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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Gregor V. bestätigt dem Stift Saint-Martin (in Tours) unter dem Dekan Otto (omnibus fratribus in monasterio sancti Martini viventibus, Otthoni scilicet decano eximii gregis beati Martini patroni nostri) wunschgemäß die ihm verliehenen königlichen und päpstlichen Privilegien, besonders die Verfügungen der Päpste Adeodat (JE. 2105) und Nikolaus (I.) (JE. 2856 ß), 〈weiters das Recht auf Bestellung eines eigenen, von der Kongregation zu wählenden und durch die Nachbarbischöfe zu ordinierenden Bischofs für die Betreuung der Wallfahrer〉; eximiert das Stift von der Jurisdiktion des Erzbischofs von Tours; 〈überträgt dem Klosterbischof alle bischöflichen Funktionen im Stiftsgebiet; unterwirft die Schlichtung von Streitigkeiten zwischen ihm und den Nachbarbischöfen dem Urteil des Abtes und bei dessen Unvermögen dem Papsttum,〉 und bestätigt die Besitzungen. ‒ Innotuit satis profecto ... Scr. pm. Petri not. et scrin. SRE. in men. Sep. et ind. X. ‒ Dat. III. kal. Oct. pm. Johannis ep. et bibl. SSA. a. dom. Gregorii V. pp. I., imp. dom. III. Ottone a Deo coronato magno imp. a. I.

Überlieferung/Literatur

Org.: Insert: Urk. Calixts III. v. 1455 IV. 20 (Rom Arcn. Vat.: Registrum Vat. 455 fol. 73). Kop.: 1) 16. Jh., Paris Bibl. nat.: Coll. Baluze 282 fol. 15. 2) 1643 Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 13898 fol. 106. Erw.: Urk. Gregors IX. v. 1234 (Auvray, Registres 1113 n. 2059). Drucke: Monsyner, Turonensis ecclesiae historia 191; Mabillon, De re diplomatica 639; Migne, PL. 137, 907; Zimmermann, PUU. 649 n. † 332. Reg.: J. 2960; JL. 3870; Santifaller, LD. 321; Santifaller, Elenco 315. Lit: Harttung, Dipl. hist. Forschungen 122 ff.; Vaucelle, La collégiale de St-Martin 434 ff.; Frank, Klosterbischöfe 68 ff.; Lemarignier, Structures monastiques 385 f.; P. Gasnault, Etude sur les chartes de St-Martin de Tours (École nat. des chartes, Position des thèses, Paris 1953) 39.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. weiters Kehr in GGN. 1902, 509 und Ramackers, PUU. in Frankreich V 13 f., 26 u. 61. Zu den königlichen Privilegien des Stiftes vgl. vor allem Böhmer-Mühlbacher n. 896. In den erwähnten Urkunden der Päpste Adeodat und Nikolaus I. verlautet noch nichts über einen Klosterbischof. Nach den Darlegungen von Frank ist das Privileg Gregors V. in seiner überlieferten Form eine Ende des 11. Jh. entstandene Verfälschung einer echten Urkunde des Papstes. Durch Interpolation der auf den Klosterbischof bezüglichen Stellen sollte diese Institution rechtliche Grundlage erhalten; vgl. dagegen Hourlier, Odilon 69. Als Vorlage diente das Privileg Hadrians I. für St-Denis (JE. 2454 und dazu A. Hessel, Les plus anciennes bulles en faveur de l'abbaye de St-Denis, Le Moyen Age II 5/1901, 387 ff.). Im Jahre 1075 befand sich das Original der echten Papsturkunde noch in Händen des Erzbischofs Radulf von Tours, der es aber nicht entziffern konnte und den Abt Bartholomäus von Marmoutier um eine Transkription bat. Die Schrift des Originals, die der Abt in seinem Gutachten als Romana littera bezeichnete, dürfte die römische Kuriale gewesen sein; vgl. Frank 69 Anm. 14 und Rabikauskas, Kuriale 2 f. Als totale Fälschung um 1083 wertet Gasnault die Urkunde.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †771, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0996-09-29_1_0_2_5_0_812_F771
(Abgerufen am 23.07.2017).