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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Johannes (XIII.) gibt allen Gläubigen bekannt, daß der 〈kürzlich (n. 407) von ihm geweihte〉 Bischof Martin (II.) von Ferrara während des neulich gemeinsam mit Kaiser Otto (I.) veranstalteten Placitum (n. 412), um Bestätigung der seiner Kirche 〈unter den Bischöfen Marinus, Johannes (II.) und Andreas (II.) während der Regierung der Kaiser Konstantin (IV.) und Karl (I.) durch die Päpste Vitalian, Hadrian (I.) und Leo (III.)〉 verliehenen Papstprivilegien gebeten habe und mit Konsens aller Anwesenden nach Verlesung dieser Urkunden durch den Richter Ursus von Ferrara wunschgemäß der bischöflichen Kirche von Ferrara (in prefata sancta Ferrariensi ecclesia beati Georgii) die Massa Ferrara und zwölf Güter (massam videlicet Babiloniam illam, que vocatur Ferraria, in qua ipsa sancta ecclesia beati Georgii sita et consecrata est, cum duodecim fundis suis) sowie elf weitere genannte Besitzungen samt deren Pertinenzen im Gebiet von Ferrara (infra nostrum ducatum et comitatum Ferrariensem) bestätigt, dem Bischof aber die Weiherechte über alle Kleriker und Kirchen seiner Diözese übertragen wurden, 〈die samt dem Recht der Wahl, Weihe und Investitur des Bischofs der alleinigen päpstlichen Jurisdiktion unterstellt wird (ut sit semper sub nostra electione, ordinacione, investicione et consecracione et discrictu)〉. ‒ Omnibus Dei et sanctae ecclesiae fidelibus denuntiantes mandamus ...

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 1) um 1500, Modena Arch. di stato: Bibl.-Ms., Cod. 130 fol. 25v 2) 17. Jh., Modena Arch. di stato: ASE. giur. eccl., vesc. di Ferrara, doc. fol. 23 (zu 962). Erw.: Urk. Innozenz' II. v. 1139 u. Cölestins II v. 1144 (IP. V 213 n. 22 u. 24). Drucke: Mansi, Coll. suppl. III 1378; Mansi. Coll. XIX 1; Migne, PL. 135, 956; Balboni, Pieve e masse ferraresi 455; Zimmermann, PUU. 344 n. 176. Reg.: J. 2850; JL. 3718; Böhmer-Ottenthal n. 444; IP. V. 208 n. 5; Boye, QuKat. 57; Santifaller, LD. 315; Balboni, Pieve e masse ferraresi 437. Lit.: Dümmler, Otto der Große 416; Hirschfeld, Gerichtswesen 534; Uhlirz, Restitution 7; Vehse, Ferrareser Fälschungen 50 ff.; D. Balboni, Pieve e masse ferraresi nei secoli X‒XII (Ravennatensia 3, Cesena 1972, 425‒462).

Kommentar

Zur weiteren Überlieferung vgl. IP. V 208 n. 5 und Zimmermann, PUU. 344. Außer in den beiden zitierten Papsturkunden wird das Privileg auch in dem Falsifikat Lucius' II. v. 1144 (IP. V 214 n. † 26) erwähnt und erscheint als Interpolation in einer Urkunde Paschalis' II. v. 1105 (IP. V 210 n. 11). Die zitierten Vorurkunden sind Fälschungen (IP. V 206 n. † 1, 207 n. † 2 u. 208 n. † *3), die Berufung auf sie dürfte eine Interpolation in den echten Urkundentext sein. Auch den Passus über die Romunmittelbarkeit, der außer in n. 415 u. n. 591 erst wieder 1105 im Privileg Paschalis' II. auftaucht, beurteilt Vehse als Verfälschung aus dem Anfang des 12. Jh. Über Bischof Martin von Ferrara vgl. n. 407. Als Besitzungen von Ferrara werden die Massae Pullariolum, Constantiacus, Quartisiana, Donoro, Petriculi, Popularis, Curuli, Selecta, Senetica, Castellionis und Firminiana genannt. Als Teilnehmer der Gerichtsversammlung (vgl. dazu auch n. 416, woraus sich auch für n. 415 Ausstellungsort und Datierung ergibt; vgl. n. 412), die auch die Urkunde unterfertigten, erscheinen die Bischöfe Marinus von Sutri, Wido von Sarsina und Johannes von Imola, der römische Protoskrinar und Apokrisiar Azzo (vgl. Vehse 65 f. und Zimmermann, Parteiungen 75 f.), der römische Dux Johannes Gambaruto und der Nomenculator Stephan sowie eine größere Anzahl von Klerikern, Laien und Notaren, vor allem aus Ravenna und Ferrara. Daß nur ein Teil der Anwesenden die Urkunde unterschrieben hat, wird am Schlusse vermerkt.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 415, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0967-04-00_1_0_2_5_0_440_415
(Abgerufen am 19.10.2018).