Regestendatenbank - 182.315 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

Sie sehen den Datensatz 449 von insgesamt 1338.

Papst Johannes (XIII.) vermählt seinen Neffen Benedikt mit Theodoranda, der Tochter des Crescentius a Caballo marmoreo, und verleiht ihm unter anderem die Grafschaft Sabina (Johannes igitur papa, qui appellatus est maior, ingressus papaticum satis exaltavit quendam nepotem suum nomine Benedictum deditque ei Theodorandam uxorem satis nobilem, filiam Crescentii, qui vocatur a Caballo marmoreo, et comitatum Sabinensem dedit ei et plures alios).

Überlieferung/Literatur

Erw.: Hugo v. Farfa, Exceptio relationum (Balzani, FSI. 33/1903, 62) und Gregor v. Catino, Chr. (Balzani, FSI. 34/1903, 79). Reg.: IP. I 186 n. *2. Lit.: Bossi, Crescenzi 18 f.; Vehse, Sabina 138; Müller, Untersuchungen 17 ff.; Jordan, Lehnswesen 23 f.; Kölmel, Kirchenstaat 29; Gerstenberg, Studien 2 ff.; Zimmermann, Parteiungen 68 ff.; Zimmermann, Dunkle Jh. 158.

Kommentar

Der Bericht Hugos, den Gregor wörtlich übernimmt, stellt der Interpretation Schwierigkeiten und scheint nicht ganz genau zu sein. Nachdem noch Balzani und wohl ihm folgend Hartmann, Gesch. Italiens IV/1, 98 den handelnden Papst mit Johannes XV. identifiziert hatte, wurde bewiesen, daß Benedikt bereits zur Zeit Johannes' XIV. Graf der Sabina war. Da dieser Papst als Verleiher der Grafschaft aber nicht in Frage kommt, muß mit Johannes maior Johannes XIII. gemeint sein; vgl. dazu auch Cecchelli in Arch. stor. Rom. 58/1935, 72 ff. Für Johannes XV. spräche dessen anderweitig bezeugter Nepotismus (vgl. n. 645). für Johannes XIII. der Widerstand, den seine ersten Regierungshandlungen in Rom auslösten (vgl. n. 391). Zu Beginn der Regierung Johannes' XIII. kann die Verleihung der Sabina an Benedikt freilich nicht stattgefunden haben, da laut einer in der Datierung allerdings z. T. fehlerhaften Farfenser Urkunde (vgl. Giorgi-Balzani, II regesto di Farfa III 118) im Apr. 967 hier noch ein Graf Crescentius als Rektor erscheint; vgl. dazu Müller 17 und Kölmel 154. Vermutlich erfolgte die Verleihung erst nach der Restitution des Papstes (n. 396), um den römischen Adel zu gewinnen und des Papstes Herrschaft zu stärken, so daß die Worte ingressus papaticum dahingehend zu interpretieren sind. Crescentius wurde wahrscheinlich mit Terracina abgefunden (n. 425). Die Gleichzeitigkeit der Hochzeit und der Belehnung kann zwar nicht eindeutig aus dem Bericht Hugos erschlossen, aber doch angenommen werden. Daß Benedikt der Neffe Johannes' XIII. war, wird zuletzt von Gerstenberg negiert, eine nicht näher zu bestimmende Verwandtschaft aber gleichwohl behauptet. Laut Gerstenberg 4, der sich auf Petrus diac. (MGSS. XXXIV 175) beruft, war Benedikt der Neffe des späteren Papstes Benedikt VII., was Hugo verwechselt haben könnte. Seine Mutter ist die Senatrix Stephania, der 970 Palestrina verliehen wurde (vgl. n. 471), eine Schwester Benedikts VII. Graf Benedikts wohl gleichnamiger Vater erscheint aber als Gemahl der Stephania und könnte der Bruder Johannes' XIII. gewesen sein; vgl. dazu Zimmermann, Parteiungen 69. Die Verleihung von Palestrina an Stephania im Jahre 970, die auch für deren Nachkommen galt, ist sicher nach der Verleihung der Sabina an Benedikt erfolgt. Dieser erscheint später auch als Herr von Palestrina.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 424, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0967-05-00_3_0_2_5_0_449_424
(Abgerufen am 21.02.2018).