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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Kommendation Polens an den Papst. ‒ Herzog Mieszko (I. von Polen) und (dessen Frau) Oda sowie deren Söhne Mieszko und Lambert (Dagomę iudex et Ote senatrix et filii eorum Misicam et Lambertus) übertragen dem Apostel Petrus und dem Papste Johannes XV. ihr Reich mit der Hauptstadt Gnesen (unam civitatem in integro, quę vocatur Schinesghe) samt allen Pertinenzen in angegebenen Grenzen.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Deusdedit, Coll. canonum III 199 (Wolf v. Glanvell 359); Cencius, Liber censuum 71/17 (Fabre-Duchesne 1349). Drucke: Maleczyński, Cod. dipl. Silesiae I 3; Schlesisches UB. I 2. Reg.: Grünhagen, Reg. I 4; Budkowa, Repertorium 1 n. 2; Böhmer-Uhlirz n. 1026 d; Lübke, Reg. III 65 n. 255 a. Lit.: J. Ptasnik, Dagome iudex (Krakau 1911); St. Zakrzewski, Najdawniejsza bulla dla Polski (Lemberg 1921); Völker, Kirchengesch. Polens 17 ff.; Jordan, Lehnswesen 130; Stasiewski, Untersuchungen 29 ff.; Holtzmann, Kaiserzeit 322 f.; Uhlirz, Jahrbücher Otto III. 550 ff.; W. Leitsch, Deusdedit und die Urkunde Dagome iudex (Arch. f. Gesch. d. Slawentums u. Osteuropas 3/1959, 166‒185); Schlesinger, Beiträge 371 ff.; Kętrzyński, Polska 233 ff.; B. Kürbisówna, Dagome iudex (Początki państwa polskiego. Ksiegą. Tysiąclecia, I, 1962, 363‒423); K. Buczek, Zagadniewie wiarygodności regestu Dagome iudex (Institutum hist. Academiae scientiarum et litterarum Poloniae, Commentationes 10/1965, 117‒139); Chr. Warnke, Ursachen und Voraussetzungen der Schenkung Polens an den Hl. Petrus (FS. H. Ludat 1980, 127‒177).

Kommentar

Vgl. weiters die Angaben über die Überlieferung, die Drucke und die reiche Literatur bei Maleczyński, im Schlesischen UB., bei Böhmer-Uhlirz und Kürbisówna. Ältere Arbeiten werden auch ausführlich bei Stasiewski 30 ff. besprochen. Die Dagomeschenkung ist nur in Form eines Regestes einer heute verlorenen Urkunde überliefert. Eine Rekonstruktion des Diploms versucht Stasiewski 114 Anm. 460. Deusdedit fand den Text in alio tomo sub Johanne XV. papa des Papstarchivs; vgl. dazu die zitierte Arbeit von Leitsch. Bereits bei Deusdedit findet sich eine Randglosse, welche die Schenkung irrig auf Sardinien deutet: Nescio cuius gentis homines, puto autem Sardos fuisse, quoniam ipsi a IV iudicibus reguntur. Erst in den Gesta des Albinus und bei Cencius wird richtig auf Polen verwiesen; vgl. Stasiewski 39 f. Die Deutung der im Regest aufscheinenden Orts- und Personennamen hat eine große wissenschaftliche Diskussion ausgelöst, vor allem auch über den Schenker. Dessen und seiner Frau Titel dürften erst von der Kurie in Rom bei Abfassung des Regestes gewählt worden sein. Daß beim Kommendationsakt auch die Verpflichtung zur Zinszahlung an den Papst übernommen wurde, ist anzunehmen; vgl. dazu auch Pfaff, Lib. censuum 120 n. 360 und Maschke. Peterspfennig 8, sowie auch n. 1098. Für die Datierung des Aktes muß als äußerste Grenze der Beginn des Pontifikates Johannes' XV. und der Tod Mieszkos I. (25. Mai 992) gelten. Uhlirz datiert auf Herbst 990 und verweist auf die damals heikle Situation des von Böhmen und den Liutizen angegriffenen Polenherrschers, die auch ein Hilfsgesuch an die deutsche Reichsregierung veranlaßt habe; vgl. Böhmer-Uhlirz n. 1020 l. Schlesinger 375 sieht dagegen in der Schenkung eine Reaktion auf die Anfang 992 eingetretene Wandlung in der Politik Böhmens zum Reich, die dann auch in n. 707 deutlich wird. An der Echtheit des Aktes und einer Verbindung Mieszkos mit Rom ist nicht zu zweifeln. Auch in der allerdings erst in spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Quellen überlieferten Grabschritt Boleslaws I. Chrobry, des Sohnes und Nachfolgers Mieszkos, wird berichtet, daß eine Haarlocke des siebenjährigen Prinzen nach Rom gesandt wurde (Praecidens comam septenii tempore Romam); vgl. P. David, L'épitaphe de Bolesław Chrobry (Études historiques et littéraires sur la Pologne médiévale 2/1928, 14 f.). Vielfach wurde dies als Kommendation Polens an den Papst aufgefaßt und ins Jahr 974 in den Pontifikat Benedikts VI. datiert; vgl. aber dazu Stasiewski 105 ff. und R. Gansiniec, Nagrobek Boleslawa Wielkiego (Przegląd zachodni VII 7‒8/1951, 359‒537, bes. 421 u. 489 ff), weiters Grabski, Bolesław Chrobry 58 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 703, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0992-05-00_1_0_2_5_0_740_703
(Abgerufen am 25.09.2018).