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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Eine päpstliche Gesandtschaft überbringt ein an Kaiser Nikephoros (II. Phokas) adressiertes Schreiben des Papstes Johannes (XIII.), worin jener als imperator Grecorum angesprochen wird, und soll den Kaiser dazu bewegen, mit dem imperator Romanorum Otto (I.) in freundschaftliche und verwandtschaftliche Beziehungen zu treten (ut parentelam firmamque amicitiam faceret).

Überlieferung/Literatur

Erw.: Liudprand v. Cremona, Relatio 47 (Becker, SS. rer. G. 41/1915, 200). Reg.: J. *2857; JL. *3727; Böhmer-Ottenthal n. 485 b. Lit.: Hergenröther, Photius III 751 ff.; Dümmler, Otto der Große 456 f.; Schlumberger, Nicéphore 649 ff.; Norden, Papsttum und Byzanz 42; Ohnsorge, Zweikaiserproblem 63; Lintzel, Schriften II 396; Ohnsorge, Konstantinopel 187; Zimmermann, Dunkle Jh. 170 f.

Kommentar

Die päpstliche Legation reiste dem mit demselben Auftrag von Kaiser Otto nach Byzanz entsandten Bischof Liudprand von Cremona nach und kam laut dessen Bericht in assumptione sanctae Dei genitricis et virginis Mariae (15. Aug.) in Konstantinopel an. Das Papstschreiben, dessen Inhalt nur aus dem Werk Liudprands bekannt ist und das dem Kaiser Nikephoros ins Feldlager nach Mesopotamien nachgeschickt wurde, erregte wegen der falschen Titulatur imperator Grecorum statt imperator Romanorum am byzantinischen Hofe große Entrüstung, und die Legaten wurden inhaftiert. Dem Bischof Liudprand wurden am 17. Sep. 968 durch den Patricius Christophoros bei der Übergabe eines Antwortschreibens an den Papst (n. 445) ernste Vorhaltungen gemacht und dabei die Vermutung geäußert, der Papst habe auf Anstiften Ottos den falschen Titel gewählt; vgl. dagegen Ohnsorge, Konstantinopel 220 ff. mit dem Hinweis auf die vom Papst vertretene römische Kaiseridee. Liudprand suchte den Papst mit dem Bemerken zu entschuldigen, die anstößige Adresse beruhe auf einem Versehen oder Mißverständnis. Er versprach auch für die Zukunft die Beachtung der offiziellen Titulatur. Vgl. zu den Ereignissen Liudprand, Relatio 49‒51 (Becker 201 ff.) und dazu M. Rentschler, Liudprand von Cremona (1980) 22 ff. Vermutlich hat außer der fehlerhaften Adresse auch die kirchenpolitische Aktivität des Papsttums in Süditalien (vgl. n. 393 u. n. 429) das Mißfallen der Byzantiner erregt; vgl. Kölmel, Kirchenstaat 51 f. und Ostrogorsky, Gesch. 233 f. Entgegen seinen Versprechungen fordert Liudprand in Relatio 52 (Becker 203) den Papst auf, dem Kaiser Nikephoros zwar nochmals mit Gebrauch des offiziellen Titels zu schreiben, ihn aber wegen seiner durch Meineid und Ehebruch erfolgten Herrschaftsübernahme vor ein päpstliches Konzil zu laden und im Falle des Nichterscheinens zu anathematisieren.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 444, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0968-08-15_1_0_2_5_0_470_444
(Abgerufen am 26.07.2017).