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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Bischof Pilgrim von (Passau-)Lorch (sanctę Lauriacensis ęcclesię) berichtet dem Papst Benedikt (VI.), daß ihn bisher die gemäß dem Beispiel der Angelsachsenmission (Papst Gregors I.) durchgeführte Christianisierung Ungarns daran gehindert habe, nach Rom zu kommen; ersucht mit Hinweis auf Missionserfolge und ungarische Bitten um die Erlaubnis, für das Missionsgebiet Bischöfe ordinieren zu dürfen, da die Bekehrung des ganzen ungarischen Volkes und der benachbarte Slawen (cuncta Ungrorum natio ... alię Slauorum provintię) zu erwarten sei, eine so große Diözese aber von ihm allein nicht betreut werden könne und außerdem der Lorcher Kirche ohnedies in der Römer- und Gepidenzeit sieben Bischöfe in Ostpannonien und Mösien (orientalis Pannonia et Mesia) unterstellt waren, von denen bis zum Ungarneinfall in Bayern noch vier in Mähren (in Maravia) residierten; erbittet die Übersendung des erzbischöflichen Pallium, das auch frühere Lorcher Metropoliten aus Rom empfangen hätten, durch die eigenen Boten sowie die Bestätigung der durch diese überbrachten Lorcher Privilegien, und teilt zum Beweis für die eigene Orthodoxie ein Glaubensbekenntnis mit.

Überlieferung/Literatur

Drucke: Lehr, Pilgrim von Passau 43; Marsina, Cod. dipl. Slovaciae I 41. Reg.: GP. I 165 n. 18; Gombos, Cat. III n. 4263; Wagner, UB. Burgenland I 13 n. 23; Magnae Moravia fontes III 246 n. 113; Boshof, Reg. von Passau 65 n. f 229. Lit.: Dümmler, Piligrim von Passau 38 ff., Holtzmann, Kaiserzeit 266; Heuwieser, Gesch. Passau I 63 ff.; Pelsõczi, Beziehungen 20; Wagner, Urkundenfälschungen 7; Fichtenau, Urkundenfälschungen Pilgrims 90.

Kommentar

Über die handschriftliche und gedruckte Überlieferung des Briefes vgl. GP. I 165 n. 18. Das Schreiben wurde angeblich durch n. 514 beantwortet, so daß für die Datierung der Pontifikat Benedikts VI. maßgebend ist. Als Falsifikat muß das Schreiben wegen seines Inhalts bezeichnet werden, der auf der Tradition von der Existenz eines spätantiken, später nach Passau verlegten Erzbistums in Lorch beruht; vgl. darüber auch n. 120 und die dort angegebene Lit. Außerdem ist es fraglich, ob der Brief überhaupt jemals nach Rom abgeschickt wurde. Zur Anspielung auf die Angelsachsenmission vgl. Beda, Hist. eccl. gentis Anglorum I 27/6 (ed. C. Plummer, 1896, I 52) und Zimmermann, Rechtstradition 132 f., zu den angeblichen Suffraganbistümern Lorchs vgl. Wagner, Urkundenfälschungen 6 f., über die älteren Lorcher Privilegien vgl. außer n. 120, n. 146 und n. 217 auch GP. I 159 n. † 1 u. 162 n. † 10.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †513, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0973-05-00_2_0_2_5_0_543_F513
(Abgerufen am 17.01.2017).