum und einen Codex evangeliorum sowie zwei Schimmel zum Geschenke machen sollen.

Überlieferung/Literatur

Erw.: MG. DO. III n. 279 u. n. 437; Urk. Johannes' XIX. v. 1031 X. 28 (Zimmermann, PUU. 1117); Hermann v. Reichenau, Chr. (MGSS. V 118); Deusdedit, Coll. canonum III 205 (Wolf v. Glanvell 362); Gallus Öhem, Chr. (Brandi 77). Reg.: J. *2969; JL. *3880 u. *3881; Brandi, Reichenauer Urkundenfälschungen 28 n. 72 u. 73; GP. II/1, 152 n. 12; Böhmer-Uhlirz n. 1229 b u. 1263 e. Lit.: Uhlirz, Jahrbücher Otto III. 281; L. Herkommer, Untersuchungen zur Abtsnachfolge unter den Ottonen im südwestdeutschen Raum (1973) 75; Maurer, Reichenau 263 f.; Beumann, Pontifikalinsignien 25.

Kommentar

Abt Alawich von Reichenau war, wie auch Hermann v. Reichenau in seiner Chr. bezeugt, bereits 997 der Nachfolger des abgesetzten Abtes Witigowo geworden (Böhmer-Uhlirz n. 1229 b), seine Weihe durch den Papst erfolgte aber wohl erst während des Aufenthaltes Ottos III. in Rom im Frühjahr 998. Alawich hatte den Kaiser nach Italien begleitet und muß sich dabei außerordentliche Verdienste erworben haben, wie das auf seine Bitte ausgefertigte Kaiserdiplom MG. DO. III n. 279 vom 22. Apr. 998 bezeugt. Dieses ist auch das früheste Zeugnis für die Weihe Alawichs und für die Privilegierung seines Klosters durch den Papst, die auf Grund der von Alawich erbetenen Intervention des Kaisers erfolgte. Beides wird man daher auf die Zeit knapp vor dem 22. Apr. 998, wenn nicht gar auf diesen Tag datieren dürfen. MG. DO. III n. 437 ist dagegen ein Falsifikat aus dem 12. Jh. (vgl. dazu auch Böhmer-Uhlirz n. 1264). Es berichtet, daß der Papst auf die Intervention des Kaisers geantwortet habe: Sunt nonnulli cenobite, qui infra claustri sui ambitum celibem vitam agentes, magna devotione degentes plurima diligentia ab omni pravo opere se custodiunt; hi si forte aliquando altiore gradu fultiuntur, ipsi tam pastores quam oves periclitantur et de meliore statu ad dederiorem labantes quasi morbidum pecus ex ignava pestilentia fascinantur. In deutscher Übersetzung bringt beide Urkunden auch Öhem (Brandi 77 ff.). Das Papstprivileg, das im zitierten Diplom Johannes' XIX. bzw. in dessen durch Öhem (Brandi 82) überlieferter deutscher Fassung als Vorurkunde erscheint und bestätigt wurde, ist verloren. Deusdedit, bei dem sich auch die zitierte Adresse findet, bringt daraus eine Zusammenfassung und ergänzt die Berichterstattung der Kaiserurkunden, die nur von der Verleihung des Weiherechtes sowie der Dalmatika und der Sandalen sprechen, durch die Erwähnung des Papstschutzes (ditioni et tuitioni sedis apostolicę subditum) und der aufgezählten Weiheabgaben. Deusdedit will seinen Text in alio carticio tomo et missali Lateranensis palatii gefunden haben. Von ihm wurde er wörtlich auch durch Albinus und Cencius (Fabre-Duchesne 1350) übernommen. Daß der Papst damals, wie noch Brandi vermutete, zwei Privilegien verliehen habe, ein Schutzprivileg für das Kloster und ein Weiheprivileg für den Abt, ist ‒ wie in GP. II/1, 152 n. 12 betont wird ‒ unsicher und eher nicht anzunehmen. Laut der Urkunde Johannes' XIX. soll den Äbten von Reichenau durch Gregor V. auch das Recht verliehen worden sein, bei gelegentlichen Romaufenthalten dem Papste bei der Meßfeier zu assistieren und bei päpstlichen Synoden den Sitz neben dem Papste zu haben. Da diese Rechte aber weder in der Kaiserurkunde von 998 noch bei Deusdedit erwähnt werden, sind sie wohl als Interpolationen aus der Urkunde Johannes' XIX. zu streichen. Über die Weiheabgaben und ihre Bedeutung vgl. Klauser in HJb. 53/1933, 185; Klewitz in ZRG. KA. 30/1941, 117; Elze in Studi Gregoriani 4/1952, 50; Salmon, Étude 53; Traeger, Der reitende Papst 35; H. Schmidinger, Roma docta (1973) 8f.; Pfaff, Lib. censuum 222 n. 383.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 825, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0998-04-22_1_0_2_5_0_867_825
(Abgerufen am 21.10.2017).