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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Erzbischof Caesarius von Tarragona berichtet dem Papst Johannes (XIII.) (domno meo Johannes papa Romensis ego Caesarius indignus gracia Dei archipresul provincia Tarrachona, qui est fundata in Spania), daß er seinerzeit auf eigene Bitten durch eine Synode, die unter dem Vorsitz des Bischofs Sisnand (II. von Compostela) und des Metropoliten Ermengild von Lugo in Santiago (de Compostela) in Galicien stattfand und an der König Sancho (I. von León) sowie genannte Bischöfe teilnahmen, zum Erzbischof der Provinz Tarragona geweiht wurde und die Metropolitangewalt über die sechzehn Suffraganbistümer dieser Kirchenprovinz erhalten habe. Nach seiner Heimkehr vom Konzil hätten sich aber die Bischöfe Petrus von Barcelona, Arnulf von Gerona, Atto von Vich und Wisad von Urgel sowie der Erzbischof Aimerich von Narbonne dem Konzilsbeschluß widersetzt. Caesarius ersucht deshalb den Papst um Hilfe, damit seine vom Apostel Jakobus herrührende Würde unangefochten bleibe, beruft sich dabei auf die Tradition, daß jedem Apostel von Christus ein bestimmtes Land zur Mission zugewiesen worden sei und so Jakobus der Apostel Spanies wurde, bittet um Übersendung brieflicher Ratschläge durch den Presbyter Galindus (von Montserrat) und gibt dem Wunsche Ausdruck, selbst bald zum Papste kommen zu können. ‒ Sydereo fulgore veluti ...

Überlieferung/Literatur

Drucke: Abadal in La Paraula Cristiana 6/1927, 320 ff.; Martí Bonet in Anthologia-Annua 21/1974, 163 ff.; Junyent, Dipl.Vic 335. Reg.: Martí Bonet, Reg. 390 n. 15. Lit.: F. Fita, La reacción metropolitana de Tarragona y el concilio compostelano del año 959 (Boletín de la Academia de la hist., Madrid 38/1901, 213‒230); Kehr, Prinzipat 12; R. d'Abadal, El pseudoarquebisbe de Tarragona Cesari (La Paraula Cristiana 6/1927, 316‒345); Vincke, Staat und Kirche 348 f.; H. Hüffer, Die leonesischen Hegemoniebestrebungen und Kaisertitel (Span. Forsch. I 3/1931, 352 ff.); Griffe Hist. rel. de l'Aude 129 f.; A. M. Albareda, Historia de Montserrat (Montserrat 1946) 14; Menéndez-Pidal, Hist. de España VI 481 u. 515 f.: Abadal, Comtes catalans 280 f. u. 309 f.; Abadal, L'esperit de Cluny 37 f.; A. E. Mañaricua, El abad Cesáreo de Montserrat y sus pretensiones al arzobispado de Tarragona (Scriptorium Victoriense 12/1965, 30‒73); Engels, Schutzgedanke 129; Zimmermann, Dunkle Jh. 180 ff.; J. M. Martí Bonet, Las pretensiones metropolitanas de Cesáreo, abad de Santa Cecilia de Montserrat (Anthologia Annua 21/1974, 157‒182).

Kommentar

Zur handschriftlichen und gedruckten Überlieferung des Briefes vgl. Kehr, PUU. in Spanien I 132 und Abadal in Paraula 320 Anm. 23. Die Absendung des undatierten Schreibens läßt sich aus seinem Inhalt ermitteln. Über Bischof Arnulf von Gerona heißt es nämlich: quondam qui fuit sedis Jerundensis episcopus, und Arnulf starb am 17. Apr. 970. Dagegen wird Bischof Atto von Vich, der am 22. Aug. 971 ermordet wurde, noch als lebend erwähnt. Von der Erhebung Attos zum Erzbischof und von der Verlegung des Erzbistums Tarragona nach Vich durch Papst Johannes XIII. im Jan. 971 (vgl. n. 476) scheint Caesarius noch nichts zu wissen. Er wollte aber wohl mit seinem Brief diesen bereits geplanten Aktionen begegnen. Als der Papst im Jan. 971 auf Bitten des Markgrafen Borell I. von Barcelona die Neuordnung der katalonischen Kirche vornahm, wurden nirgends die Ansprüche des Caesarius erwähnt. Es kann vielleicht angenommen werden, daß damals dessen Schreiben noch nicht in Rom eingetroffen war. Wahrscheinlich wurde es also Ende 970 abgesandt, als sich Markgraf Borell und Bischof Atto bereits auf der Reise nach Rom befanden. Zur Datierung vgl. Fita 215 f. und Abadal, Cesari 324 ff. Der Absender des Briefes ist Abt Caesarius vom Cäcilienkloster am Montserrat, der sich seit 956 auch Erzbischof von Tarragona nannte. Seine Erhebung zum Metropoliten auf dem erwähnten Konzil von Compostela geschah wohl im Einvernehmen mit Borell, der jedoch den Abt später nicht mehr unterstützte, als sich Widerstände gegen ihn bemerkbar machten; vgl. Vincke 348 f. Da sich Caesarius trotz seiner Autorisation durch ein spanisches Konzil nicht hatte durchsetzen können, unternahm Borell nun den Versuch, mit Hilfe des Papstes durch Übertragung der Metropolitanwürde an Atto von Vich ein eigenes, von Narbonne unabhängiges katalonisches Erzbistum zu begründen, das Rechtsnachfolger des untergegangenen Erzbistums Tarragona sein sollte. Auch dieser Plan ist gescheitert. Zum Konzil von Compostela vgl. die zitierten Arbeiten von Fita und Abadal in Paraula 6/1927 sowie weiters H. J. Hüffer, Sant'Jago (1957) 29, H. J. Hüffer, Die spanische Jacobusverehrung (HJb. 74/1955, 125), H. J. Hüffer, La significación del culto de Santiago en España (Rev. de la Univ. de Buenos Aires V I/1956, 337), Schröder, Synoden 129. Zur Datierung des Konzils vgl. Fita 213 ff. und Abadal in Paraula 322 ff. Laut dem Brief des Caesarius wurde der Konzilsakt III. kal. Dec. aere DCCCCLXXVIII. vom König und den Synodalmitgliedern unterschrieben, doch ist das Ärenjahr hier sicher falsch berechnet. Fita datiert die Synode auf 959, Abadal mit größerer Wahrscheinlichkeit auf 955. Als Synodalmitglieder werden im Brief des Caesarius die Bischöfe Wiliolf von Túy, Rudesind von Mondoñedo, Gundissal von León, Adovarius von Astorga, Dominik von Zamora, Theudemund von Salamanca, Fredulf von Orense, Ornatus von Lamego und Didacus von Porto sowie ein Abt Adlactancius genannt, der wohl mit dem Abt von Eslonza zu identifizieren ist. Als Suffragane des vom Konzil wieder errichteten Erzbistums Tarragona nennt Caesarius Barcelona, Egara, Gerona, Ampurias, Vich, Urgel, Lerida, Jaca, Tortosa, Saragossa, Huesca, Pamplona, Oca, Calahorra und Tarazona. Als sechzehnte Diözese ist Tarragona selbst gedacht. Der Überbringer des Schreibens an den Papst war wohl der im Brief genannte Presbyter Galindus, ein Mönch des dem Caesarius unterstehenden Klosters Montserrat. Von einer päpstlichen Antwort ist nichts bekannt. Neuerdings hält Martí Bonet den Brief für eine Fälschung aus dem Anfang des 11. Jh.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 470, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0970-00-00_1_0_2_5_0_498_470
(Abgerufen am 17.10.2017).