Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

Sie sehen den Datensatz 397 von insgesamt 1338.

Papst Calixt gibt allen Gläubigen bekannt (universis et singulis praesentes inspecturis et Christi fidelibus), daß er gelegentlich eines Aufenthaltes im Kloster Santa Maria a piè di Chienti (in ecclesia ista deuotissima sanctę Mariae in pede Clentis) (D. Fermo) im Beisein genannter Kardinäle aus Dankbarkeit für seine wunderbare Rettung aus Kerkerhaft und vor den Verfolgungen der Tyrannen letztwillig diese Kirche als seine Begräbnisstätte bestimmt und allen ihren gläubigen und bußfertigen Besuchern am Feste Mariä Verkündigung und in der folgenden Oktav völligen Ablaß verliehen habe. ‒ Hoc utique in loco ... Dat. apud dictam devotissimam eccl. s. Mariae in pede Clentis ... a. incarn. Dom. DCCCCLXIV., II. vero Jouis Oct.,pont. nostri a. II.

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: Druck: C. Lilii, Dell'historia di Camerino, I (Macerata 1652) 178. Reg.: IP. IV 144 n. † 1; Zimmermann, PUU. 326 n. † 167.

Kommentar

Eine handschriftliche Überlieferung der angeblichen Papsturkunde existiert heute nicht mehr. Lilii behauptet seinen Text in tabul. hosp. Camer. gefunden zu haben. Die völlig falsche zeitliche Einordnung sowie das gänzlich vom Kanzleigebrauch abweichende Formular zeigen jedoch deutlich, daß es sich um eine Fälschung handelt. Die Intention des Fälschers war es wohl, ein möglichst altes Ablaßprivileg des Marienklosters am Chienti bei Montecosaro, heute Santissima Annunziata, vorweisen zu können. Offensichtlich ist, wie die Jahreszahl zeigt, auf die Flucht Leos VIII. aus Rom nach Camerino angespielt (n. 345), doch wurde ein falscher Papstname eingesetzt. Die Erinnerung an die Flucht des Papstes findet sich aber nicht im Kontext der Urkunde, sondern in deren ziemlich weitläufigen Datierung nach der Ortsangabe. Hier werden auch die angeblich zustimmenden Kardinäle genannt: F. E(p). Card. Portuen(sis) et s. Ruffinae, Jo(hannes) P(resb.). Card. tit. ss. Nerei et Achillei, B. P(resb). Card. tit. s. Petri ad Vincula, ... Card. tit. basilicae XII apost., S. S. tit. Card [wohl verschrieben für: S. D(iac). Card. tit.] s. Lucię in Septemsoliis, F. S(ub) D(iac). Card. tit. s. Marię in Aquiro. Eine echte Papsturkunde scheint dem Fälscher nicht zur Vorlage gedient zu haben.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †373, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0964-10-02_1_0_2_5_0_397_F373
(Abgerufen am 27.03.2017).