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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Johannes (XIII.) flieht aus der Gefangenschaft und sendet Boten zu Kaiser Otto (I.) nach Sachsen mit der Bitte, der römischen Kirche zu Hilfe zu kommen.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Benedikt v. Soratte, Chr. (Zucchetti, FSI. 55/1920, 185); Chr. s. Bartholomaei (MGSS. XXXI 213). Reg.: JL. I p. 471; Böhmer-Ottenthal n. 429 a. Lit.: Dümmler, Otto der Große 408; Brezzi, Roma e l'impero 145 f.; Holtzmann, Kaiserzeit 211; Zimmermann. Papstabsetzungen 97.

Kommentar

Die Quellenaussagen über das Ende der Gefangenschaft des Papstes widersprechen sich. Laut der Cont. Reginonis (Kurze, SS. rer. G. 50/1890, 177), dem auch die Ann. Magdeburgenses (MGSS. XVI 148) folgen, wurde Johannes XIII. nach dem Tode seines Kerkermeisters, des Grafen Rotfred von der Campagna, aus Furcht vor dem anrückenden Kaiser aus der Haft befreit (Tunc Romani imperatoris metuentes adventum Rotfredo iam mortuo a custodia ... Johannem apostolicum absolvunt). Dem widerspricht der Bericht Benedikts (Johannes papa fugatus de custodia in Marsorum regione), dem größere Wahrscheinlichkeit zukommt, da der Papst erst im Nov. 966 nach Rom zurückkehren konnte (n. 396), vorher aber in Capua weilte (n. 393). Insofern mag die Cont. Reginonis recht haben, als dem Papst vielleicht erst nach dem Tode Rotfreds, der laut dem Lib. pont. (Duchesne II 252) von Johannes, dem Sohn des Cencius, ermordet wurde (vgl. dazu auch Gerstenberg, Studien 7, Cecchelli in Arch. stor. Rom. 58/1935, 74 ff., Zimmermann, Parteiungen 70), die Flucht geglückt sein dürfte. Das Datum des Todes Rotfreds ist unbekannt, fällt aber wohl ins Jahr 966 und nicht, wie Falco in Arch. stor. Rom. 38/1915, 686 meint, auf 965. Terminus ante quem ist der Wormser Reichstag vom 15. Aug. 966, auf dem die Entscheidung für den Italienzug Ottos des Großen fiel (vgl. Böhmer-Ottenthal n. 431 a). Damals müssen die päpstlichen Boten schon in Sachsen eingetroffen gewesen sein, wo der Kaiser noch im Juli weilte. Benedikt verlegt die Absendung der Legaten sinnwidrig und chronologisch unmöglich in die Zeit nach der Restitution Johannes' XIII. in Rom: Legatos missus pontifex ab imperatoribus clamide in Saxonia, ut veniret et defenderet sancte Romane ęcclesie. Vgl. ähnlich die Chr. s. Bartholomaei. Auch die angebliche Heimlichkeit der Entsendung ist sinnlos. Noch am 28. Juli 966 wird in Rom nicht nach dem Papst datiert; vgl. Koelmel in HJb. 55/1935, 523. Aus Benedikts Berichterstattung kann erschlossen werden, daß der Papst sich nach seiner Flucht aus der Campagna zunächst ins Marserland wandte, von dort dürfte er nach Capua gezogen sein. Über den weiteren Weg nach Rom vgl. n. 394 f.

Nachträge (1)

Nachtrag von Cyron, eingereicht am 28.05.2017.

Am 14/15 April 966 wurde die Taufe Dagome iudex in Rom oder Bayern dokumentiert.

MILENIUM oder FANTOMZEIT !?!

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 392, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0966-00-00_1_0_2_5_0_417_392
(Abgerufen am 24.09.2017).