Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

Sie sehen den Datensatz 632 von insgesamt 1338.

Papst Benedikt VII. bestätigt und verkündet den Beschluß der Lateransynode (n. 598) über die Aufhebung des Bistums Merseburg (episcopalem titulum, qui Mersiburch fuerat, convellere et annullare), der gemäß einer Konzilsrelation über die durch Kaiser Otto (I.) ohne Konsens des Bischofs Hildeward von Halberstadt (n. 449) erfolgte Gründung des unkanonisch dem Erzbistum Magdeburg unterstellten Bistums Merseburg (quę sita est in diocesi Alberstatensis ęcclesię) zur Beendigung des Streites zwischen den Bischöfen von Halberstadt und Merseburg gefaßt wurde. Demnach sollen die früher von Halberstadt abgetretenen Gebiete (n. 446) restituiert werden, da diese Kirche (quę beati Stephani protomartiris constructa titulum tenet) durch die Abtretungen an Magdeburg und Merseburg seinerzeit in einem ihren Aufgaben widersprechenden Maße geschwächt wurde. Die jenseits der Saale (ultra Salam fluvium) liegende Merseburger Diözese wird dagegen auf die Bistümer Zeitz und Meißen aufgeteilt (inter Citicensem et Misnensem episcopos, quos Magdaburgensis ęcclesię suffraganeos esse constat, ... dividatur). Weiters verkündet der Papst die mit Konzilskonsens und gemäß einer Magdbeburger Wahl erfolgte Beförderung des rechtmäßigen Bischofs Giselher von Merseburg zum Erzbischof von Magdeburg und die Verleihung des Pallium an ihn (Giselharium ... Magdaburgensi ęcclesię sanctę archipresulem prefici pallioque donari decernimus). Zur Rechtfertigung aller dieser Maßnahmen wird an historische Beispiele erinnert. Auf Grund brieflicher Bitten Hildewards bestätigt der Papst zur Beendigung des früheren Streites zwischen Erzbischof Adalbert (von Magdeburg) und Hildeward die von Papst Johannes (XIII.) festgelegten (n. 449) Grenzen beider Diözesen, befiehlt die Gründung eines Klosters zu Ehren des Märtyrers Laurentius in Merseburg und ordnet an, daß das mit den Unterschriften der am Konzil anwesenden Bischöfe versehene Synodaldekret, das den Erzbischöfen von Mainz, Trier, Köln und Hamburg (episcopo Moguntino, Treuerensi, Coloniensi, Adaldago) übersandt wird, in Gegenwart päpstlicher Legaten von den zu Synoden versammelten Bischöfen Galliens und Germaniens unterschriftlich bestätigt wird. ‒ Quia nostri ministerii iugis ... A. Deo propicio pont. dom. Benedicti summi pont. et univ. pp. VII. in ss. sede b. Petri apost. VII., imp. autem dom. Ottonis II. gloriosissimi et invictissimi Rom. imp. aug. XIV., ind. X., die men. Sep. X.

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 1) Ende 11. Jh., Magdeburg StArch.: Rep. Cop. Nr. 1 a fol. 13. 2) 15. Jh., Magdeburg StArch.: Rep. Cop. Nr. 6 fol. 319v. Drucke: Boysen, Magazin I 197; Dreyhaupt, Saalkreis 121; Leibniz, Ann. imp. III 417; Gersdorf, UB. Meißen I 14; Posse, UB. Meißen-Thüringen I 264; Schmidt, UB. Halberstadt I 31; Kehr, UB. Merseburg I 19; Israel-Möllenberg, UB. Magdeburg 131; Zimmermann, PUU. 526 n. 269. Reg.: Mülverstedt, Reg. I 147 n. 337; JL. I p. 482; Rosenfeld, UB. Naumburg 6 n. 8; GP. IV/4, 80 n. 81 u. VI 49 n. 59 a u. VII/1, 50 n. 119 u. X/1, 50 n. 77. Lit.: vgl. n. 598.

Kommentar

Das Synodaldekret beginnt mit einer Verbalinvokation, worauf die zitierte Datierung folgt. Unterschriften erscheinen in den erhaltenen Kopien nicht. Man weiß auch nicht, ob die Entsendung des Papstlegaten und die Versammlung deutscher Synoden tatsächlich erfolgt ist; vgl. dazu Engelmann, Legaten 99 f. Als Rechtfertigung der Synodalbeschlüsse diente der Hinweis auf Papst Gregor (IV.) bezüglich der Aufhebung bzw. Translation eines Bistums (vgl. n. 600) sowie auf ps. Anterus (JK. † 90) bezüglich der Transferierung von Bischöfen. Abgesehen von den hier genannten historischen Beispielen wird wohl auf Grund von ps. Pelagius (JK. † 1049) an den Übergang des Gregor von Nazianz nach Konstantinopel und an den des Evangelisten Markus von Alexandrien nach Aquileja erinnert; vgl. dazu Zimmermann, Rechtstradition 133 f. u. Fuhrmann, Pseudoisidor 321 f.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 599, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0981-09-10_2_0_2_5_0_632_599
(Abgerufen am 31.03.2017).