Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

Sie sehen den Datensatz 827 von insgesamt 1338.

Unter dem Vorsitz des Papstes Gregor (V.) beschließt die in Pavia tagende Synode (decreta synodi Papiensis) (1) mit Berufung auf Papst Julius (I.) die Suspension aller an der Deposition des Erzbischofs Arnulf (von Reims) beteiligten Bischöfe, welche der wiederholten Vorladung zur Synode nicht Folge geleistet, sondern zur Verhinderung der Beschlußfassung nur einen Laien entsandt haben, insbesondere aber die Suspension des Bischofs Adalbero von Laon, welcher seinen Metropoliten (Arnulf von Reims) gefangengenommen und (dessen Feinden) ausgeliefert hatte; (2) mit Androhung der Exkommunikation die Berufung des Königs Robert (II. von Frankreich) zur Rechtfertigung seiner gegen päpstliches Verbot eingegangenen Verwandtenehe (mit Bertha von Burgund) sowie auch der Bischöfe, die dieser inzestuosen Ehe ihren Konsens erteilt haben; (3) die Anathematisierung eines Invasors, welcher den Erzbischof von Neapel gefangengenommen und sich selbst simonistisch zum Erzbischof gemacht hat, bis zur Satisfaktionsleistung; (4) mit Androhung des Anathems die Erneuerung der Verfügungen des Papstes Symmachus über die Papstwahl; (5) die Verdammung der Simonie; (6) mit Androhung der Suspension die Berufung des Bischofs Giselher (von Merseburg) für (kommende) Weihnachten nach Rom zur Satisfaktion wegen des unkanonischen Verlassens seiner Diözese und der Invasion einer anderen (nämlich der Magdbeburger) Kirche; (7) die Exkommunikation des Crescentius (II. Nomentanus) wegen der Invasion und Beraubung der römischen Kirche.

Überlieferung/Literatur

Erw.: n. 789. Reg.: JL. I p. 492; Boye, QuKat. 66; IP. VIII 448 n. *79; Böhmer-Uhlirz n. 1217 i; Swinarski, Herrschen mit Heiligen 423 n. 142. Lit.: Hefele-Leclercq, Hist. des conc. IV 885 f.; Tangl, Teilnehmer 120; Boye, Synoden 207 u. 210; Uhlirz, Jahrbücher Otto III. 232 ff. u. 511 ff.; Holtzmann, Kaiserzeit 340 u. 343; Zimmermann, Papstabsetzungen 109; Zimmermann, Dunkle Jh. 261 f.; Tüchle, Romfahrten 106 f.; Wolter, Synoden 151 ff.

Kommentar

Zur Datierung der Synode vgl. Schramm in AUF. 9/1926, 88 ff. und Uhlirz 517 sowie weiters die Erwähnung in n. 789. Als Teilnehmer der Synode sind durch Unterzeichnung von n. 788 f. bekannt die Erzbischöfe Johannes (XIII.) von Ravenna und Landulf (II.) von Mailand sowie die Bischöfe Wido (I.) von Pavia, Johannes von Albano, Warmund von Ivrea, Siegfried von Parma, Johannes von Modena, Adam von Turin, Andreas von Lodi, Johannes (II.) von Genua, Konstantin von Alba, Adalbert von Brescia und Liudfred von Tortona. Zum Reimser Schisma und den Vorladungen der französischen Bischöfe vgl. n. 706 und n. 756 sowie die dort zitierte Literatur. Über das erwähnte Vergehen des Bischofs Adalbero von Laon (vgl. über ihn Coolidge in Stud. in Medieval and Renaissance Hist. 2/1965, 1 ff.) gegen Arnulf von Reims vgl. Böhmer-Uhlirz n. 1028 b. Zur Berufung auf Julius I. vgl. Zimmermann, Rechtstradition 134 f. u. Fuhrmann, Pseudoisidor 324 f. Über die Ehe König Roberts mit Bertha, die beide als Urenkel des deutschen Königs Heinrich I. miteinander im sechsen Grad kanonischer Komputation verwandt waren, wurde schon im Nov. 996 durch Abt Abbo von Fleury im Auftrag des Königs mit dem Papste verhandelt (vgl. n. 776). Trotz des wohl damals erlassenen päpstlichen Verbotes hat Erzbischof Erchembald von Tours Anfang 997 die Ehe eingesegnet, worüber anscheinend die Synode erst gerüchtweise wußte, da Erchembald nicht namentlich genannt wird. Vgl. aber seine Nennung in n. 846. Die Namen der übrigen an der Eheschließung beteiligten Bischöfe sind unbekannt. Vgl. weiters dazu Pfister, Robert le Pieux 48 ff.; Halphen, Le comte d'Anjou 232f.; Keßler, Eheprozeß 34 ff.; Lowis, Church of France 115 ff.; J. Daudet, Études sur l'histoire de la juridiction matrimoniale (Paris 1941) 77 ff. u. Dhondt, Sept femmes 41 ff.; bes. 45. Über die Neapolitaner Angelegenheit ist nichts Näheres bekannt; vgl. dazu auch B. Capasso, Monumenta ad Neapolitani ducatus historiam pertinentia, I (Neapel 1881) 231 f. Zur Erneuerung des Papstwahldekretes des Symmachus in wörtlicher Wiedergabe vgl. Zimmermann, Rechtstradition 135 und Zimmermann, Papstabsetzungen 109. Die Angelegenheit des Erzbischofs Giselher von Magdeburg kam erst wieder bei der römischen Synode von Anfang 999 zur Sprache; vgl. n. 846 und die dort zitierte Literatur, vor allem Claude, Erzbistum Magdeburg I 183 ff.; Beumann, Magdeburg 19 und Scholz. Transmigration 182 f. Zur Exkommunikation des Crescentius vgl. Zimmermann, Papstabsetzungen 109. Nur diesen Beschluß des Konzils überliefern auch die Ann. Hildesheimenses 997 (Waitz, SS. rer. Germ. 8/1878, 27: Papa Ticini adunato complurium concilio, prefatum Crescentium anathemate perculit) und ihnen folgend der Ann. Saxo 997 (MGSS. VI 641). Schramm 89 hält diesen Beschluß für einen späteren Anhang. Von der Erhebung des Gegenpapstes Johannes XVI. (n. 784) wußte die Synode anscheinend noch nichts. Vgl. über die Synode und ihre Beschlüsse weiters die bei Böhmer-Uhlirz n. 1217 i erwähnte Literatur. Laut Schramm überbrachte Abt Leo vom Aventin die Konzilsbeschlüsse nach Deutschland; vgl. dazu auch Schieffer, Legaten 43 und Böhmer-Uhlirz n. 1218 e. Die neuerliche Legation Leos, die wohl durch die Synode von Pavia beschlossen wurde, wird auch in den Briefen 183 und 218 Gerberts von Aurillac (Weigle, MG. Briefe II 215 u. 259; Riché II 470 u. 576) erwähnt; vgl. dazu Uhlirz, Untersuchungen 163.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 786, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0997-02-00_1_0_2_5_0_827_786
(Abgerufen am 27.05.2017).