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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Johannes (XV.) verleiht dem Erzbischof Sigerich von Canterbury das Pallium und gibt anschließend ihm und seinen Begleitern ein Festmahl.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Adventus Sigerici (Stubbs, SS. rer. Brit. 63, 392); Ann. Domitiani lat. 989 (Magoun, Mediaeval Studies 9/1947, 261); Radulf v. Diceto, Abbreviationes (Stubbs, SS. rer. Brit. 68/1, 16); Radulf v. Diceto, Indiculus (Stubbs, SS. rer. Brit. 68/2, 209); Gervasius v. Canterbury, Actus (Stubbs, SS. rer. Brit. 73/2, 357). Reg.:Lit.: Jung, Itinerar 24 f.; Mann, Lives IV 380 ff.; McKilliam, Chronicle 103; Moore, Saxon Pilgrims 116; B. Pesci, L'itinerario romano di Sigerico arcivescovo di Canterbury (Rivista di archeologia ciristiana 13/1936, 57); F. P. Magoun, The Rome of two Northern Pilgrims (Harvard Theological Review 33/1940, 268‒277); F. P. Magoun, An English Pilgrim-Diary of the Year 990 (Mediaeval Studies 2/1940, 231‒252); G. B. Parlis, The English Traveller to Italy I (Rom 1954) 46 ff. u. 81 ff.; Barlow, English Church 293 ff.; Martí Bonet, Concesión del palio 162; V. Ortenberg, Archbishop Sigeric's Journey to Rome in 990 (in: Anglo Saxon England 19/1990, 207 f.).

Kommentar

Die Palliumverleihung erwähnen Radulf und Gervasius. Daß der Erzbischof zu diesem Zweck nach Rom gezogen sei, melden die zitierten Ann. In der Hauptquelle, dem sogenannten Adventus Sigerici, steht nichts von der Verleihung des Pallium Jedoch erfährt man Genaueres über den Romaufenthalt des Erzbischofs. Am Tage seiner Ankunft habe dieser als Pilger einige römische Kirchen besucht, die namentlich aufgezählt werden, und dann in der Schola Anglorum übernachtet. Vor seinem Zusammentreffen mit dem Papst besuchte er am nächsten Tag noch zwei römische Kirchen und kam dann nach San Giovanni in Laterano. Dort erfolgte wohl die Palliumverleihung. Der Bericht setzt dann fort: Inde refecimus cum domini apostolico Johanno. Da der größte Teil des Vormittags mit den Feierlichkeiten verstrichen sein dürfte, muß an ein Mittagmahl gedacht werden, an dem auch die Begleiter des Erzbischofs teilnahmen, wie sich aus dem Gebrauch des Plurals ergibt. Die Datierung des Romaufenthaltes Sigerichs muß aus der Papstliste erschlossen werden, die im Manuskript (London Brit. Mus., Cotton Ms. Tiberius B V fol. 23v, vgl. über den Cat. Sigerici auch Duchesne, Lib. pont. II p. XV) kurz vor dem Reisebericht steht. Es handelt sich um einen von Sigerich aus Italien mitgebrachten Papstkatalog von Johannes X. bis Johannes XV. samt Angabe der Regierungszeiten, wobei es vom letztgenannten Papste heißt: sedit annos IV, mensem unum et dimidium; vgl. Pesci 59. Stubbs in SS. rer. Brit. 63, 391 Anm. 1 vermutet, daß dimidium zur Jahres- und nicht zur Monatsangabe gehöre. Demnach wäre seit Beginn des Pontifikates Johannes' XV. im Aug. 985 (n. 641) eine Zeit von 4 Jahren und 7 Monaten verstrichen. Der Romaufenthalt Sigerichs ist daher frühestens in den März 990 zu datieren, zumal er auch erst Anfang 990 Nachfolger des Erzbischofs Aethelgar geworden war (vgl. n. 669). Wegen der Nichterwähnung der Kaiserin Theophanu muß auf die Zeit nach deren Abreise aus Rom (vgl. Böhmer-Uhlirz n. 1019 h) datiert werden. Vgl. zur Datierung auch Pesci 47 f. Auf Mitte Okt. 989 datierte dagegen Duchesne, Lib. pont. II p. XV die Entstehung der Papstliste.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 687, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0990-04-00_1_0_2_5_0_723_687
(Abgerufen am 19.02.2018).