Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

Sie sehen den Datensatz 604 von insgesamt 1338.

Erzbischof Seguin von Sens gewährt auf Rat und mit Willen des Papstes dem Kloster Saint-Pierre-le-Vif in Sens ein Privileg, worin diesem genannte Kirchen verliehen werden und den Äbten der Primat innerhalb der ganzen Kirchenprovinz zugesprochen wird.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Odorannus v. Sens, Chr. (Bautier-Gilles 98); Clarius v. Sens, Chr. (Bautier-Gilles 90); Gaufrid v. Courlon, Chr. (Julliot 366). Reg.: L. M. Duru, Bibl. hist. de l'Yonne 2/1863, 286. Lit: H. Bouvier, Histoire de l'abbaye de St-Pierre-le-Vif (Bulletin de la société des sciences de l'Yonne 45/1891, 74 f.); Bouvier, Hist. de Sens I 336.

Kommentar

Die Berichterstattung der genannten Chr. beruht offensichtlich auf Irrtum. Die Verleihung soll una cum consensu et voluntate papae Romani et coepiscoporum erfolgt sein. Gaufried kennt auch den Namen des angeblich zustimmenden Papstes: consentiente domino papa Johanne XVI. Im Arch. départ. Auxerre wird eine aus dem 17. Jh. stammende Kopie des dem Kloster vom Erzbischof verliehenen Privilegs (H 250) aufbewahrt, doch weiß diese nichts von einer Intervention des Papstes und berichtet auch nichts von einer Verleihung bes. Vorrechte an die Äbte. Sie erzählt vielmehr nur von einer Provinzialsynode, die Erzbischof Seguin a. ab incarn. Christi DCCCCLXXX., ind. VIII. in Sens abgehalten haben soll. Diese Datierung kann unmöglich mit der Zustimmung eines Johannespapstes in Einklang gebracht werden. Zu 980 stimmt auch nicht, daß die Urkunde im 5. Jahr König Hugos von Frankreich datiert worden sein soll (Dat. a. V. reg. Hugone rege, men. Mar.). Das Privileg muß nach all dem als Falsifikat beurteilt werden (vgl. den jüngsten Druck bei Bautier-Gilles, Chr. de Clarius 252 ff., wo mit Umdatierung auf 992 die Urkunde als echt beurteilt wird) (vgl. n. 702a). Aber auch der Bericht der zitierten Chr. scheint auf keiner echten Tradition zu beruhen. Auffällig ist vor allem die Verleihung des Primates an die Äbte. Die Erwähnung der Zustimmung der Provinzialbischöfe erinnert an die angebliche Synode von 980. Vgl. Schröder, Synoden 358 ff.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †573, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0980-00-00_1_0_2_5_0_604_F573
(Abgerufen am 24.05.2017).