Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

Sie sehen den Datensatz 698 von insgesamt 1338.

Auf Befehl König Ottos III. bringt dessen Kaplan Razo die Gebeine Papst Benedikts V. von Hamburg nach Rom.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Thietmar v. Merseburg, Chr. IV 62 (MGSS. N. S. IX 202); Lib. pont., Cat. Augustensis (Duchesne II 251); Ann. Saxo 988 (MGSS. VI 634); Ano. Zwetlensis (Migne, PL. 213, 1027). Reg.: JL. I p. 470. Lit.: L. Giesebrecht, Wendische Geschichten aus den Jahren 780‒1102, I (1843) 195; Gregorovius-Schillmann, Grabdenkmäler 104; Mann. Lives IV 278; Montini, Le tombe 156; Zimmermann, Dunkle Jh. 230; Wellmer, Memento 59; Borgolte, Grablegen 132.

Kommentar

Thietmar berichtet von der Überführung (Razo autem iussu senioris sui ossa supradicti papae Benedicti ... de Hammaburg Romam reduxit) im Zusammenhang mit der Ernennung des aus Bremen stammenden Razo zum Bischof von Worms durch Otto III. im Herbst 999 (vgl. Görlitz, Hofkapelle 117; Fleckenstein, Hofkapelle 89 und Böhmer-Uhlirz n. 1324 e) und erwähnt dabei auch die Prophezeiung Benedikts V. über die Zerstörung Hamburgs (vgl. n. 384), die 983 tatsächlich erfolgt ist (vgl. May. Reg. 134 n. 135). Terminus post quem wäre demnach das Jahr 983. Terminus ante quem der Tod des knapp nach seiner Ernennung zum Bischof verstorbenen Razo Ende 999. Innerhalb dieses Zeitraumes kommt am ehesten das Jahr 988 in Frage, in welchem nach dem am 29. April erfolgten Tod des Erzbischofs Adaldag von Hamburg-Bremen, der Benedikt V. einst nach Hamburg gebracht hatte (n. 381). Liäwizo, der Begleiter des verbannten Papstes. Erzbischof von Bremen wurde (vgl. May. Reg. I 38 n. 145 und Böhmer-Uhlirz n. 1001 e), zumal auch der sonst von Thietmar abhängige Ann. Saxo ins Jahr 988 datiert und im folgenden Jahre 989 Hamburg-Bremen päpstliche Privilegien erhalten haben soll (n. 672 u. n. 677). Liäwizo könnte sich bei Otto III. und der Reichsregierung in Erfüllung der letzten Wünsche Benedikts V. für die Rückführung von dessen Gebeinen nach Rom eingesetzt und mit diesem Akt der Pietät seine erzbischöfliche Regierung begonnen haben. Daß die Rückführung auf königliche Anordnung erfolgte, meldet ausdrücklich der zitierte Cat. (Cuius ossa iussu III. Ottonis Romam reportata venerabiliter sepulta sunt). Die römische Begräbnisstätte Benedikts V. ist unbekannt. Die Datierung der Rückführung in die Jahre 938‒988 durch Giesebrecht und Mann bzw. die Annahme des Jahres 988 als Terminus ante quem beruht auf eine Fehlinterpretation des Berichtes Thietmars über die Ernennung Razos zum Bischof.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 662, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0988-04-00_1_0_2_5_0_698_662
(Abgerufen am 24.05.2017).