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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Leo (VIII.) überträgt mit Konsens des ganzen römischen Volkes gemeinsam mit den Kardinälen dem Kaiser Otto (I.), der Kaiserin Adelheid und ihren Nachfolgern in Italien (Ottoni imperatori et Adeleidę coniugi tuę regnique consorti vestrisque successoribus huius regni Italię) eidlich vor den Evangelien und genannten Reliquien zum Nutzen der Kurie und zur Abwehr von Reichs- und Kirchenfeinden genannte Besitzungen der römischen Kirche vor allem in Italien, welche durch Schenkungen des Kaisers Justinian (I.), des (Langobarden)königs Aribert (II.), des Frankenkönigs Pippin (I.) und besonders auf Grund einer durch den Notar (H)etherius ausgestellten Urkunde des römischen Patricius und Franken- und Langobardenkönigs Karl (des Großen) erworben wurden, und bedroht Rechtsverletzung mit päpstlicher Ungnade und den durch die Lex Julia für Majestätsverbrechen vorgesehenen Strafen (subiaceat legi Julię reus regię potestatis et reipublicę). ‒ Quę domnus ... Scr. pm. Gregorii archinot. nostri. - Dat. in patriarchio Lateranensi III. kal. Maii, ind. VI., a. sedis eius II. et dicti dom. Ottonis II., feliciter.

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 1‒2) 12. Jh., Bamberg staatl. Bibl.: Ms. can. 9 fol. 104 u. Ms. patr. 48 fol. 66. 3) 12. Jh., Stuttgart LBibl.: Cod. theol. 2 0 206 fol. 189. 4) Um 1200, Wien Nat.Bibl.: Cod. 2213 fol. 13v. Insert: Dietrich v. Niem, Privilegia aut iura (Schardius 792). Erw.: Sicard v. Cremona, Chr. (MGSS. XXXI 158); Johannes de Deo, Chr. (MGSS. XXXI 319); Albert Milioli, Lib. de temp. (MGSS. XXXI 422); Albert Milioli, Chr. (MGSS. XXXI 626); Paulinus Minorita, Speculum (Muratori, Antiquitates IV 993); Amalricus Augerius, Chr. (Muratori, SS. III/2, 329); Galvaneo della Fiamma, Manipulus 132 (Muratori, SS IX 608); Andrea Dandolo, Chr. (SS. rer. Ital. XII/1,176); Dietrich v. Niem, Circa convocationem (Heimpel 47). Drucke: A. Krantz, Saxoniae libri (Köln 1520) IV c. 10 (fragm).; Baronius, Ann. X 784 (fragm.); Lünig, Reichsarchiv IV 66; Lünig, Cod. Italiae dipl. 13; Migne, PL. 134,996; Watterich, Vitae I 675; MG. Const. I 674; Märtl, MG. FJG. XIII 148; Zimmermann, PUU. 302 n. † 163. Reg.: J. CCCLXIX; JL. † 3706; Böhmer-Ottenthal n. 355 e. Lit: Bernheim, Das unechte Dekret 618 ff.; Genelin, Entstehung der angeblichen Privilegien Leos 7 ff.; Schneider, Eine antipäpstliche Fälschung 85 ff.; Jordan, Kaisergedanke in Ravenna 106 ff.; Jordan, Ravennater Fälschungen 437 ff.; Heidrich, Ravenna unter Wibert 125 ff.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Weiland, MG. Const. 1674 und dazu Klinkenborg in GGN. 1897,243, weiters W. Hartmann in DA. 24/1968,498 ff. u Märtl 92 ff. Die sogenannte Cessio donationum Leos VIII. gehört mit n. 367 u. n. 368 zu den sog. Ravennater Fälschungen aus der Zeit des Investiturstreites (vgl. dazu auch Weiland 567 f. u. 663 ff.), deren Echtheit schon Baronius bezweifelte und die Bernheim als Falsifikat erwiesen hat. Als Fälscher wollte Genelin nach mündlichen Äußerungen von Julius Ficker auf Grund der Erwähnung der Lex Julia (Dig. Just. 48,4, 1) den Ravennater Juristen Petrus Crassus ansehen, doch ergibt sich laut Jordan dafür kein strikter Beweis. Als Entstehungszeit vermutete Jordan das Jahr 1084; Märtl 76 die Jahre bis 1109; vgl. dazu auch A. Waas, Heinrich V. (1967)42 f. Auch die Entstehung in Ravenna in der Umgebung Papst Clemens' (III.) ist durch Märtl 90 ff. in Frage gestellt worden, die eher an Farfa denkt. Zur Besitzliste vgl. Schneider 93 ff. Als Vorlage dienten Nennungen im Lib. pont., woher der Fälscher 99 von 151 Namen bezog und andere nach Gutdünken einfügte, wobei auch Unmöglichkeiten begegnen, wie etwa die wohl aus Versehen oder geographischer Unkenntnis erfolgte Nennung von Athen und der Insel Chios. Nicht alle Besitzungen lassen sich identifizieren. Die Reihung erfolgt in geographischer Ordnung und reicht von Norditalien bis nach Unteritalien. Anstelle der Namen der Vorlage stehen z. T. die im 11. Jh. modernen Bezeichnungen. Das Privilegium Ottonianum (n. 305) hat der Fälscher, wie schon Ficker, Forschungen II 331 bemerkte, anscheinend nicht gekannt, obgleich der Zweck der Fälschung die Rückgängigmachung der kaiserlichen Schenkungen war; vgl. dazu auch J. Fried in DA. 29/1973, 505 f. Die Datierung der Cessio donationum wird nur von Dietrich v. Niem überliefert. Nur auf Grund der Tages- und Monatsangabe kann man ins Jahr 964 datieren, dem einzigen April, den Leo VIII. als Papst erlebte, doch stimmt dazu keine der Jahresangaben, und im Apr. 964 war Leo VIII. auch nicht in Rom, sondern bei Kaiser Otto in der Mark Camerino (vgl. n. 351). Möglicherweise dachte der Fälscher an die Lateransynode vom Juni 964 (vgl. n. 366). Vor der Datierung findet sich eine Aufzählung jener Persönlichkeiten, die angeblich der Cessio donationum zustimmten und bei ihrer Ausstellung anwesend waren. Genannt werden italische Bischöfe, römische Kardinäle und römische Adelige und Laien, die zum größten Teil ebenfalls aus Nennungen im Lib. pont. entlehnt wurden und nicht in die Zeit Leos VIII. passen; vgl. zur Liste Schneider 87 ff. Es handelt sich um Erzbischof Citonat von Cagliari, die Bischöfe Eustachius von Albano, Gratiosus von Palestrina, Georg von Porto, Deodat von Ostia, Benedikt von Tivoli, Marcian von Narni, Berard von Castro, Gregor von Todi, Andreas von Mentana, Savinian von Bieda, Damian von Altino, Johannes von Perugia, Valentin von Miseno, Theodor von Mileto und Alberius von Macerata sowie acht Kardinäle und eine große Anzahl von Laien, angeführt durch den Exkonsul und Caput senati Faustinus. Die Namen begegnen ebenso in n. 158.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †352, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0964-04-29_1_0_2_5_0_376_F352
(Abgerufen am 17.10.2017).