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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Johannes XV. gibt allen Gläubigen (omnibus fidelibus) bekannt, daß er den Bischof Leo von Trevi nach England gesandt habe, um die Feindschaft zwischen dem englischen König Aethelred (II.) und dem Herzog Richard (I. von der Normandie) (inimicitia Aethelraedi Saxonum occidentalium regis necnon et Ricardi marchionis) beizulegen (n. 694). Leo habe zu Weihnachten (in die natalis Domini) (990) dem König ein päpstliches Schreiben übergeben, dieser sei den darin enthaltenen päpstlichen Friedensmahnungen gehorsam gewesen und habe den Bischof Aethelsig von Sherborne (Aethelsinum sanctę Scireburnensis ęcclesię presulem) mit zwei anderen Legaten zu Richard geschickt, der sich ebenfalls den päpstlichen Mahnungen gehorsam erzeigte, so daß am 1. März 991 in Rouen Frieden geschlossen werden konnte, den seitens des Königs dessen Gesandte, seitens des Herzogs Bischof Roger (von Lisieux) und zwei Gefolgsleute Richards beschworen. Es wurde bestimmt, daß jeder Friedensbruch gesühnt werden müsse und daß Richard niemanden von den Mannen oder Feinden des Königs bei sich aufnehmen dürfe, es sei denn, er könne sich mit dem Siegel seines Herrn ausweisen. ‒ Noverint omnes sanctae matris ...

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 1) 11. Jh., London Brit. Mus.: Cotton Ms. Tiberius A XV fol. 172v. 2) 12. Jh., London Brit. Mus.: Harley Ms. 633 n. 2 fol. 56v. Insert: Wilhelm v. Malmesbury, Gesta regum II 165 (Stubbs, SS. rer. Brit. 90/1, 191); Richard v. Cirencester, Speculum III 28 (Mayor, SS. rer. Brit. 30/2, 144). Erw.: Wilhelm v. Malmesbury, Gesta regum II 165 (Stubbs, SS. rer. Brit. 90/1, 191); Roger v. Wendover, Flores (Engl. Hist. Soc. 8/1, 427); Helinand v. Froidmont, Chr. (Migne, PL. 212, 920); Matthäus Paris, Chr. (Luard, SS. rer. Brit. 57/1, 475); Flores hist. (Luard, SS. rer. Brit. 95/1, 521); Eulogium hist. V 91 (Haydon, SS. rer. Brit. 9/3, 25); Richard v. Cirencester, Speculum III 28 (Mayor, SS. rer. Brit. 30/2, 143). Drucke: Labbe-Cossart, Conc. IX 730; Mansi, Coll. XIX 81; Migne, PL. 137, 843; Stubbs, Memorials of Saint-Dunstan 397; Fauroux, Recueil des actes des ducs de Normandie 22; Zimmermann, PUU. 595 n. 307. Engl. Übersetzung: Whitelock, English Historical Documents I 823; Whitelock, Councils I 177. Reg.: J. 2940; JL. 3840; Reg. Norvegica I (Oslo 1989) 28 n. 6. Lit.: E. A. Freeman, A Short History of the Norman Conquest of England (Oxford 1880) 17; Mann, Lives IV 378 f.; Steenstrup, Normandiets Historie 157 f.; Stenton, Anglo-Saxon England 370; Deanesly, Anglo-Saxon-Church 51; S. Keynes, The Diplomas of King Aethelred the Unready (Cambridge 1980) 139 ff.; Vollrath, Synoden 306 ff.

Kommentar

Zur handschriftlichen Überlieferung vgl. Holtzmann, PUU. in England I 76 und 124. Das päpstliche Schreiben ist die einzige Quelle über die Streitigkeiten zwischen Aethelred und Richard. Die zitierten Historiographen, die vor allem den auf päpstliche Intervention abgeschlossenen Frieden erwähnen, erscheinen davon abhängig. Als Ursache der Feindschaft gibt Roger v. Wendover auf Grund mißverstandener Äußerungen Wilhelms v. Malmesbury fälschlich an, daß Aethelreds Frau Emma, die Tochter Richards, sich bei ihrem Vater über ihre unwürdige Behandlung am englischen Hofe beschwert habe, worauf Richard alle durch die Normandie reisenden Engländer gefangennehmen oder sogar töten ließ. Dem Bericht folgen zumeist spätere Quellen, doch kann dieser schon deswegen nicht richtig sein, weil Emma erst 1002 nach England kam. Freeman vermutet, daß Richard den Dänen erlaubt habe, in normannischen Häfen die auf ihren Raubzügen in England erbeuteten Waren zu verkaufen, und daß dies die Veranlassung zum Kriege war. In der überlieferten Gestalt kann das päpstliche Schreiben aus formalen Gründen nicht echt sein. Schon das Protokoll (Johannes XV. sanctę Romanę ęcclesię papa ...) entspricht nicht dem damaligen päpstlichen Kanzleigebrauch, der auch sonst nirgends anklingt. Mann IV 379 Anm. 1 hat festgestellt, daß das Schriftstück die Komposition eines echten päpstlichen Mandates und des Friedensinstrumentes von Rouen ist. Die Datierung kann nur aus den Angaben über das Datum des Friedensschlusses entnommen werden: Actum Rothomago kal. Mar. a. ab incarn. Dom. nongentesimo nonagesimo primo, ind. IV. Es bleibt jedoch überhaupt fraglich, ob der Papst den Frieden durch ein so gestaltetes Schreiben bestätigt habe. Zur Identifikation des fälschlich als Bischof v. Trier (episcopum sanctę Treverensis ęcclesię) bezeichneten päpstlichen Legaten vgl. Tillmann, Legaten 10 f. und Schieffer, Legaten 37. Dagegen möchte Stubbs und ihm folgend Hamilton, City of Rome 21 den Legaten Leo mit Abt Leo vom Aventinkloster identifizieren. Als königliche Gesandte werden neben Bischof Aethelsig Leofstan, der Sohn des Alfwold, und Aethelnoth, der Sohn des Wigstan, genannt, als Vertreter Richards neben Bischof Roger noch Rodulf, der Sohn des Hugo, und Turstenk, der Sohn des Turgis. Diese Persönlichkeiten sind zumeist auch aus anderen Quellen bekannt (vgl. Steenstrup 158 und Whitelock 593), so daß sich von daher kein Argument gegen die Echtheit des Friedensvertrages gewinnen läßt.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †695, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0991-03-01_1_0_2_5_0_731_F695
(Abgerufen am 23.09.2017).