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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Auf Weisung Kaiser Ottos (I.) wird dem Papst Johannes (XIII.) ein eben von Besessenheit befallener Graf des kaiserlichen Gefolges vorgefühlt, damit er ihn heile. Nach zwei vergeblichen Heilungsversuchen mit falschen Petersketten, welche die römischen Kleriker dem Papste gebracht hatten, um sich weiterhin am Toben des Besessenen belustigen zu können, glückt endlich die Heilung, als der über die Verspottung des Grafen und die Nichtachtung des Kaisers durch die Kleriker erzürnte Papst energisch befiehlt, dem Besessenen die echten Petersketten am Halse anzulegen. Der im Auftrag des Kaisers anwesende und über das Wunder erstaunte Bischof Dietrich (I.) von Metz reißt daraufhin die Kette an sich und will sie nicht mehr hergeben. Auf Fürsprache des über den nun ausbrechenden Tumult informierten Kaisers schenkt der Papst dem Bischof einen Teil der Kette.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Sigebert v. Gembloux, Vita Deoderici 16 (MGSS. IV 474 f.); Sigebert v. Gembloux, Chr. 969 (MGSS. VI 351). Reg.: Böhmer-Ottenthal n. 463 c. Lit.: Fichtenau, Reliquienwesen 85 f.; Duprè-Theseider, La grande rapina 428; Zimmermann, Dunkle Jh. 174 f.; Tüchle, Romfahrten 100.

Kommentar

Von Sigebert übernahmen in z. T. ausgestalteter Form auch andere Chronisten den Bericht über das Heilungswunder, so Frutolf-Ekkehard (MGSS. VI 190), Arm. Saxo (MGSS. VI 621), Helinand v. Froidmont (Migne, PL. 212, 907), Chr. s. Martini Turonensis (Martène-Durand, Coll. V 990), Hist. monasterii s. Laurentii Leodiensis (Martène-Durand, Coll. IV 1035 f.), Paulinus Minorita (Muratori, Antiquitates IV 956) und Chr. s. Bavonis Gandensis (Coll. belg. III/1, 527). Die von Sigebert erwähnte Translation der Reliquie nach dem Vinzenzkloster erfolgte erst 970 (vgl. n. 468), da sich einer sofortigen Überführung Schwierigkeiten entgegenstellten (MGSS. IV 475: interveniente causa alius negotii). Diese könnten in dem süditalischen Feldzug des Kaisers 969/70 bestanden haben. Da angenommen werden kann, daß Bischof Dietrich die wertvolle Reliquie nicht länger als unbedingt nötig in Rom gelassen hat, wird man das Heilungswunder eher mit Sigeberts Chr. ins Jahr 969 als mit Böhmer-Ottenthal in den Weihnachtsaufenthalt Ottos I. in Rom im Jahre 967 (n. 432 ff.) datieren, obgleich man für die Anwesenheit Dietrichs in Rom zu Weihnachten 967 Quellenzeugnisse besitzt (vgl. n. 434), während ein Aufenthalt Dietrichs in Rom im Mai 969 nur vermutet werden kann. Auf die Zeit der süditalischen Unternehmungen des Kaisers bzw. deren Vorbereitung mag auch die Bemerkung der Vita Deoderici (MGSS. IV 474) passen, daß Otto sich um den besessenen Grafen nicht persönlich kümmern konnte, da er civili cura ... tenebatur.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 461, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0969-05-00_1_0_2_5_0_487_461
(Abgerufen am 24.01.2017).