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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Zwei Kleriker aus Christ Church in Canterbury kommen als Gesandte ihrer Kongregation mit reichen Gold- und Silbergeschenken zu Papst (Gregor V.) und erbitten das Pallium (für ihren Erzbischof), werden aber vom Papste abgewiesen, weil sie keine entsprechenden Vollmachten zur Einholung vorweisen können (portantes secum multum auri et argenti, quod darent papae pro pallio ... Nam cum clerici pervenerunt ad papam, respondit se nolle illorum verba suscipere, quia nullum signum nec a rege nec a populo terrae secum haberent).

Überlieferung/Literatur

Erw.: Ann. Domitiani lat. (Magoun, Mediaeval Studies 9/1947, 263 f.). Reg.:Lit.: Mann, Lives IV 434 f.; Moore, Saxon Pilgrims 116; Barlow, English Church 103.

Kommentar

Der Bericht über diese Gesandtschaft findet sich in einem späten Zusatz zu den zitierten Ann. zum Jahre 995 und ist legendär. Angeblich wollten die Kleriker durch die Erwerbung des Pallium dem Erzbischof Aelfrik (vgl. n. 791) zuvorkommen und dessen Reformpläne für Christ Church verhindern bzw. mit päpstlicher Hilfe hintertreiben. Sie sollen deswegen Aelfrik nachgereist und diesen sogar auf seiner Romfahrt überholt haben. Kurz nach ihrer Abweisung durch den Papst habe dann Aelfrik das Pallium in Rom erhalten. Demnach gehört der Bericht nicht ins Jahr 995, sondern in den Anfang 997. Zur Reform in Christ Church, die unter Erzbischof Dunstan begann und mit der Vertreibung der regelwidrig lebenden Kleriker durch Benediktinermönche unter Aelfrik endete, vgl. J. A. Robinson, The Early Community at Christ Church (Journal of Theol. Studies 27/1926, 225‒240); T. Symons, The Introduction of Monks at Christ Church (Journal of Theol. Studies 27/1926, 409‒411), Knowles, Monastic Orders 50 u. 696 f. sowie Stenton, Anglo-Saxon England 450. Entgegen dem Annalenbericht dürfte die Reform ohne vorherige Fühlungnahme des Erzbischofs mit dem Papst erfolgt sein, Whitelock, English Hist. Doc. I 24 Anm. 3 bezeichnet den Annalenbericht als Fabelei; vgl. dagegen Barlow, der darauf verweist, daß in Canterbury eine Verschärfung der Reform durch Aelfrik befürchtet wurde.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †790, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0997-02-00_2_0_2_5_0_831_F790
(Abgerufen am 27.05.2017).