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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Der verbannte Papst Benedikt (V.) stirbt in Hamburg und wird entgegen seinem letzten Wunsch auch hier bestattet.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Ann. Hildesheimenses 963 (Waitz, SS. rer. G. 8/1878, 22); Thietmar v. Merseburg, Chr. II 35 u. IV 62 (MGSS. N. S. IX 83 u. 203); Ann. Altahenses 964 (Oefele, SS. rer. G. 4/1891, 10); Adam v. Bremen, Gesta II 12 (Schmeidler, SS. rer. G. 2/1917, 69); Cosmas v. Prag, Chr. I 20 (MGSS. N. S. II 41); Lib. pont., Cat. Aug. (Duchesne II 251); Ann. Saxo 964 (MGSS. VI 617); Holstein, Reimchr. (MG. Dt. Chr. II 627); Ann. Hamburgenses 961 (Reuter 410); Ano. Zwetlensis (Migne, PL. 213, 1027); Martin v. Troppau, Chr. (MGSS. XXII 465); Flores temp. (MGSS. XXIV 245). Reg.: JL. I p. 470; May, Reg. I 32 n. 125; GP. VI 49 n. *57. Lit.: Dümmler, Otto der Große 379; Dehio, Gesch. Hamburg-Bremen 109; Mann, Lives IV 273 ff.; Schmeidler, Hamburg-Bremen 114; Schöffel, Kirchengesch. Hamburgs 115 ff.; Brezzi, Roma e l'impero 142; Borgolte, Grablegen 132.

Kommentar

Als Todestag Benedikts V. gilt der 4. Juli; vgl. Adam v. Bremen sowie Kalendarium Stabulense (Migne, PL. 138, 1198), Kalendarium necr. Weissenburgense (FRG. IV 312), Necr. Hamburgense (Koppmann in Zs. d. Ver. f. Hamburg, Gesch. 6/1875, 91) und Ann. Hamburgenses brevissimi (Reuter 433), auch Magdeburger Necr. (MG. Necr. N. S. II 52); vgl. dazu H. Wellmer, Persönliches Memento im dt. Ma. (1973) 59, wo die Eintragung dem Erzbischof Tagino zugeschrieben wird; vgl. dagegen Althoff in MG. Necr. N. S. II p. XXXII ff. Das Todesjahr ist unbekannt, doch berichten die meisten Quellen vom Tode des verbannten Papstes im Zusammenhang mit dessen Deposition und Exilierung (n. 366), die Ann. Altahenses bezeugen, daß der Papst bald nach seiner Ankunft in Hamburg (paulo post) verstorben sei, und auch laut n. 383 müßte der Tod noch ins Jahr 965 datiert werden, wogegen sich allerdings Dümmler 379 Anm. 2, Löwenfeld und auch Schöffel ausgesprochen haben, die 966 oder ein noch späteres Jahr annehmen möchten; vgl. dazu Zimmermann, Parteiungen 59 u. 63. Bestattungsort war die Hamburger Domkirche, die jedoch im Sommer 983 bei einem Einfall der Obodriten (vgl. May, Reg. I 34 n. 135) zerstört wurde. Damals dürfte man sich an des Papstes letzten Wunsch, in Rom begraben zu werden, erinnert haben. Thietmar berichtet (MGSS. N. S. IX 203), Benedikt habe vor seinem Tode prophezeit, die Hamburger Gegend werde durch Heiden verwüstet werden und nicht eher Frieden haben, bis man seine Gebeine nach Rom gebracht habe (Hic ... fragile corpus meum dehet resolvi; et post haec omnis ista regio gentili gladio desolanda ferisque inhabitanda relinquitur, et ante translationem meam non videbit indigena pacem firmam. Quandocumque vero domi resideo, apostolica intercessione paganos quiescere spero). Möglicherweise hat Benedikts Begleiter Liäwizo (vgl. n. 381), der spätere Hamburger Erzbischof, der wohl am Sterbelager des Papstes weilte und sich als Erzbischof später selbst für die Überführung der Leiche Benedikts V. nach Rom (n. 662) eingesetzt haben dürfte, diese Worte tradiert, die Thietmar eben im Zusammenhang mit der Überführung berichtet. Ein Sarkophag Benedikts V. war allerdings in Hamburg noch bis 1804 zu sehen, doch handelt es sich dabei um ein Monument aus dem 15. Jh., das vermutlich im Zusammenhang mit der Restaurierung der erzbischöflichen Grabstätten 1420 (vgl. May, Reg. I 45 n. 185) errichtet wurde. Die Umschrift auf dem Sarkophag lautet: Benedictus papa, qui de sede apostolica per violentiam remotus et postea cum revocaretur obiit Hamburgii IV. nonas Julii, sepultus est hic. Sie ist wohl im Anschluß an den Bericht Adams v. Bremen über den Tod Benedikts gestaltet worden. Vgl. zum Sarkophag Gregorovius-Schillmann, Grabdenkmäler 104; Mann IV 279 und Montini, Le tombe 156. Über die Hamburger Lokallegende, die Benedikt V. im Kampf gegen die Normannen den Schlachtentod erleiden läßt, vgl. Schöffel 116 Anm. 1. Seit dem 13. Jh. begegnen in den Quellen Verwechslungen Benedikts V. mit Benedikt VI., wonach auch jener im Kerker erdrosselt worden sein soll; vgl. etwa Johannes de Deo (MGSS. XXXI 319) und Albert Milioli (MGSS. XXXI 423).

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 384, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0965-07-04_1_0_2_5_0_408_384
(Abgerufen am 23.01.2017).