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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Achttägiger Aufenthalt des Abtes Abbo von Fleury bei Papst Gregor V. im Gebiet von Spoleto. Abt Abbo war im Auftrag des französischen Königs Robert (II.) nach Rom gereist, um mit dem Papst über die Bereinigung des Streites um das Erzbistum Reims zu verhandeln, hatte Gregor jedoch nicht mehr in Rom angetroffen und erst nach längerem Suchen bei Spoleto gefunden. Der Papst empfängt den Abt mit großer Freude, da er schon längst mit ihm einmal zusammenkommen wollte, und lädt Abbo ein, eine Zeitlang bei ihm als sein Berater zu bleiben, wofür er ihm die Erfüllung aller seiner Wünsche verspricht. Der Abt bestellt die ihm aufgetragenen Grüße des französischen Königs, berichtet von dem Wunsch des Grafen Fulko (III. Nerra von Anjou), lieber zerstörte Klöster aufzubauen als neue zu begründen, und erbittet ein päpstliches Privileg für das Kloster Fleury. Der Papst und Abbo haben vielfach Gelegenheit, Gedanken über die Leiden der Seele auszutauschen. Vor seiner Rückkehr beauftragt Gregor den Abt, bei König Robert für die Restitution des Erzbischofs Arnulf von Reims zu wirken, und übersendet diesem durch ihn das erzbischöfliche Pallium. Er beschenkt den Abt mit Räucherwerk sowie mit einer Planeta und verleiht dem Kloster Fleury taxfrei ein Privileg (n. 777).

Überlieferung/Literatur

Erw.: Aimoin v. Fleury, Vita Abbonis 11 f. (Migne, PL. 139, 401 f.) sowie in den Briefen Abbos an Gregor V. n. 796, n. 797 u. n. 798. Reg.: JL. I p. 491; Böhmer-Uhlirz n. 1210 g. Lit.: Lowis, Church of France 119; Chenesseau, L'abbaye de Fleury 20; Uhlirz, Jahrbücher Otto III. 518 ff.; Cousin, Abbon 124 ff.; Lemarignier, Structures monastiques 385; Mostert, Abbo 57 ff.; Wolter, Synoden 151 f.

Kommentar

Zur Datierung vgl. Uhlirz 520 ff. u. n. 777, wo auch über die älteren Versuche einer chronologischen Einreihung der in den zitierten Quellen erwähnten Ereignisse gehandelt wird. Der Aufenthalt Gregors in finibus Spoletanorum, von dem die Vita Abbos spricht, fällt in die Zeit kurz nach der Vertreibung des Papstes aus Rom (n. 772). Aus n. 786 folgert Uhlirz 519 Anm. 9, daß damals auch über die Eheangelegenheit des Königs Robert verhandelt wurde. Dieser habe durch Abbo bestellen lassen, daß er bereit sei. Gerbert von Aurillac als Erzbischof von Reims preiszugeben und dessen Gegner Arnulf anzuerkennen, sofern er dadurch die päpstliche Billigung seiner illegitimen Ehe mit Bertha von Burgund erreichen könne; vgl. dazu auch Lowis 115 ff. Wie sich aus n. 786 ergibt, muß Gregor V. aber damals ein Verbot der Ehe ausgesprochen haben. Über die Absichten Fulkos von Anjou vgl. n. 796. In Weiterführung von Ansichten Schramms in AUF. 9/1926, 114 wird in Böhmer-Uhlirz n. 1210 g die Vermutung geäußert, daß Abbo vom Papste damals auch den Auftrag zur Abfassung des dem Kaiser Otto III. gewidmeten Figurengedichtes (MG. Poet. lat. V/1, 469 ff.) erhalten habe; vgl. jedoch dazu Zimmermann in Mitt. d. österr. StArch. 11/1958, 575 und über das Gedicht zuletzt Bezzola, Kaisertum 160 ff. u. 198 f. Wenn Aimoin ausdrücklich betont, daß der Papst für die Privilegierung des Klosters Fleury nullum pecuniae lucrum gefordert habe, so erklärt sich das aus den bitteren Erfahrungen, die Abbo bei Papst Johannes XV. gemacht hatte (n. 721).

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 776, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0996-11-00_1_0_2_5_0_817_776
(Abgerufen am 21.01.2017).