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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Eine Gesandtschaft des Klerus von Verona kommt nach Rom und erwirkt vom Papst (Johannes XIII.) durch Geld ein Mandat, worin dem Bischof Rather von Verona mitgeteilt wird, daß von nun an jeder Bischof, der sich in Besitzangelegenheiten seines Klerus einmische, für immer dem Banne verfallen sei (ut quivis abhinc episcoporum, si de clericorum se inframitteret rebus, perpetuo ... anathemate foret damnatus).

Überlieferung/Literatur

Erw.: Rather v. Verona, Epist. 30 (Weigle, MG. Briefe I 176). Reg.: J. *2856; Cipolla, Fonti 115 n. 102; JL. *3726; IP. VII/1, 222 n. *16 u. 232 n. *2. Lit.: Vogel, Ratherius von Verona I 392 ff.; Paschini, Le vicende politiche 427; Pavani, Un vescovo belga 160 f.; F. Weigle, Ratherius von Verona im Kampf um das Kirchengut (QuF. 28/1937-38, 16); Monticelli, Raterio 281 f.

Kommentar

Das Papstmandat, das Rather mit den Worten emptas quasi apostolicas ... litteras anathematis charakterisiert, ist verloren und nur aus dem zitierten „Liber apologeticus” Rathers bekannt, der darin auch nochmals (Weigle, MG. Briefe I 178) auf die ohne seine Genehmigung durchgeführte Romreise der Klerikergesandtschaft zu sprechen kommt. Das Mandat dürfte einen n. 509 ähnlichen Wortlaut gehabt haben. Kortüm, UrkSprache 194 ff. möchte sogar n. 509 für das von Rather erwähnte Papstmandat in Anspruch nehmen. Der Streit des Veroneser Klerus mit seinem Bischof ging um die selbständige Verwaltung des Kapitelgutes; vgl. darüber den zitierten Aufsatz von Weigle 9 ff. Vogel vermutet, daß auch andere oberitalische Bischöfe dem Beispiel Rathers, widerstrebende Kleriker durch Güterentzug der bischöflichen Jurisdiktion zu unterwerfen, gefolgt waren und das päpstliche Mandat auch diesen gegolten habe. Am 5. Nov. 967 hatte Rather ein Privileg Kaiser Ottos I. (Böhmer-Ottenthal n. 457) erhalten und Mitte Nov. 967 in seinem sogenannten „Judicatum” (vgl. Weigle in QuF. 29/1938 ‒ 39, 25 ff.) den niederen Domklerus von Verona nach Entzug von Gütern der Domkanoniker mit Besitzungen und Einkünften aus der Mensa episcopalis ausgestattet. Das war die Veranlassung zu Beschwerden der Domherren am Kaiserhof und in Rom. Rathers „Liber apologeticus” ist laut Weigle vor Ostern 968 verfaßt worden. Anfang 968 dürfte daher die Gesandtschaft der Domherren in Rom gewesen sein. Der nicht namentlich genannte Papst ist demnach mit Johannes XIII. zu identifizieren. Über angebliche weitere Verfügungen dieses Papstes zugunsten der Kanoniker von Verona vgl. n. 443.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 439, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0968-00-00_1_0_2_5_0_465_439
(Abgerufen am 22.01.2017).