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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Vor Papst Gregor (V.) und Kaiser Otto (III.) erheben die Presbyter Petrus, Johannes, Albinus, Eustathius und Benedikt de Castorius von Sant'Eustachio in Rom (ęcclesię sancti Eustachii, quę sita est in Platana) gegen den Abt Hugo (I.) von Farfa (monasterii sanctę Marię, quod situm est in Sabinis in Monte Acutiano et iuxta fluvium Pharpham) Klage, weil dieser ihnen den Besitz der Marienkirche und der Benediktkirche in den alexandrinischen Thermen in Rom samt deren Pertinenzen in der neunten römischen Stadtregion streitig mache.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Placitum v. 998 IV. 9 (Manaresi, FSI. 96/1957, 367) und Gregor v. Catino, Chr. (Balzani, FSI. 34/1903 18). Reg.: JL. I p. 492; Hübner, Gerichtsurkunden 119 n. 1119; IP. 197 n. 3 u. II 61 n. 11; Böhmer-Uhlirz n. 1262 b.

Kommentar

Der Streit wurde nach zweimaliger Vertagung am 9. Apr. 998 durch kaiserliche und päpstliche Richter zugunsten des Klosters Farfa entschieden. Zum Verhandlungsgang vgl. Schuster in Rev. bén. 24/1907, 386 ff.: Schuster, Ugo di Farfa 30 ff. und Schuster, Farfa 118 ff. Im Jahre 1011 wurde Farfa aber neuerlich in derselben Angelegenheit verklagt; vgl. Gregor v. Catino (Balzani 88) und die von Balzani 88 Anm. 11 abgedruckte Gerichtsurkunde. Beide Quellen bezeugen, daß man sich 1011 zur Verteidigung der Rechte Farfas auf die Entscheidung von 998 berief. Dabei werden die damaligen Verhandlungen als placitum domni Ottonis imperatoris et domni Gregorii bezeichnet. Ebenso berichtet eine Urkunde Nikolaus' II. von 1060 (Giorgi-Balzani, Regesto V 293), daß im Jahre 998 das Gericht in praesentia Gregorii papae et Ottonis imperatoris tagte. Wie man jedoch aus der Gerichtsurkunde von 998 weiß, waren aber weder der Kaiser noch der Papst während des ganzen Prozesses anwesend, der sich über mehrere Tage hinzog. Otto III. hat nur zweimal auf Grund von Antragen der Richter aus der Ferne mit eigenen Entscheidungen in die Verhandlungen eingegriffen. Von einer Beteiligung des Papstes verlautet überhaupt nichts. Für ihn wirkten als Richter der römische Stadtpräfekt Johannes (vgl. dazu auch Kölmel, Kirchenstaat 35 Anm. 103), der Primus defensorum Gregor und der Arcarius Leo sowie die Schöffen Atrocius, Petrus und Paulus. Papst und Kaiser waren nur bei der Klageerhebung anwesend, die laut der Gerichtsurkunde von 998 erfolgte dum residerent in basilica beati Petri apostoli. Das Datum der Klageerhebung läßt sich aus der Gerichtsurkunde auf Montag, den 4. Apr. 998, festlegen, da an diesem Tage dem Abte Hugo eine dreitägige Frist zur Herbeiholung seines Vogtes aus Farfa gewährt wurde, die sich a III. feria usque in VI. feriam vor Samstag, den 9. Apr. 998, dem letzten Verhandlungstage, erstreckte (vgl. Manaresi 369). Über die handschriftliche und gedruckte Überlieferung der Gerichtsurkunde vgl. IP. II 61 n. 11 und Manresi 367. Die Literatur zum Gerichtsentscheid verzeichnet Böhmer-Uhlirz n. 1263. Über die beiden strittigen Kirchen vgl. Huelsen, Chiese di Roma 212f.und 326f.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 821, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0998-04-04_1_0_2_5_0_863_821
(Abgerufen am 26.07.2017).