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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Johannes (XV.) erteilt dem Grafen Gottfried (I.) Grisegonelle von Anjou (dilecto filio Goffrido Grisia Gonella cognominato nobilissimo Andegauorum comiti) ein Lob, da er zum eigenen und seiner Eltern Seelenheil (das Kollegialstift) Notre-Dame in Loches (apud castrum, quod Locas dicitur) (D. Tours) errichtet, mit Einkünften ausgestattet, von der erzbischöflichen Gewalt eximiert und dem Papste unterstellt habe; bestätigt diese mit Zustimmung des Erzbischofs Harduin von Tours und im Beisein des Erzbischofs Adalbero von Reims getroffenen Verfügungen (ut praefata ecclesia ita sit semper ab omnium hominum dominatione libera, ut praeter Romanum pontificem nullum alium habeat praesulem); bestellt die Grafen von Anjou zu erblichen Stiftsvögten; legt dem Stift einen der römischen Kirche zu leistenden Jahreszins von fünf Solidi aus Poitiers auf und bedroht Rechtsverletzung mit dem Anathem. ‒ Quotiens qui filii sunt ecclesiae ... Dat. Lateranis II. id. Aug. a. ab incarn. MXI., pont. vero dom. Joannis II.

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 1) 17. Jh., Paris Bibl. nat.: Coll. Baluze 38 fol. 67v. 2‒3) 18. Jh., Paris Bibl. nat.: Coll. de Touraine 1 fol. 225 u. 2/1 fol. 37v. Erw.: Urk. Innozenz' II. v. 1138 (Ramackers, PUU. in Frankreich V 354). Drucke: Pflugk-Harttung, Acta III 4; Zimmermann, PUU. 563 n. 290 (zu 986). Reg.: JL. 4069. Lit.: Ramackers, PUU. in Frankreich V 370 f.; J. Boussard, La charte de fondation de Notre-Dame de Loches (Actes du colloque médiéval de Loches 1973 = Mémoires de la soc. archéol. de Touraine 9/1975, 1‒6); Kortüm, UrkSprache 275 f.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Ramackers, PUU. in Frankreich V 57. Die Echtheit der Urkunde wurde sowohl von Pflugk-Harttung als auch von Ramackers bezweifelt. Auffällig ist die angeblich mit Zustimmung zweier Erzbischöfe vollzogene Exemtion des Stiftes auf Grund einer gräflichen Verfügung. Weiters entspricht die Datierung keineswegs dem Gebrauch der damaligen Papstkanzlei. Graf Gottfried starb bereits 987, die genannten Erzbischöfe Harduin (950‒983) und Adalbero (969‒988) verweisen die Ausstellung in den Pontifikat Johannes' XIII., wozu aber weder das angegebene Inkarnations- noch das Pontifikationsjahr stimmen will. Zur Datierung vgl. auch n. 467. In der Urkunde Innozenz' II. wird eine Privilegierung des Stiftes durch Papst Johannes II. sicher auf Grund eines Schreibfehlers erwähnt. Baluze hat die Urkunde Johannes XIX. zugeschrieben (vgl. JL. 4069), Ramackers nimmt als Ausstellungszeit die Jahre 970‒972 an. Für die Lösung der Echtheitsfrage ist die Klärung der Echtheit der Gründungsurkunde des Grafen Gottfried nötig; vgl. n. 467. In dieser wird eine Romreise des Grafen und ein Zusammentreffen mit einem Papst namens Johannes erwähnt. Kurz nach der Rückkehr aus Rom habe der Graf auf einem Hoftag in Laon am 15. Aug. (970) die Zustimmung König Lothars von Frankreich und Erzbischof Harduins zur Gründung erlangt. Erst danach erfolgte laut der Gründungsurkunde die Wahl des Ortes für die beabsichtigte Stiftung sowie die Begründung und Dotierung des dortigen Kanonikates. Das Papstprivileg, dessen Echtheit Boussard verteidigt, scheint eine Empfängerherstellung zu sein, die erst nach Vollendung des Baus in Rom bestätigt wurde. Wegen des angegebenen Pontifikatsjahres datiert Boussard 5 auf 986 (vgl. unten n. 657 a.). Zur Zinspflicht des Stiftes vgl. Pfaff, Lib. censuum 241 n. 529.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 486, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0986-08-12_1_0_2_5_0_514_486
(Abgerufen am 21.01.2017).