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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Im Zuge der ersten Organisation der christlichen Kirche in Polen setzt der Papst (Johannes XIII.) den Gallier Willibald als ersten Erzbischof von Gnesen ein, ernennt auf Bitte des Polenfürsten (Mieszko I.) den edlen Römer Prohor zum ersten Erzbischof von Krakau und den Römer Gottfried zum Bischof von Schmograu(-Breslau), läßt letzteren in Rom ordinieren, bestimmt auf Bitte der Polen den aus der Familie Orsini stammenden Jordan zum Bischof von Posen, erteilt diesem selbst die Weihe und schenkt ihm das Schwert des Apostels Petrus.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Cat. II. archiep. Gnesnensium (MPH. III 405); Długosz, Cat. (Opera I 343, 443, 482; MPH. N. S. X/2, 135 f.). Reg.:Lit.: Kętrzyński, Biskupstwa 612 ff.; Abraham, Organizacya 14 ff.; Abraham, Początec biskupstwa 177 ff.; Parczewski, Prohor i Prokulf 134 ff.; Gumplowicz, Początki biskupstwa krakowskiego 144 ff.; Völker, Kirchengesch. Polens 7 ff.; B. Stasiewski. Die ersten Spuren des Christentums in Polen (Zs. f. osteurop. Gesch., N. F. 4/1934, 258 ff.); Schmid, Grundlagen 171 ff.; Buczek, Pierwsze biskupstwa polskie 191 ff.; Widajewicz, Prohor i Prokulf 17 ff.; Dvornik, Making 72 ff. u. 250 ff.; J. Widajewicz, Pierwsze biskupstwa w Polsce (Polonia sacra 5/1952, 131‒152); Poklewski, Prohorius et Proculphus 173 ff., E. Potkowski, Fiktive Biographien in den Katalogen polnischer Bischöfe des Jan Długosz (MG. Schriften 33/I, 1988, 395‒416).

Kommentar

Die Angaben der zitierten Quellen sind legendär und auch chronologisch falsch. Długosz (vgl. über ihn Schulte, Dlugossiana 126 ff.) schreibt die Ernennungen dem Papst Stephan VII. zu, datiert aber ins Jahr 966 (MPH. N. S. X/2, 135 f.). Um die Bestellung Prohors von Krakau soll Boleslaw I. von Polen, um die Gottfrieds Mieszko I. gemeinsam mit Boleslaw I. ersucht haben. Laut einem Gnesener Katalog (MPH. III 391) und laut dem Krakauer Katalog des Długosz (MPH. N. S. X/2, 136) hat sogar schon Papst Johannes VIII. den ersten Erzbischof von Gnesen eingesetzt; vgl. aber zur tatsächlichen Gründung des Erzbistums n. 902. Den Namen Willibald (Vilibalmus, Vilibaldus bzw. Wilibalinus) erklärt Liske in MPH. III 382 als entstellte Übernahme des Namens Wilhelm aus einem Mainzer Katalog; vgl. auch Perlbach in NA. 24/1899, 269. Parczewski sah in den durch die ältesten Krakauer Kataloge im 13. Jh. erwähnten Bischöfen Prohor und Prokulf von Krakau Bischöfe von Auch, die irrig übernommen wurden; Poklewski verweist auf Namensähnlichkeiten mit Bischöfen von Chalon-sur-Saône, während Widajewicz in Prohor und Prokulf griechische Mitarbeiter des Slawenapostels Methodios sehen wollte, deren Wirksamkeit demnach in den Anfang des 10. Jh. fiele; vgl. auch Dvornik 251 und Ratkoš in Studia hist. Slovaca 3/1965, 20. Von einer päpstlichen Ernennung ist in den ältesten Krakauer Katalogen keine Rede, ob in Krakau schon vor 1000 Bischöfe amtierten, ist strittig, keinesfalls aber war Krakau Erzbistum, wie Długosz behauptet. Über die Gründung des Bistums Breslau, dessen Sitz laut Długosz zuerst Schmograu (Smogorzoviensis ecclesia) gewesen sein soll, vgl. Brzoska in: 950 Jahre Bistum Breslau (1951) 28. Einzig sicher eine historische Persönlichkeit ist Bischof Jordan, der wohl nach der Taufe Mieszkos I. als Missionsbischof nach Polen kam; vgl. dazu auch Jedlicki in RH. de droit français IV/12 (1933) 664; Sappok, Anfänge des Bistums Posen 71 ff.; Brackmann, Aufsätze 166 und K. Maleczyński, W sprawie założenia biskupstwa poznańskiego (Sprawozdania wrocławskiego towarzystwa naukowego 4/1949, 123 ff.). Grundlage der Tradition über die Bistumsgründungen in Polen ist demnach die Bekehrung Mieszkos um 966. S. Kętrzyński. W sprawie pierwszych biskupstwa polskich (Przegląd historyczny 39/1949, 57 ff.) vermutet, daß schon im 10. Jh. mehrere Missionsbischöfe in Polen ohne festen Sitz wirkten. T. Manteuffel, L'État de Mesco Ier et les relations internationales au Xe siècle (RH. 228/1962, 7), daß die vom Chr. hungarico polonicum 5 (SS. rer. Hung. II 307) im Zusammenhang mit n. 942 berichtete Gesandtschaft Mieszkos zu Papst Leo (VIII.) insofern richtig sein könnte, als Mieszko wohl bald nach seiner Konversion mit Rom in Verbindung getreten sein dürfte. Zu datieren wäre aber frühestens in den Pontifikat Johannes' XIII. und in die Zeit nach dessen Restitution; vgl. auch Grabski, Bolesław Chrobry 28 f.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †398, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0966-00-00_1_0_2_5_0_423_F398
(Abgerufen am 25.07.2017).