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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Johannes XV. beruft den früheren Bischof von Prag, Adalbert, aus seinem römischen Kloster (am Aventin) und ernennt ihn wegen seines hervorragenden Lebenswandels zu seinem Kaplan.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Pulkawa, Chr. (FRB. V 28). Reg.:

Kommentar

Von dieser Ernennung weiß nur die spätere Legende, die sich in Zusätzen zur zitierten Chr. findet: ... Johannes papa XV. audiens ipsius laudabilem conversacionem ipsum de monasterio recepit et capellanum suum fecit. Sie wird auch durch die Berichte über Wunder unglaubwürdig, die Adalbert angeblich in Gegenwart des Papstes vollbracht haben soll. So soll Adalbert einmal seine Cappa statt auf einen Kleiderhaken irrtümlich auf einem durch das Kirchenfenster dringenden Sonnenstrahl aufgehängt haben, wo sie zur allgemeinen Verwunderung hängen blieb und dem Bischof die Verehrung selbst des anwesenden Papstes einbrachte. Ein anderes Mal sei Adalbert während einer in Anwesenheit des Papstes zelebrierten Messe an der dem Totengedächtnis gewidmeten Stelle nach Libice in Böhmen entrückt worden und habe dort die Leichenfeier seiner durch Hzg. Boleslaw II. am 28. Sep. 995 ermordeten slawnikidischen Verwandten miterlebt, während sein Körper vor dem Altar der römischen Kirche untätig verharrte, so daß Papst und Volk meinten, der Bischof sei eingeschlafen. Deswegen nach dem Gottesdienst zur Rede gestellt, habe Adalbert dem Papst sein Erlebnis berichtet und als Beweis angegeben, daß sein Handschuh in Libice zurückgeblieben sei, was ein sofort nach Böhmen abgeschickter Papstlegat bestätigt fand. Vgl. über dieses Wunder auch einen Hymnus auf Adalbert, den R. Kade, Ein lateinischer Hymnus auf St. Adalbert (NA. 10/1885, 184) ediert, und allgemein über die Legenden Voigt, Adalbert 92. Zum Mord von Libice, von dem aber Adalbert laut Brun v. Querfurt erst 996 auf seiner Rückreise nach Böhmen (vgl. n. 762) erfuhr und der seine Heimkehr nach Prag unmöglich machte, vgl. J. Loserth, Der Sturz des Hauses Slawnik (AÖG. 65/1884, 20‒55); Dvornik, Making 92 ff. und Uhlirz, Lebensbeschreibung 55. Laut der Pulkawa Chr. wäre die Ernennung Adalberts zum päpstlichen Kaplan in die Zeit des Mordes von Libice zu datieren, damals weilte aber Johannes XV. nicht in Rom (vgl. n. 729 u. n. 736).

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †735, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0995-00-00_2_0_2_5_0_774_F735
(Abgerufen am 27.03.2017).