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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Johannes (XIII.) gibt allgemein bekannt, daß Bischof Gerard von Autun (Girardus Augustudunensis civitatis praesul) im Dienste des Königs (Lothar von Frankreich) und aus Verehrung zum Apostel Petrus nach Rom gekommen sei, dem Papste über die Beraubung der Besitzungen seiner Kirche geklagt und um Exkommunikation der Räuber gebeten habe. Dieser Bitte entsprechend, teilt der Papst die vom Erzbischof Benedikt eigenhändig (manu propria Benedicti archiepiscopi nostri) verfaßte Exkommunikationsformel gegen alle jene mit, die ohne Zustimmung des Bischofs Gerard Güter der Abtei St-Symphorien (D. Autun) in der Provence oder Besitzungen (der Kathedralkirche) St-Nazaire (in Autun) (in patria, quae dicitur Prouincia, ... terram s. Symphoriani aut aliquid ex terra sancti Nazarii) an sich gerissen haben. ‒ Ego in Dei nomine ... notum volo fieri ...

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 1721, Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 18354 fol. 24v. Drucke: Labbe-Cossart, Conc. IX 642; Bouquet, Recueil IX 235; Migne, PL. 135, 987; Manteyer, Chartes 61; Déléage, Recueil 28; Zimmermann, PUU. 420 n. † 214. Reg.: J. 2877; JL. 3755. Lit.: Gall. Christ. IV 374; Dinet, St-Symphorien II 219 f.; Labande, Étude sur St-Symphorien 179 ff.; Berr, Gewalttaten 98 f.; Déléage, Recueil p. LXXXIII.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Wiederhold, PUU. in Frankreich II 17. Im zitierten Chartular finden sich vor der Abschrift der Urkunde die Worte: Rescriptum Joannis papae XII. pro excommunicatione Isuardi et sociorum. Daraus ergibt sich die Zuweisung des Stückes zu dem seit langem (vgl. n. 252) währenden Streit zwischen St-Symphorien d'Autun und Isuard von Caumont um die Besitzungen des Klosters in Caumont in der Provence. In den Pontifikat Johannes' XII. kann die undatierte Urkunde freilich nicht gesetzt werden, da Bischof Gerard erst seit 968 regierte. Terminus ante quem ist dagegen die Vertragsurkunde vom 16. Juli 972 (Déléage 30), wodurch Isuard gegen Geldzahlung mit den strittigen Besitzungen belehnt wurde. Die Kopie der Papsturkunde ist zumindest in ihrer überlieferten Gestalt fehlerhaft. Daß sie durch einen Erzbischof niedergeschrieben wurde, erscheint kaum glaublich, gemeint ist wohl der zeitgenössische römische Notar. Das in Papsturkunden der damaligen Zeit übliche Formular tritt nirgends zutage. Schon das Protokoll mit Invokation (vgl. Santifaller, Invokation 79) und Intitulation in subjektiver Fassung (vgl. Breßlau in AUF. 6/1918, 29 f.) ist ungewöhnlich und auffällig. Eine Romreise Gerards pro regis etiam amore wird sonst nirgends erwähnt. Man wird daher das Papstschreiben als eine Fälschung ansehen müssen.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †491, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0972-00-00_2_0_2_5_0_519_F491
(Abgerufen am 26.05.2017).