Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

Sie sehen den Datensatz 631 von insgesamt 1338.

Unter dem Vorsitz des Papstes Benedikt VII. berät eine von römischen Suffraganbischöfen und Klerikern besuchte, am ersten Tag in der Lateranbasilika, am zweiten im Petersdom tagende Synode über kirchliche Angelegenheiten. (1) Nach Berichterstattung über die unkanonische Gründung des Bistums Merseburg und die dadurch erfolgte Schwächung des Bistums Halberstadt sowie in Anbetracht der schon oft vorgebrachten Klagen des Bischofs Hildeward von Halberstadt über das seiner Kirche durch die Wegnahme eines Diözesanteiles zugefügte Unrecht beschließt die Synode zur Beendigung der Streitigkeiten die Aufhebung des Bistums Merseburg, die Aufteilung der Diözese auf die Bistümer Halberstadt, Zeitz und Meißen und die Gründung eines Benediktinerklosters in Merseburg. Der Synode wird ein Brief des Bischofs Hildeward von Halberstadt verlesen, der mit Hinweis auf seine früheren Streitigkeiten mit Erzbischof Adalbert von Magdeburg die Feststellung der Diözesangrenzen zwischen Halberstadt und Magdeburg erbittet, was der Papst gemäß dem Vorbild des Papstes Johannes (XIII.) (n. 449) durchführt. Eine vor der Synode erschienene Magdeburger Gesandtschaft ersucht um Bestellung des von ihnen zum Erzbischof erwählten Bischofs Giselher von Merseburg. (2) Der Papst stellt darauf der Synode die Frage, ob der nun nach der Aufhebung seines Bistums funktionslose Giselher zum Magdeburger Metropoliten erhoben werden könne, was mit Hinweis auf historische Beispiele und kanonische Vorschriften bejaht wird, worauf der Papst die Ernennung ausspricht und Giselher das Pallium verleiht. Über die Konzilsbeschlüsse wird ein Dekret (n. 599) ausgefertigt, das die anwesenden Bischöfe unterzeichnen. (3) Während der Verhandlungen entdeckt ein Kleriker den in der Kirche betenden armenischen Mönch Simeon, zeigt ihn der Synode an und hetzt das Volk zur Tötung des Kirchenfrevlers auf. In der durch den Tumult gestörten Synode erbittet aber ein zufällig anwesender Bischof aus dem Orient vom Papste die Erlaubnis, zuerst mit dem Fremdling sprechen zu dürfen. Der Papst erlaubt dies und beruhigt das Volk. Der die armenische Sprache beherrschende Bischof kann bald darauf dem Papste mitteilen, wer der Fremde sei und daß er sich durch Ablegung des nizänischen Glaubensbekenntnisses als rechtgläubig ausgewiesen habe. Nachdem der vom bösen Geist befallene Kleriker durch Simeon geheilt und absolviert wurde, danken der Papst und die Synodalen Gott, daß auf so wunderbare Weise die Orthodoxie Simeons klargestellt werden konnte, und der Papst weist diesem eine Wohnung im Lateranpalast zu. (4) Am folgenden Tag bestätigt die in den Petersdom verlegte Synode die gefaßten Beschlüsse, Giselher wird vom Papst zum Magdeburger Erzbischof ordiniert und erhält ein auch von den suburbikarischen Bischöfen unterfertigtes Papstprivileg (n. 600).

Überlieferung/Literatur

Erw.: 1) n. 599 u. n. 600. 2) Thietmar v. Merseburg, Chr. III 14 (MGSS. N. S. IX 114); Chr. ep. Merseburgensis (MGSS. X 168); Gesta archiep. Magdeburgensium 13 (MGSS. XIV 387 f.); Ann. Saxo 981 (MGSS. VI 628). 3) Vita s. Simeonis 5 (Golinelli 757 ff.). 4) n. 600. Reg.: JL. I p. 482; Boye, QuKat. 62; Böhmer-Mikoletzky n. 856 b. Lit.: Hefele-Leclercq, Hist. des conc. IV 836; Tangl, Teilnehmer 116; Boye, Synoden 263; Holtzmann, Kaiserzeit 278; Zimmermann, Dunkle Jh. 216 ff.; Claude, Gesch. Magdeburg I 101 f. u. 139 ff., 146 ff.; Wolter, Synoden 123 ff.; Scholz, Transmigration 177 ff.

Kommentar

Der Zeitpunkt der Synode ergibt sich aus dem im Synodaldekret (n. 599) wiedergegebenen Datum. Auch laut Thietmar hat Giselher die Erfüllung seiner dem Papst vorher vorgetragenen Wünsche (n. 597) IV. id. Sep. erreicht. Als Tagungsort nennt das Dekret die basilica Salvatoris nostri, quę Constantiniana vocatur; vgl. ähnlich auch n. 600, wo auch die Verlegung erwähnt wird (His ita actis in ęcclesia beati Petri sinodus habenda in crastinum translata est, in qua hęc omnia iterum conprobata sunt). Über die Teilnehmer vgl. im Dekret die Formulierung persuadentibus Romanę ęcclesię suffraganeis episcopis, presbyteris, diaconibus omnique Romanę civitatis ordine sowie ebendort und in n. 600 ähnliche Angaben. Mit Namen wird außer Giselher niemand genannt. Weder in n. 599 noch in n. 600 finden sich in den überlieferten Handschriften die angekündigten Unterschriften. Über das allgemeine Synodalprogramm vgl. n. 600 (sanctę Dei ęcclesię utilia) und n. 599 (quicquid illicitum Deoque contrarium exortum sit canonico iudicio recisuri). Hauptverhandlungsgegenstand ist sicher die Aufhebung des Bistums Merseburg gewesen; vgl. dazu Pflugk-Harrtung in Forsch. z. dt. Gesch. 25/1885, 164 ff., Uhlirz, Gesch. Magdeburg 85 ff. u. 161 ff., Kehr, Erzbistum Magdeburg 20 ff., Holtzmann, Aufhebung und Wiederherstellung 40 ff., Schlesinger, Kirchengesch. Sachsens I 62 ff. Vgl. weiters die Erwähnung in n. 846, wo die Aufhebung als sine concilio erfolgt bezeichnet wird. Die nur vom römischen Klerus besuchte Synode galt anscheinend nicht als vollgültig. Auch Thietmar spricht von ihr nur spöttisch als einem concilium generale. Über Hildewards Stellungnahme vgl. die in n. 446 genannten Regesten. Man muß danach annehmen, daß Hildeward seinerzeit wohl an Merseburg Ländereien abgetreten hat, aber nicht mit der Errichtung einer eigenen Diözese einverstanden war. Seinen Intentionen entsprach vielmehr nur die Gründung eines Stiftes oder Klosters in Merseburg, doch wurde 983 das Merseburger Laurentiuskloster nicht Halberstadt, sondern Magdeburg unterstellt (v. n. 616). Daß Hildeward sich schon früher über Merseburg beschwert hatte (ut semper sit questus), überliefert Thietmar. Laut dem Synodaldekret (n. 599) berichtete Hildeward brieflich der Synode, daß die Streitigkeiten zwischen ihm und Adalbert pene usque ad homicidia geführt hätten. Der Brief ist nicht erhalten. Über die Wahl Giselhers vgl. n. 599: filiis ipsius ęcclesię nostris aspectibus assistentes viva voce et filium ipsius ęcclesię et se nimirum elegisse eum professi sunt, sowie in n. 600: Deinde filii Magdaburgensis ęcclesię sancti conventus coronam ingressi Giselherum episcopum ..., quem ipsi pastorem elegerint, sibi suęque ęcclesię presulem prefici nostrę apostolicę dignitatis culmen appelarunt. In Wirklichkeit war in Magdeburg der Leiter der Domschule Ohtrich gewählt und die deswegen an den Kaiserhof nach Italien geschickten Magdeburger Gesandten erst hier von Giselher für sich gewonnen worden. Über die kanonistische Rechtfertigung der Aufhebung Merseburgs und der Translation Giselhers vgl. n. 599 und n. 600 sowie Zimmermann, Rechtstradition 133 f. und Hehl, Merseburg 102 ff. Die Weihe Giselhers durch den Papst fand laut n. 600 am zweiten Konzilstag statt, der sich als Sonntag dazu besonders eignete. Daß die Ausstellung des Papstprivilegs für Giselher n. 600 ebenfalls noch an diesem zweiten Konzilstag erfolgte, läßt sich aus der Erwähnung der Unterzeichnung durch die noch auf der Synode anwesenden suburbikarischen Bischöfe erschließen. Zur Datierung vgl. auch Israel-Möllenberg, UB. Magdeburg 136. Über Simeon vgl. Schreiber in Arch. f. Kulturgesch. 32/1944, 101, Hamilton in Orientalia Christ. Periodica 27/1961, 13. Simeons Vita erzählt ausdrücklich, daß sein Auftreten in Rom während einer Lateransynode erfolgte: ... ad oratorium s. Johannis baptiste Lateranensis ecclesiae applicuit, ubi sanctae Romanae ecclesia pontificem, Benedictum nomine, cum multis religiosis episcopis, orthodoxis viris, in congregata synodo residere invenit. Daß nur Benedikt VII. gemeint sein kann, ergibt sich aus dem weiteren Bericht der Vita. Ob die Ereignisse aber der Septembersynode 981 zuzuordnen sind, ist unsicher. Es käme auch n. 584 in Frage, doch erwähnt die Vita nirgends die Anwesenheit des Kaisers in Rom. Vielleicht veranlaßte auch der durch Simeons Erscheinen laut der Vita am Konzilsort entstandene Tumult die Verlegung der Synode in den Petersdom. Wer der an der Synode teilnehmende Bischof aus dem Osten (ab Armeniae finibus) war, der Simeon eines Glaubensexamens unterzog, ist unbekannt. Vielleicht ist Sergius von Damaskus (vgl. n. 560) gemeint. Die Vita Simeons ist sicher legendär ausgeschmückt, doch ist der Aufenthalt Simeons in Rom nicht zu bezweifeln. Vgl. auch P. Halfter. Das Papsttum und die Armenier (1996) 110 ff.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 598, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0981-09-10_1_0_2_5_0_631_598
(Abgerufen am 29.05.2017).