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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Leo (VIII.) gibt allen Gläubigen bekannt (omnium fidelium sancte Dei ęcclesię nostrorumque scilicet presentium ac futurorum noverit sollertia), daß die auf Wunsch Kaiser Ottos (I.) versammelte Lateransynode (n. 366) mit Berufung auf historische Ereignisse, besonders aber auf die jüngsten römischen Wirren (n. 319 ff.), sowie mit Berufung auf weltliches und kanonisches Recht und auf biblische Stellen beschlossen habe, dem Kaiser (rex Romani imperii) das Recht zu übertragen, den dann von Bischöfen zu weihenden Papst zu wählen (pontificem eligendi ac ordinandi facultatem), Bischöfe zu bestellen, die von ihm Ring und Stab empfangen und nicht vor ihrer Investitur geweiht werden dürfen, sowie sich selbst einen Nachfolger zu wählen. ‒ Convenit apostolico moderamini ...

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 12. Jh., Trier Stadtbibl.: Ms. 1081/29 fol. 75. Drucke: Floß, Papstwahl 147; MG. Const. I 667; Märtl, MG. FJG. XIII 179; Zimmermann, PUU. 317 n. † 166. Reg.: JL. † 3705; Böhmer-Ottenthal n. 355 e; Boye, QuKat. 56. Lit.: vgl. n. 367; I, St. Robinson, Zur Entstehung des Privilegium Maius Leonis VIII. papae (DA. 38/1982, 26‒65).

Kommentar

Zur Datierung vgl. n. 367. Von n. 367 unterscheidet sich das sogenannte Privilegium maius vor allem durch die weitläufige Berufung auf Autoritäten, wobei bes. die Heranziehung des justinianischen Rechtes interessant ist. Noch Floß 99 ff., bes. 112 sprach sich für die innere Echtheit des Privilegs aus, doch steht seit Bernheim in Forsch. z. dt. Gesch. 15/1875, 618 ff. fest, daß es sich wie bei n. 367 um eine Fälschung handelt. Der Ausgangspunkt der Argumentation ist die Übertragung der Rechte des römischen Volkes auf den Patricius gemäß den Institutionen des Justinian. In der historischen Argumentation steht am Beginn die Geschichte Italiens unter Karl dem Großen. In Zusammenhang mit dem Bericht über das Vorgehen Ottos I. gegen Benedikt V. wird angeführt, daß der Kaiser in Fidenza (Borgo San Donnino) einen Zoll errichten und die Kaufleute schwören ließ, keine Waren nach Rom zu führen. Diese Maßnahme stammt wohl erst aus der Zeit der Fälschung, doch erinnerte man sich an ähnliche Maßnahmen Ottos I., die im Lib. pont. (Duchesne II 246) geschildert werden. Laut Schneider in FS. Finke 1925, 117 treten hier wohl Sonderwünsche der Ravennater zutage. Gegen die Entstehung der Fälschung in Ravanna (vgl. die in n. 367 zitierten Arbeiten von Jordan) hat sich Robinson ausgesprochen, der auf Trier und in der Nachfolge von H. Schlechte, Erzbischof Bruno von Trier (1934) 67 ff. auf den unter den Erzbischöfen Egilbert (1079‒1101) und Bruno (1102‒1124) von Trier wirkenden Mönch Theoderich von Tholey, später Abt vom Trierer Martinskloster verweist, den Verfasser von zwei antigregorianischen Traktaten. Daß dem Fälscher die Gegend um Rom kein Begriff war, geht auch aus der Verwechslung von Rieti mit Arezzo in bezug auf die Ereignisse von n. 356 hervor.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †368, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0964-06-00_3_0_2_5_0_392_F368
(Abgerufen am 20.02.2018).