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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Ein unter dem Vorsitz des Papstes Johannes XII. im Petersdom tagendes Konzil (concilium in ecclesia beati Petri apostolorum principis) verdammt auf Anfrage des Papstes die in Abwesenheit des Papstes zusammengetretene Synode Kaiser Ottos (I.) vom Dezember (963) (n. 328) als unkanonisch; verurteilt die zu Lebzeiten des Papstes und in Nichtbeachtung der Interstitien erfolgte Weihe (Papst) Leos (VIII.) durch die Bischöfe Sico von Ostia, Benedikt (I.) von Porto und Gregor von Albano (n. 331) als depositionswürdige Vergehen, vertagt aber wegen der Abwesenheit Sicos das Urteil über die Ordinatoren auf die dritte Session, wogegen Papst Johannes mit Konsens des Konzils über Leo als Neophyten und meineidigen Invasor Roms in dessen Absenz sogleich Deposition, Anathem und Exkommunikation sowie über seine früheren und zukünftigen Helfer und Förderer ebenfalls Anathem und Exkommunikation ausspricht; weiters werden die von Leo erteilten Ordinationen für ungültig erklärt, die Ordinierten zur schriftlichen Anerkennung des Urteils gezwungen und durch Abnahme ihrer Insignien in ihren früheren Ordo rückversetzt.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Konzilsakt (MG. Const. I 532 ff.). Reg.: JL. I p. 467; Böhmer-Ottenthal n. 354 b; Boye, QuKat. 56; Zimmermann, PUU. 301 n. 162. Lit.: Dümmler, Otto der Große 358 ff.; Hefele-Leclercq, Hist. des conc. IV 812 ff.; Boye, Synoden 259; Zimmermann, Papstabsetzungen 90 f.; Zimmermann, Dunkle Jh. 151; Wolter, Synoden 82; Hehl, Der wohlberatene Papst 259 ff.; Vacca, Prima sedes 149.

Kommentar

Zur Überlieferung des Konzilsaktes und den Drucken vgl. MG. Const. I 532 und Boye, QuKat. 56. Über die Benützung der Akten in einer Trierer kirchenrechtlichen Sammlung vgl. Sdralek, Wolfenbüttler Fragm. 86 ff. u. R. Pokorny in DA. 35/1979, 511. Vgl. weiters die Erwähnungen bei Bernold v. Konstanz (MG. Ldl. II 44) und Sigebert v. Gembloux (MGSS. VI 350). Ebenso wird die Deposition Leos VIII. bei vielen spätmittelalterlichen Autoren, beginnend von Tholomeus v. Lucca (Muratori, SS. XI 1039), erwähnt, vgl. auch Zimmermann, Papstabsetzungen 252 ff., zum Konzilsakt und den Verhandlungen Zimmermann 237 ff. sowie jüngst Hehl 250 ff. Die Synode datiert a. Deo propitio dom. Ottonis imp .... III., ... V. kal. Mar., men. Feb., die XXVI., ind. VII. Als Teilnehmer werden genannt: die Bischöfe Johannes von Gallese, Johannes von Anagni, Johannes von Narni, Johannes von Norma, Johannes von Veroli, Wido von Silva Candida, Gregor von Albano, Lunissus von Labico, Roman von Ferentino, Sabbatin von Terracina, Johannes von Monterano, Johannes (III.) von Sabina, Johannes von Nepi, Benedikt von Trevi, Johannes von Civita Castellana u. der Missionsbischof Zachäus, weiters der römische Archipresbyter Stephan und der Archidiakon Benedikt, die (Kardinal-)Presbyter Leo von St. Balbina, Dominus von St. Anastasia, Petrus von St. Laurentius (in Damaso), Hadrian von St. Maria (in Trastevere), Theophylakt von St. Chrysogonus, Theophylakt von St. IV Coronati, Johannes von St. Silvester und Martin, Stephan von St. Sabina, Benedikt von St. Sixtus, Johannes von St. Cäcilia und Hadrian von St. Laurentius (in Lucina) sowie die Diakone Benedikt und Bonfilius. Vgl. dazu sowie bes. zur Tatsache, daß die meisten der Genannten auch an der kaiserlichen Synode im Nov. 963 (n. 321) teilgenommen hatten, Zimmermann, Parteiungen 38 ff. Die über Leo VIII. ausgesprochene Depositionssentenz lautet: Sit Leo curialis ac neophitus et periurus noster Dei omnipotentis et beatorum apostolorum principum Petri ac Pauli et omnium simul sanctorum atque venerandorum sex universalium conciliorum auctoritate nec non et Spiritus sancti per nos iuditio omni sacerdotali honore et nomine alienus et omni clericatus officio prorsus exutus, ita ut si post hanc constitutionem divina inspiratione depromptam et unanimitate atque concordia sancti concilii promulgatam temptaverit in apostolico throno residere aut si ulterius ausus fuerit aliquid de sacro ministerio more sacerdotis contingere, iuxta precedentem consuetudinem nullo modo liceat ei communionis spem aut locum habere satisfactionis, sed anathematis vinculis innodatus maneat una cum sociis suis atque fautoribus perpetuo Dei per nostram mediocritatem iuditio ac sententia et sacrum corpus et sanguinem domini nostri Jesu Christi nonnisi vicino mortis periculo omnino percipiat. Über die Abhängigkeit der Formulierung von dem 863 gefällten Urteil über den byzantinischen Patriarchen Photios vgl. Schebler, Reordinationen 212 und Hehl, Der wohlberatene Papst 264 ff. Über die Aufhebung der Ordinationen Leos VIII. und die Rückversetzung der Ordinierten durch Johannes XII. vgl. auch M. C. Saltet, Les réordinations (Paris 1907) 168 ff. und Schebler 211 ff. Über die Nichtbeachtung der Interstitien vgl. A. Wasner, De consecratione, inthronisatione, coronatione Summi Pontificis (Appollinaris 8/1935. 105). Gegenüber Kaiser Otto ist das Konzilsprotokoll merkwürdig zurückhaltend. Wie die an der Spitze stehende Datierung zeigt, bleibt sein Kaisertum unbestritten, und an der Erhebung Leos VIII. (n. 329) wird anscheinend nicht ihm, sondern seinem Episkopat die Hauptschuld aufgelastet; vgl. dazu Zimmermann, Parteiungen 44.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 347, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0964-02-26_1_0_2_5_0_371_347
(Abgerufen am 16.01.2017).